Liederkreis Op. 39 (Schumann)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Joseph von Eichendorff
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Liederkreis Op. 39 – Zwölf Gesänge nach Joseph von Eichendorff
Untertitel: {{{SUBTITEL}}}
aus: Schumann - Sämtliche Lieder für eine Singstimme mit Klavierbegleitung. Edition No. 2383
Herausgeber: Max Friedlaender
Auflage: {{{AUFLAGE}}}
Entstehungsdatum: {{{ENTSTEHUNGSJAHR}}}
Erscheinungsdatum: 1885-1900
Verlag: C.F. Peters
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: {{{ERSCHEINUNGSORT}}}
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: pdf der Partitur bei Commons
Kurzbeschreibung: Zyklus von zwölf Liedern, 1840 von Robert Schumann aus Einzelgedichten zusammengestellt und vertont.
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:{{{BILD}}}|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


I. In der Fremde

Aus der Heimat hinter den Blitzen rot
da kommen die Wolken her,
aber Vater und Mutter sind lange tot,
es kennt mich dort keiner mehr.
Wie bald, ach wie bald kommt die stille Zeit,
da ruhe ich auch, und über mir
rauscht die schöne Waldeinsamkeit.
und keiner kennt mich mehr hier.

II. Intermezzo

Dein Bildnis wunderselig
hab’ ich im Herzensgrund,
das sieht so frisch und fröhlich
mich an zu jeder Stund’.
Mein Herz still in sich singet
ein altes, schönes Lied,
das in die Luft sich schwinget
und zu dir eilig zieht.

III. Waldesgespräch

„Es ist schon spät, es ist schon kalt,[1]
was reit’st du einsam durch den Wald?
der Wald ist lang, du bist allein,
du schöne Braut! Ich führ’ dich heim!“
„Gross ist der Männer Trug und List,
vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,
wohl irrt das Waldhorn her und hin,
o flieh’! du weisst nicht, wer ich bin.“
„So reich geschmückt ist Ross und Weib,
so wunderschön der junge Leib,
jetzt kenn’ ich dich, Gott steh mir bei!
Du bist die Hexe Loreley!“
„Du kennst mich wohl, von hohem Stein
schaut still mein Schloss tief in den Rhein.
Es ist schon spät, es ist schon kalt,
kommst nimmermehr aus diesem Wald!“

IV. Die Stille

Es weiss und rät es doch keiner,
wie mir so wohl ist, so wohl!
Ach, wüsst’ es nur einer, nur einer,
kein Mensch es sonst wissen soll!
So still ist’s nicht draussen im Schnee,
so stumm und verschwiegen sind
die Sterne nicht in der Höh’,
als meine Gedanken sind.
Ich wünscht’, ich wär’ ein Vöglein
und zöge über das Meer,
wohl über das Meer und weiter,
bis dass ich im Himmel wär’!
Es weiss und rät es doch keiner,
wie mir so wohl ist, so wohl!
Ach, wüsst’ es nur einer, nur einer,
kein Mensch es sonst wissen soll.

V. Mondnacht

Es war, als hätt’ der Himmel
die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nur träumen müsst!
Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis’ die Wälder,
so sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus’.

VI. Schöne Fremde

Es rauschen die Wipfel und schauern,
als machten zu dieser Stund’
um die halb versunkenen Mauern
die alten Götter die Rund’.
Hier hinter den Myrtenbäumen
in heimlich dämmernder Pracht,
was sprichst du wirr wie in Träumen,
zu mir, phantastische Nacht?
Es funkeln auf mich alle Sterne
mit glühendem Liebesblick,
es redet trunken die Ferne
wie von künftigem großem Glück!

VII. Auf einer Burg

Eingeschlafen auf der Lauer
oben ist der alte Ritter;
drüber gehen Regenschauer,
und der Wald rauscht durch das Gitter.
Eingewachsen Bart und Haare,
und versteinert Brust und Krause,
sitzt er viele hundert Jahre
oben in der stillen Klause.
Draussen ist es still und friedlich,
alle sind ins Tal gezogen,
Waldesvögel einsam singen
in den leeren Fensterbogen.
Eine Hochzeit fährt da unten
auf dem Rhein im Sonnenscheine,
Musikanten spielen munter,
und die schöne Braut, die weinet.

VIII. In der Fremde

Ich hör’ die Bächlein rauschen,
im Walde her und hin,
im Walde in dem Rauschen,
ich weiss nicht, wo ich bin.
Die Nachtigallen schlagen
hier in der Einsamkeit,
als wollten sie was sagen
von der alten schönen Zeit.
Die Mondesschimmer fliegen,
als säh’ ich unter mir
das Schloss im Tale liegen,
und ist doch so weit von hier!
Als müsste in dem Garten,
voll Rosen weiss und rot,
meine Liebste auf mich warten,
und ist doch so lange tot.

IX. Wehmut

Ich kann wohl manchmal singen,
als ob ich fröhlich sei,
doch heimlich Tränen dringen,
da wird das Herz mir frei.
Es lassen Nachtigallen,
spielt draussen Frühlingsluft,
der Sehnsucht Lied erschallen
aus ihres Kerkers Gruft.
Da lauschen alle Herzen,
und alles ist erfreut,
doch keiner fühlt die Schmerzen,
im Lied das tiefe Leid.

X. Zwielicht

Dämm’rung will die Flügel spreiten,
schaurig rühren sich die Bäume,
Wolken zieh’n wie schwere Träume –
was will dieses Grau’n bedeuten?
Hast ein Reh du, lieb vor andern,
lass es nicht alleine grasen,
Jäger zieh’n im Wald und blasen,
Stimmen hin und wieder wandern.
Hast du einen Freund hienieden,
trau’ ihm nicht zu dieser Stunde,
freundlich wohl mit Aug’ und Munde,
sinnt er Krieg im tück’schen Frieden.
Was heut’ gehet müde unter,
hebt sich morgen neugeboren.
Manches geht in Nacht verloren –
hüte dich, sei wach und munter.

XI. Im Walde

Es zog eine Hochzeit den Berg entlang,
ich hörte die Vögel schlagen,
da blitzten viel Reiter, das Waldhorn klang,
das war ein lustiges Jagen!
Und eh’ ich’s gedacht, war alles verhallt,
die Nacht bedecket die Runde,
nur von den Bergen noch rauschet der Wald
und mich schauert’s im Herzensgrunde.

XII. Frühlingsnacht

Überm Garten durch die Lüfte
hört’ ich Wandervögel ziehn,
das bedeutet Frühlingsdüfte,
unten fängt’s schon an zu blüh’n.
Jauchzen möcht’ ich, möchte weinen,
ist mir’s doch, als könnt’s nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
mit dem Mondesglanz herein.
Und der Mond, die Sterne sagen’s,
und im Traume rauscht’s der Hain,
und die Nachtigallen schlagen’s:
„Sie ist deine, sie ist dein!“

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Bei Eichendorff: Es ist schon spät, es wird schon kalt