MKL1888:Änēas

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Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Änēas“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 1 (1885), Seite 559560
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  1. Aeneas
  2. Aineias Taktikos
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Änēas. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 1, Seite 559–560. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:%C3%84n%C4%93as (Version vom 01.11.2021)

[559] Änēas, 1) berühmter Troerheld, des Anchises und der Aphrodite Sohn, der seinem Verwandten Priamos seine Dardaner zuführte, ob seiner Frömmigkeit, Weisheit und Tapferkeit hochgeehrt. Er wird von Diomedes mit schwerem Feldstein an der Hüfte getroffen; vergebens schirmt ihn Aphrodite, auch sie wird verwundet; aber Apollon trägt ihn in seinen Tempel auf Pergamon und pflegt ihn. Dem Kampf mit Achilleus entreißt ihn Poseidon, denn der fromme Held und sein Geschlecht soll nach dem Untergang des den Göttern verhaßten Priamos und dessen Hauses über Troja herrschen. So weit Homer. Erst spätere Schriftsteller haben die Sage von ihm in verschiedener Weise weiter ausgebildet und sie mit der Gründung von Rom verknüpft. Namentlich ist dies von Vergil in der Äneide geschehen. Hiernach übergibt Ä., als er Troja verloren sieht, die Hausgötter seinem Vater Anchises und verläßt, diesen auf dem Rücken tragend, sein Söhnlein Ascanius führend, die brennende Stadt; sein Weib Krëusa verliert er. Im Gebirge sammelt er die Flüchtlinge, bemannt mit ihnen 20 Schiffe und segelt von Antandros ab, zuerst nach Thrakien, wo er Änos und Änea gründet, dann nach Delos und Kreta. Dort will er sich niederlassen, aber die Pest vertreibt ihn. Bei Aktion feiert er dem Apollo Spiele, in Epirus begegnet er dem Priamiden Helenos, der ihm seine fernern Schicksale weissagt. Dessen Warnungen folgend, meidet er glücklich die Scylla und Charybdis und landet in Sizilien am Vorgebirge Drepanum, wo sein Vater stirbt. Von Äolus auf Befehl der feindlichen Juno durch Sturm nach Karthago verschlagen, wird er von Dido freundlich aufgenommen und gewinnt deren Liebe. Aber Jupiter gebietet ihm, heimlich zu entfliehen; die Getäuschte gibt sich den Tod. Er gelangt darauf nach Sizilien zu Akestes, der gleichfalls aus Troja stammt, und feiert dort den Manen seines Vaters zu Ehren Spiele. Nun läßt Ä. die Frauen und die Greise in dem von ihm erbauten Akesta zurück und wendet sich nach Italien. Bei Cumä führt ihn die Sibylle in die Unterwelt; nachdem er in Cajeta seine Amme beerdigt, landet er im Gebiet von Laurentum. Der König Latinus bietet ihm seine Tochter Lavinia zur Gemahlin, aber deren Mutter [560] widerstrebt auf Anstiften der Juno und reizt den Turnus, den sie zu ihrem Eidam bestimmt hat, zum Kampf wider die Fremdlinge. A. findet Zuflucht bei Evander am Palatinischen Berg, und ausgerüstet mit herrlichen Waffen, die ihm Vulkan auf Bitten der Venus geschmiedet, erlegt er unter den Mauern von Lavinium, am Fluß Numicius den Nebenbuhler und den Etrusker Mezentius. Nach der Schlacht wurde er nicht mehr gesehen und nachher in einem Hain und Tempel an jenem Fluß als Stammgott (Jupiter indiges) verehrt. Sein Sohn von der Krëusa, Ascanius (auch Iulus genannt und daher Stammvater des römischen Geschlechts der Julier), gründete Albalonga; die Herrschaft über dasselbe ging aber nach seinem Tod auf seinen jüngern Bruder, A. Silvius, den Sohn der Lavinia, über, von dem die nachfolgenden Könige von Albalonga abstammen. Vgl. Klausen, Ä. und die Penaten (Hamb. 1839–40, 2 Bde.).

2) Ä., der Taktiker, wahrscheinlich Eine Person mit Ä. von Stymphalos, dem Feldherrn der Arkadier in der Schlacht bei Mantineia 362 v. Chr., einer der ältesten Kriegsschriftsteller. Von seinem System der Kriegskunst (betitelt: „Hypomnemata“) ist neben Fragmenten von den andern nur das Buch „Von der Belagerungskunst“ vollständig erhalten und für die Kenntnis der ältern Kriegskunst sowie in historischer Hinsicht wichtig; herausgegeben von Köchly und Rüstow („Griechische Kriegsschriftsteller“, Bd. 1, Leipz. 1853, mit deutscher Übersetzung), von Hercher (Berl. 1870) und Hug (Leipz. 1874). Vgl. Hug, Ä. von Stymphalos (Leipz. 1878).