MKL1888:Andronīkos

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Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Andronīkos“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 1 (1885), Seite 557558
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Andronīkos. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 1, Seite 557–558. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Andron%C4%ABkos (Version vom 05.11.2021)

[557] Andronīkos, 1) byzantinische Kaiser: a) A. I., Kaiser 1183–85, Sohn Isaaks, Enkel des Kaisers Alexios Komnenos, geriet 1141 in türkische Gefangenschaft, wurde nach seiner Freilassung vom Kaiser Manuel zum Anführer des Heers in Kilikien ernannt, zerfiel jedoch bald mit dem argwöhnischen Kaiser, der ihn einkerkern ließ. Nach mehr als zwölfjähriger Gefangenschaft entkam A., floh zum russischen Großfürsten Jaroslaw von Kiew und erwarb sich dessen Gunst. Mit Manuel versöhnt, zog er demselben mit russischen Truppen gegen die Ungarn zu Hilfe. Abermals in Ungnade gefallen, wurde er nach Cypern verbannt, floh dann nach Jerusalem, darauf von hier mit der von ihm verführten Witwe des Königs Balduin III., Theodora, zu dem türkischen Sultan nach Damaskus und hierauf zu den Türken in Kleinasien. Später begnadigt, wurde er nach Önoe in Pontus verwiesen. Bei den nach dem Tod Manuels 1180 ausbrechenden Unruhen kehrte er, auf bedeutenden Anhang gestützt, nach Konstantinopel zurück und ließ den jungen Alexios krönen. Durch einen von ihm erregten Volksaufstand erzwang er 1183 seine Erhebung zum Mitregenten, ließ bald darauf Alexios erdrosseln und heiratete dessen Verlobte Agnes, eine Tochter Ludwigs VII. von Frankreich. Er regierte mit Kraft und Geschick, veranlaßte aber durch die entsetzliche Grausamkeit, mit der er gegen den hohen Adel wütete, zahlreiche Aufstände; ein Verwandter des Kaisers Isaak Komnenos brachte Cypern zum Abfall und behauptete sich dort als Kaiser 1184–1191. Von dem vor A. flüchtigen Alexios Komnenos herbeigerufen, entsandte König Wilhelm II. von Sizilien 1185 Heer und Flotte gegen das griechische Reich, die Normannen eroberten Durazzo und dann Thessalonika und zogen gegen Konstantinopel heran. Da wurde A. durch eine von Isaak Angelos erregte Empörung in der Hauptstadt entthront und unter entsetzlichen Mißhandlungen getötet. – b) A. II., der ältere, Sohn des Michael Paläologos, anfangs dessen Mitregent, seit 1283 Alleinherrscher, brach die von seinem Vater eingeleiteten Unterhandlungen über eine Vereinigung der griechischen und lateinischen Kirche ab und wurde deshalb vom Papst Clemens V. 1307 in den Bann gethan. Gegen die in Kleinasien [558] immer weiter sich ausbreitenden Türken nahm er 1302 die katalanischen Söldner in seinen Dienst, dieselben entzweiten sich aber bald mit dem Kaiser, verheerten 1305–1308 Thrakien und Makedonien und zogen 1309 nach dem eigentlichen Griechenland, wo sie sich des Herzogtums Athen bemächtigten. A. wurde 1328 von seinem Enkel A. III. vom Thron gestoßen und starb 1332 zu Adrianopel in einem Kloster. – c) A. III., der jüngere, Sohn des 1320 verstorbenen ältesten Sohns A.’ II., Michael, wurde als Mörder seines Bruders Manuel von seinem Großvater von der Thronfolge ausgeschlossen, zwang denselben aber, ihn 1325 als Mitregenten anzuerkennen, bemächtigte sich dann 1328 der Hauptstadt, nötigte seinen Großvater zur Abdankung und bestieg selbst den Thron. Unter ihm eroberten die osmanischen Türken unter Orchan 1330 Nicäa und dehnten ihr Gebiet bis zum Bosporus aus. Stephan III., Urosch, König von Serbien, der 1330 sich auch Bulgarien unterthänig machte, und dessen Nachfolger Stephan IV., Duschan, eroberten den größten Teil von Makedonien und Epirus. A. starb 1341 und hinterließ einen neunjährigen Sohn, Johannes V. Paläologos, unter der Vormundschaft des Großdomestikus Johannes Kantakuzenos. – d) A. IV., Sohn Johannes’ V., Paläologos, führte während der Abwesenheit seines im Abendland gegen die Türken Hilfe suchenden Vaters 1369–70 die Regierung, verschwor sich dann, von diesem verstoßen, 1385 mit Saudschi, dem Sohn des Sultans Murad I., zum Sturz der Väter, wurde aber geblendet und eingekerkert. Im J. 1376 durch die mit seinem Vater verfeindeten Genuesen aus der Haft befreit, bemächtigte er sich Konstantinopels und setzte seinen Vater gefangen; doch gelang es diesem, zu entfliehen und 1379 mit türkischer Hilfe die Hauptstadt wieder einzunehmen; 1381 kam zwischen beiden ein Vertrag zu stande, durch welchen A. Selymbria, Heraklea und einige andre Orte in Thrakien erhielt. Er starb 1385.

2) Griech. Architekt aus Kyrrhos in Syrien oder Makedonien, Erbauer des marmornen „Turms der Winde“ oder des Horologiums zu Athen, welches noch jetzt steht. Es ist ein Werk der spätern griechischen Kunst (vermutlich aus der Zeit des Scipio Nasica, 159 v. Chr.), achteckig, mit den Reliefdarstellungen der Hauptwinde; auf dem Dach diente ein beweglicher eherner Triton als Windfahne, darunter sind die Linien einer Sonnenuhr eingegraben (s. Tafel „Baukunst IV“, Fig. 10).

3) Peripatet. Philosoph aus Rhodus, Haupt der Aristoteliker in Rom 50–80 v. Chr., Ordner und Herausgeber der Schriften des Theophrast und Aristoteles, schrieb ein ausführliches Werk über Leben und Schriften des Aristoteles, Kommentare über dessen Physik, Ethik und Kategorien u. a., wovon aber nichts mehr vorhanden ist.

4) A. Kallistos, aristotel. Philosoph aus Thessalonika, lebte bis 1453 in Konstantinopel, dann in Rom, Florenz und Ferrara, wo er Lehrer der griechischen Sprache ward, und starb 1478 in Paris. Er ist Verfasser einer dem vorigen zugeschriebenen Schrift über die Leidenschaften (hrsg. Oxf. 1809) und vielleicht auch einer Paraphrase der Aristotelischen Ethik an den Nikomachos (hrsg. von Daniel Heinsius, Leid. 1617, Cambridge 1679).