MKL1888:Bragi

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Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Bragi“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 3 (1886), Seite 305
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Bragi. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 3, Seite 305. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Bragi (Version vom 03.05.2021)

[305] Bragi, in der nord. Mythologie Sohn Odins und der Frigg, der Gott der Beredsamkeit und der Dichtkunst. Als Urheber der Skaldenkunst, die nach ihm Bragr genannt wird, waren ihm Zauberrunen in die Zunge eingegraben. Im Bild erscheint er als bejahrter Mann mit langem Bart, aber runzelloser Stirn. Seine Gattin ist Idun (s. d.); sie verwahrt die zauberhaften Äpfel, welche den Göttern ewige Jugend verleihen. In der Verbindung Bragis mit Idun ist nach Simrock die „verjüngende Kraft der Dichtkunst“ ausgesprochen, ebenso wie der Umstand, daß B. die Geister der im Kampf gefallenen Helden in der Ewigkeit begrüßt, darauf hindeutet, daß durch ihn, den Vorsteher der Skalden, der Helden Ruhm ewig in den Liedern fortlebte. Die jüngere Edda (s. d.) enthält die sogen. Bragarödhur, d. h. mythische Geschichten, welche B. bei einem Trinkgelag in der Halle der Götter dem Ögir erzählt. Übrigens ist Uhland der Ansicht, daß in B. ein geschichtlicher Sänger, ein Skalde des 8. Jahrh. (B. der Alte, Boddis Sohn), zum mythischen erhoben wurde, in welchem nun Odin, als der ursprüngliche Gott der Dichtkunst, verjüngt erscheint.