MKL1888:Browning

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Meyers Konversations-Lexikon
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Originalseite(n)
481, 482

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Browning. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 3, S. 481. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Browning&oldid=- (Version vom 18.07.2016)

Browning (spr. braun-), 1) Robert, engl. Dichter, geb. 1812 zu Camberwell bei London, machte hier seine Studien und unternahm, 20 Jahre alt, eine Reise nach Italien, wo er Land und Leute und deren Geschichte aufs gründlichste studierte. Als Dichter trat er zuerst mit einer Erzählung in Versen, „Pauline“, auf, der 1836 sein Drama „Paracelsus“ folgte, worin er diesen als Charlatan verschrieenen Naturphilosophen als Denker in sein Recht einzusetzen und außerdem mit Faustschen Zügen auszustatten versuchte. B. zeigt sich darin als ein bedeutendes, unabhängiges, aber rauhes Genie, und trotz seines hohen poetischen Wertes sprach das Stück nur wenig an. Mehr Beifall fand das phantastische, aber anmutige dramatische Gedicht „Pippa passes“. Im J. 1837 erschien „Strafford“, ein historisches Trauerspiel, das in London aufgeführt wurde, aber nur mit vorübergehendem Beifall; noch weniger Anklang fand das Drama „A blot in the scutcheon“ (1843). Inzwischen hatte B. den wieder faustisch angelegten „Sordello“ (1840) herausgegeben. Nach längerer Pause veröffentlichte er 1846 eine Sammlung dramatischer und lyrischer Stücke: „Bells and pomegranates“, worin sich eine bedeutende Modifizierung seines frühern Stils und ein großes Streben nach Realität kundgaben; wahrscheinlich hatte seine Gattin (s. unten) und der seit seiner Verheiratung 1846 in Florenz genommene Aufenthalt auf ihn gewirkt. Im J. 1850 erschien sein „Christmas-eve and Easter-day“ (1850), ein religiös-philosophisches Gedicht, reich an kühnen Gedanken und poetischen Bildern, aber nicht frei von der Neigung zum Seltsamen, welche sich durch alle Schöpfungen des Verfassers zieht; darauf 1855: „Men and women“, eine Sammlung von Gedichten, die vorzugsweise auf italienischem Boden entstanden waren. Nach dem Tod seiner Gattin nach London zurückgekehrt, wo er seitdem lebt, veröffentlichte er weitere Gedichtsammlungen, wie: „Dramatis personae“ (Lond. 1864) und „The soul’s errand“ (1864), worauf 1869 „The ring and the book“ (2. Aufl. 1872, 4 Bde.) erschien, vielleicht sein bedeutendstes poetisches Werk und jedenfalls eine der vorzüglichsten Dichtungen der englischen Litteratur. Seine spätern Werke sind meist sehr lange erzählende Gedichte, wie: „Balaustion’s adventure“ (1871); „Prince Hohenstiel-Schwangau, saviour of society“ (1871, 2. Aufl. 1872), ein psychologisches, gegen Napoleon III. gerichtetes Poem, mit Seitenhieben auf den Papst und die Klerisei; ferner „Fifine at the fair“ (1872); „The red cotton nightcap-country, or Turf and towers“ (1873); „Aristophanes’ apology and the last adventure of Balaustion“ (1875) und „Panchiarotto, and how he worked in distemper, with other poems“ (1876), worin die großartige Philosophie Brownings sich schließlich in Cynismus und [482] Verzweiflung an der Menschheit aufzulösen scheint. Außerdem erschienen noch: „The Inn-album“ (1874; deutsch u. d. T.: „Das Fremdenbuch“, Hamb. 1877); eine Übersetzung von Äschylos’ „Agamemnon“ (1877) sowie zwei Gedichte: „La Saisiaz“ und „The two poets of Croisic“ (1878); „Dramatic idyls“ (1879–1880, 2 Bde.); zuletzt „Ferishtah’s fancies“ (1884). Eine Sammlung seiner Werke erschien in 6 Bänden (neue Ausg., Lond. 1868), eine Auswahl derselben in 2 Bänden (neue Ausg. 1884). Eine Browning Society wurde 1881 von Furnivall (s. d.) gegründet, zum Zweck der Erläuterung und weitern Verbreitung der Werke des Dichters.

2) Elizabeth, engl. Dichterin, Gattin des vorigen, geb. 1809 zu London als die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns, Barrett, erhielt eine ausgezeichnete Erziehung und beschäftigte sich besonders eingehend mit dem klassischen Altertum, so daß sie bereits 1826 mit einem „Essay on the mind“ auftrat und sehr jung eine 1833 gedruckte Übersetzung des „Gefesselten Prometheus“ von Äschylos lieferte, die von hoher dichterischer Begabung zeugte. Traurige Lebenserfahrungen und Kränklichkeit stimmten sie düster und verliehen ihren Dichtungen den grübelnden Charakter ihres Vorbildes Shelley, so namentlich in: „Romaunt of Margaret“ (1836), „The Seraphim, and other poems“ (1838) und „Romaunt of the Page“ (1839). Ihre Verheiratung mit Robert B. (1846) führte sie nach dem Süden, der für sie nun eine zweite Heimat ward. In ihrem nach Shelleys Manier formlosen Werk „The casa Guidi windows“ (1851) lieh sie ihrer Begeisterung für Italiens beginnende politische Wiedergeburt begeisterte Worte. Ihr Hauptwerk aber ist „Aurora Leigh“ (1857, 11. Aufl. 1873), welches die Leiden einer edlen weiblichen Natur im Kampf gegen den konventionellen Zwang der Gesellschaft zum Gegenstand hat. Ihre Sympathien für Italien bekunden auch die „Poems before Congress“ (1860). Sie starb 29. Juni 1861 in Florenz. Gesammelt erschienen ihre „Poetical works“ in 5 Bänden (8. Aufl., Lond. 1870) sowie in einer Auswahl von 2 Bänden (neue Ausg. 1884). Später wurden auch ihre „Letters to R. Hengist Horne“ (1876, 2 Bde.) veröffentlicht. Vgl. P. Bayne, „Two great Englishwomen“ (Lond. 1881); Druskowitz, Drei englische Dichterinnen (Berl. 1884).

Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl.
Ergänzungen und Nachträge
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Band 17, Seite 173
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Browning, 1) Robert, engl. Dichter, starb 12. Dez. 1889 in Venedig und wurde 31. Dez. in der Westminsterabtei zu London beigesetzt.

Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl.
Jahres-Supplement 1890–1891
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Band 18, Seite 144
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Browning, Robert, engl. Dichter. Eine neue Ausgabe seiner sämtlichen Werke in 16 Bänden erscheint seit 1888. Vgl. Mrs. Sutherland, Handbook to the works of R. B. (Lond. 1885); Fotheringham, Studies on the poetry of R. B.(2. Aufl. 1888); E. Gosse, Robert B., personalia (1890). – Die Biographie seiner Gattin Elizabeth Barrett-B. schrieb John Ingram (1888).