MKL1888:Cavendish

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Meyers Konversations-Lexikon
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Originalseite(n)
877

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Cavendish. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 3, S. 877. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Cavendish&oldid=- (Version vom 26.10.2018)

Cavendish (spr. käww’ndisch od. känndisch), 1) (C. von Trimley) Sir Thomas (bei den Zeitgenossen gewöhnlich Candish genannt), engl. Seefahrer, geboren in der Grafschaft Suffolk, studierte eine Zeitlang zu Cambridge, wandte sich dann an den Hof, wo er im Spiel fast sein ganzes Vermögen vergeudete, und beschloß nun, als Seefahrer sein Glück zu versuchen. Er rüstete aus eigenen Mitteln 1586 drei Schiffe aus, umsegelte die Südspitze des amerikanischen Kontinents, und dann längs der chilenischen und peruanischen Küste steuernd, kaperte er gegen 20 Schiffe der Spanier mit einer Ladung von ungeheuerm Wert, brandschatzte deren Städte und kam nach vollbrachter Weltumseglung 9. Sept. 1588 glücklich und mit reicher Beute in den Hafen von Plymouth zurück. Allein schon nach wenigen Jahren war alles wieder verschwendet, und C. sah sich zu neuen Unternehmungen genötigt. So brach er 26. Aug. 1591 von neuem mit fünf Schiffen auf, segelte wieder brennend und sengend längs der Küste Brasiliens, erreichte auch die Magelhaensstraße, welche er aber des stürmischen Wetters wegen nicht zu durchfahren vermochte, und fand aus der Rückreise im Atlantischen Ozean 1592 seinen Tod. Unter der Mannschaft der übrigen Schiffe befand sich der berühmte Nordpolfahrer John Davis (s. d.).

2) Henry, Chemiker, geb. 10. Okt. 1731 zu Nizza, Sohn des Lords Charles C. (s. Devonshire), lebte als Privatmann nur den Wissenschaften und starb 14. Febr. 1810 in London. Er erkannte 1766 Kohlensäure und Wasserstoff als eigentümliche Gase, bestimmte deren spezifisches Gewicht, entdeckte das Knallgas und gab die ersten Begriffe von der chemischen Äquivalenz. In seinen Arbeiten über die atmosphärische Luft (1783–88) zeigte er die konstante Zusammensetzung derselben und untersuchte die Veränderungen, welche die Luft erleidet, wenn andre Körper in ihr verbrennen. Er stellte fest, daß beim Verbrennen von Wasserstoff ein den verschwundenen Gasen gleiches Gewicht Wasser entsteht, und erkannte, daß sich bei Verbindung von Stickstoffoxyd mit Sauerstoff salpetrige Säure bildet, blieb aber trotzdem der phlogistischen Theorie treu. 1798 bestimmte er die mittlere Dichtigkeit der Erdkugel und lieferte auch mathematische und astronomische Arbeiten. Seine Schriften, meist Abhandlungen in den „Philosophical Transactions“ (1766–1809), sind durch Scharfsinn und Genauigkeit ausgezeichnet. Vgl. Wilson, Life of Henry C. (Lond. 1852).

3) Frederick Charles, Lord, brit. Staatsmann, geb. 20. Nov. 1836, zweiter Sohn des Herzogs von Devonshire und jüngerer Bruder des Marquis von Hartington, studierte in Cambridge und bekleidete 1859–64 bei Lord Granville und, seit 1865 liberales Mitglied des Unterhauses, 1872–73 bei Gladstone den Posten eines Privatsekretärs. In dem Ministerium des letztern war er von August 1873 bis Februar 1874 Lord im Schatzamt und von April 1880 bis Mai 1882 Finanzsekretär desselben. Im Mai 1882 wurde er, als Forster wegen der Änderung der irischen Politik Gladstones seine Entlassung nahm, zum Obersekretär für Irland ernannt und reiste mit dem Vizekönig Lord Spencer 5. Mai nach Dublin ab. Allein schon am Nachmittag des 6. Mai wurde er, als er mit dem Unterstaatssekretär Th. Burke im Phönixpark zu Dublin lustwandelte, von Mördern überfallen und getötet. Die Mörder, welche die That aus Haß gegen England vollbracht hatten, wurden 1883 von einem Mitschuldigen (Carey) verraten und hingerichtet. Der liberalen Partei des Unterhauses hatte C. seit 1865 als Mitglied für einen Wahlbezirk der Grafschaft Yorkshire angehört.