MKL1888:Chaptal

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Wikisource-logo.svg

Wikisource-Seite: Jean-Antoine Chaptal

Tango style Wikipedia Icon.svg
Wikipedia-Artikel: Jean-Antoine Chaptal
Wiktionary small.svg
Wiktionary-Eintrag:
Seite mit dem Stichwort „Chaptal“ in Meyers Konversations-Lexikon

Originalseite(n)
941

korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Empfohlene Zitierweise
Chaptal. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 3, S. 941. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Chaptal&oldid=- (Version vom 28.05.2018)

Chaptal (spr. schaptall), Jean Antoine Claude, Graf von Chanteloup, Staatsmann und Chemiker, geb. 4. Juni 1756 zu Nogaret (Lozère), bildete sich in Paris und lebte dann als Arzt und Professor der Chemie in Montpellier. Seine hier gehaltenen Vorträge erschienen 1790 („Éléments de chimie“, 3 Bde.; 4. Aufl. 1803) und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Er gründete Fabriken, in welchen die ersten Versuche in der Bereitung von Schwefelsäure, künstlichem Alaun und Soda gemacht wurden, die in der Industrie eine förmliche Revolution bewirkten; auch führte er die Türkischrotfärberei in Frankreich ein und gab ein nach ihm benanntes Weinverbesserungsverfahren an. Im J. 1798 ward er Mitglied des Instituts und 1799 von Napoleon in den Staatsrat berufen. Im J. 1800 zum Minister des Innern ernannt, richtete er sein Augenmerk vorzüglich auf die Hebung der Industrie; er begründete die Handelsgesetzgebung und vermehrte die Börsen, sorgte für die arbeitenden Klassen und beutete die Fortschritte Englands im Maschinenwesen aus. Ihm verdankt Frankreich auch die erste Kunst- und Gewerbeschule, die in Compiègne errichtet, später nach Châlons verlegt wurde. Die großen Sammlungen des Konservatoriums für Künste und Gewerbe ordnete er und öffnete sie für den Unterricht industrieller Bürger. Er begünstigte auch den Bau neuer Straßen (z. B. über den Simplon, den Mont Cenis und den Mont Genèvre), Brücken und Kanäle und begründete die freie Flußschiffahrt. Er rief die ägyptische Kommission ins Dasein, die das für alle Zeiten ruhmvolle Nationalwerk schuf. Ebenso war er thätig für die Errichtung und Ausbildung wissenschaftlicher Lehranstalten. Weil C. sich aber weigerte, den Runkelrübenzucker für besser zu erklären als Rohrzucker, erhielt er 1804 seine Entlassung, ward indes schon 1805 vom Kaiser zum Mitglied des Erhaltungssenats berufen und 1811 zum Grafen erhoben. Während der Hundert Tage war er Staatsminister und Direktor des Handels und der Manufakturen. Nach der Restauration trat er ins Privatleben zurück, ward aber von Ludwig XVIII. 1819 in die Pairskammer berufen. Er starb 30. Juli 1832 in Paris. Seine Hauptwerke sind: „Essai sur le perfectionnement des arts chimiques en France“ (Par. 1800); „Chimie appliquée aux arts“ (das. 1807, 4 Bde.; deutsch von Hermbstädt, Berl. 1808) und „Chimie appliquée à l’agriculture“ (Par. 1823, 2 Bde.; 2. Aufl. 1829; deutsch von Eisenbach, mit einem Anhang von Schübler, Stuttg. 1824). Seine letzte litterarische Leistung war das Werk „De l’industrie française“ (Par. 1829, 2 Bde.).