MKL1888:Chodowiecki

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Meyers Konversations-Lexikon
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Wikisource-Seite: Daniel Chodowiecki

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  1. Daniel Chodowiecki
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Wiktionary-Eintrag:
Seite mit dem Stichwort „Chodowiecki“ in Meyers Konversations-Lexikon

Originalseite(n)
57, 58

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Empfohlene Zitierweise
Chodowiecki. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 4, S. 57. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Chodowiecki&oldid=- (Version vom 04.08.2018)

Chodowiecki (spr. -wjetzkj), 1) Daniel Nikolaus, Maler und Kupferstecher, geb. 16. Okt. 1726 zu Danzig, erhielt von seinem Vater, einem Kaufmann und enthusiastischen Kunstliebhaber, den ersten Unterricht in der Miniaturmalerei, lernte dann als Kaufmann [58] in Danzig und Berlin, jede müßige Stunde für seine Kunst benutzend. In der Folge gab er das Handelsfach ganz auf, machte bedeutende Fortschritte im Zeichnen und in der Komposition, wobei er sich in der Zeichnung an die Werke von Watteau und Boucher, in der Malerei an die Berliner Künstler Haid und Rode hielt, malte dabei fortwährend in Miniatur, versuchte sich 1756 auch im Radieren, lieferte mehrere kleine geätzte Blätter und erregte dadurch die Aufmerksamkeit der Berliner Akademie der Wissenschaften, die ihm den Auftrag gab, die Bilder für den von ihr herausgegebenen Kalender zu fertigen. Da sich die Aufträge häuften, gab er seine Miniaturmalerei ganz auf. Seit 1764 Rektor, seit 1788 Vizedirektor der Akademie der bildenden Künste zu Berlin, wurde er 1793 zu deren wirklichem Direktor ernannt. Er starb 7. Febr. 1801. C. fand die Anerkennung seiner Zeitgenossen in reichem Maß; es erschien fast kein künstlerisch ausgestattetes Werk, zu dem er nicht eine Vignette lieferte. Die Zahl seiner Blätter beläuft sich auf mehr als 3000. Hervorzuheben sind: der Abschied des Jean Calas, nach des Künstlers eignem Gemälde; Friedrich II. und der Kronprinz auf der Heerschau zu Potsdam; der Tod des Herzogs Leopold von Braunschweig; General Zieten vor dem König sitzend; 12 Blätter zu „Minna von Barnhelm“; 12 Blätter zum „Don Quichotte“; die Blätter zu Lavaters „Physiognomischen Fragmenten“; 12 Blätter zum „Landprediger von Wakefield“; 13 Blätter zu Gellerts Fabeln; 8 Blätter zu Bürgers Gedichten; 12 Blätter zu Voltaires Schriften; 6 Blätter zu Schillers „Räubern“; 12 Blätter zu Yoriks „Empfindsamer Reise“; 12 Blätter zu Shakespeares „Heinrich IV.“; 12 Blätter zum „Hamlet“; 12 Blätter brandenburgische Kriegsszenen; 12 Blätter zu Shakespeares „Lustigen Weibern zu Windsor“; 12 Blätter zu „Coriolanus“; 12 Blätter zu Shakespeares „Sturm“; 12 Blätter zu „Macbeth“; 12 Blätter zu den Anekdoten von Friedrich II.; 24 Blätter zu Kosegartens „Clarissa“; 6 Blätter zur „Luise“ von Voß; 12 Blätter zur Geschichte des nordamerikanischen Freiheitskriegs; 3 Blätter zur Geschichte Peters d. Gr.; 12 Blätter Modethorheiten u. a. C. ist wegen der Wahrheit, Lebendigkeit und Laune, mit der er moderne Figuren darstellte, als der Gründer einer neuen Kunstgattung zu betrachten und in der naiven Unbefangenheit seiner Darstellung der Vorläufer der realistischen Genre- und Charaktermalerei des 19. Jahrh. Seine vorzüglichsten Darstellungen sind aus dem bürgerlichen Leben gegriffen. Überall zeigt er sich als tiefen Kenner des menschlichen Herzens und treffenden Sittenmaler, indem er bald das Laster mit den grellsten Farben schildert, bald die Thorheiten der Zeit mit launigem Spott geißelt, und dies alles auf kleinem Raum. In seinen kleinern Vignetten entsprach er im allgemeinen den strengen Kunstanforderungen mehr als in seinen größern Versuchen, und in der ihm eigentümlichen Sphäre des gewöhnlichen Lebens wiederum mehr als in den idealen Darstellungen, wo ein gewisser Zwang deutlich hervortritt. Die Berliner Akademie besitzt einen Cyklus von 100 Originalzeichnungen des Meisters, darstellend seine Reise nach Danzig, mit Laune und Liebe entworfene Blätter, teils in ausgeführter Tuschmanier, teils mit der Feder gezeichnet (in Lichtdruck hrsg. Berl. 1882). Es gibt von ihm auch einzelne (unbedeutende) Ölbilder, deren vier das Berliner Museum besitzt. Vgl. Jacobi, Verzeichnis von Chodowieckis sämtlichen Kupferstichen (Leipz. 1814); W. Engelmann, Daniel Chodowieckis sämtliche Kupferstiche (das. 1857, Nachträge 1860).

2) Gottfried, Maler und Kupferstecher, Bruder des vorigen, geb. 11. Juli 1728 zu Danzig, malte in Miniatur und Email, besonders Landschaften und Schlachten, Jagden und Pferdestücke, und radierte mehreres teils nach eigner, teils nach seines Bruders Erfindung. Er starb 1781.

3) Wilhelm, Kupferstecher, Sohn von C. 1), geb. 1765, arbeitete, von seinem Vater gebildet und mit einer gleichen Fülle von Witz und Geist begabt, als Kupferstecher zu Berlin in dessen Manier mit solchem Erfolg, daß jener des Sohns frappante Charakterzeichnungen unter seinem Namen veröffentlichte. Er starb bereits 1805.

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Band 18, Seite 158
korrigiert

[158] Chodowiecki, 1) Daniel, Maler und Kupferstecher. Eine neue Folge ausgewählter Stiche und Radierungen in photographischer Nachbildung erschien 1885 in Berlin. Vgl. auch Ferd. Meyer, Daniel M., der Peintre-Graveur (Berl. 1887).