MKL1888:Congreve

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Meyers Konversations-Lexikon
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Originalseite(n)
246, 247

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Empfohlene Zitierweise
Congreve. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 4, S. 246. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Congreve&oldid=- (Version vom 13.10.2014)

Congreve (spr. -grihw), 1) William, engl. Dichter, Sprößling eines alten Geschlechts in Staffordshire, geb. 5. April 1669 oder 1670 (vielleicht noch später) zu Bardsey unweit Leeds, besuchte zuerst die Schule zu Kilkenny und darauf die Universität zu Dublin, kam 1688 nach London und widmete sich der Rechtsgelehrsamkeit, wandte sich aber daneben mit Eifer der Dichtkunst zu. Schon in seinem 17. Jahr schrieb er unter dem Namen „Cleophil“ den Roman „Incognita, or love and duty reconciled“. Sein erstes Lustspiel: „The old bachelor“ (1693), erwarb ihm die Gunst des Lords Halifax und infolge derselben mehrere einträgliche Stellen. Es folgten: „The double dealer“ (1694); „Love for love“ (1695) und das Trauerspiel „The mourning bride“ (1697). Die kalte Aufnahme, die sein Schauspiel „The way of the world“ (1700) fand, verleidete ihm aber die Bühne, so daß er nur noch eine Maske: „The judgment of Paris“ (1701), und eine Oper: „Semele“, schrieb, außerdem „Miscellaneous poems“ (1710) herausgab. Seine letzten Lebensjahre wurden ihm durch den Kampf des Bischofs Collier gegen das Schauspiel und durch Krankheit, besonders Erblindung, verbittert. Er starb 19. Jan. 1729 in London. Gesammelt erschienen seine Werke London 1710, 1753 u. öfter; am besten ist die Ausgabe von Leigh Hunt (das. 1849). Ein wohlgeschürzter Knoten, feine Charakterzeichnung und ein witziger Dialog zeichnen seine Lustspiele aus; seine Trauerspiele aber verfehlen den tragischen Eindruck. Unter seinen Gedichten sind wenige von Wert. Sein Hauptverdienst besteht darin, daß er der damaligen Sucht der Dichter, pindarische Oden zu schreiben [247] und Unregelmäßigkeiten für eine Eigentümlichkeit derselben zu halten, durch sein Beispiel entgegenwirkte; sonst stand er ganz in der Richtung seiner Zeit. Vgl. Wilson, Memoirs of the life of C. (Lond. 1730), und besonders Macaulay, Comic dramatists of the Restauration (in seinen „Essays“).

2) Sir William, Artillerist und Ingenieur, geb. 20. Mai 1772 zu Woolwich, trat früh in den Militärdienst, führte mehrere Verbesserungen im Schleusen- und Kanalbau ein, war auch bei den neuen Einrichtungen im englischen Heerwesen thätig und wurde deshalb Chef des königlichen Laboratoriums. 1824 trat er an die Spitze der englischen Gesellschaft für Gasbeleuchtung auf dem Kontinent und starb 15. Mai 1828 in Toulouse. Die von ihm 1804 erfundenen Brandraketen (s. Raketen) wurden zuerst 1806 vor Boulogne und 1807 vor Kopenhagen in Anwendung gebracht. Er erfand auch ein Verfahren, in mehreren Farben zugleich zu drucken (s. Buntdruck), und schrieb „Elementary treatise on the mounting of naval ordnance“ (Lond. 1812); „Description of the construction and properties of the hydropneumatical lock“ (das. 1815); „Treatise on the Congreve-rocket system“ (das. 1827; deutsch, Weimar 1829).

3) Richard, engl. Philosoph und Schriftsteller, geb. 4. Sept. 1818 zu Leamington, Grafschaft Warwick, lebt in London als Führer der nicht zahlreichen, aber sehr einflußreichen philosophischen Schule der Positivisten. Seinen Gymnasialunterricht erhielt er unter der Leitung von Thomas Arnold, seine Universitätsstudien machte er in Oxford. Er trat mit Comte (s. d. 1) in persönliche Verbindung und nahm unter dessen Anhängern in England die Stellung des alleinigen Hauptes ein, bis vor kurzem eine neue, unabhängige Gruppe ihm zur Seite trat. Nach einer Ausgabe von Aristoteles’ „Politik“ veröffentlichte er noch im demselben Jahr „The Roman Empire of the West“, nicht bloß ein Geschichtswerk, sondern eine Art von Manifest zu gunsten des wohlwollenden Despotismus und der Herrschaft des Erleuchteten. Ähnlich ist „Elizabeth of England“ (1862). Außerdem schrieb er einen „Catechism of positive religion“ (1858); eine Sammlung kleinerer Schriften sind die „Essays, political, social and religious“ (1874).

Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl.
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Band 17, Seite 198
korrigiert

[198] Congreve, 1) William, engl. Dichter. Seine Biographie schrieb Gosse (Lond. 1888).