MKL1888:Didot

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Meyers Konversations-Lexikon
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Wikipedia-Artikel: Didot
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Wiktionary-Eintrag: didot (fr)
Seite mit dem Stichwort „Didot“ in Meyers Konversations-Lexikon

Originalseite(n)
947, 948

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Empfohlene Zitierweise
Didot. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 4, S. 947. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Didot&oldid=- (Version vom 18.09.2014)

Didot (spr. -do), berühmte franz. Buchdrucker- und Buchhändlerfamilie. Ihr Ahnherr war François D., geb. 1689, der sein Geschäft 1713 zu Paris begründete und 2. Nov. 1757 starb. Sein ältester Sohn, François Ambroise, geb. 7. Jan. 1730, erfand die gegossenen Stege und die Pressen mit Einem Zug, druckte zuerst auf Velinpapier, das er erfand, goß schöne Antiquatypen (Didotsche Lettern) und veranstaltete auch auf Ludwigs XVI. Befehl eine Sammlung von Klassikern zum Unterricht für den Dauphin (in usum Delphini). Unter den aus seinen Pressen hervorgegangenen Werken, zum Teil typographischen Raritäten, sind hervorzuheben: Tassos „Gerusalemme liberata“ (1784–86, 2 Bde.) und Bitaubés Übersetzung des Homer (1787–88, 12 Bde.). Er starb 10. Juli 1804. Sein Bruder Pierre François, geb. 1732, hat sich ebenfalls um Vervollkommnung der Buchdruckerkunst, insbesondere der Schriftgießerei, sowie um Verbesserung der Papierfabrikation in seiner Papierfabrik zu Essonne verdient gemacht. Er starb 7. Dez. 1795. Pierre D., der ältere, Sohn von François Ambroise, geb. 1760, übernahm 1789 die Buchdruckerei seines Vaters und lieferte Prachtausgaben vieler klassischer Schriftsteller in Folio. Unter andern druckte er auch Boileaus „Œuvres“ (1815, 3 Bde.) und Voltaires „Henriade“ (1819) mit ganz neuerfundenen Schriftarten. Nicht geringere Sorgfalt als auf typographische Schönheit verwandte er auf die Korrektheit und Reinheit des Textes und auf Gleichheit der Orthographie. Er starb 31. Dez. 1853. Als Litterator machte er sich besonders durch seinen „Essai de fables nouvelles“ (1786), durch metrische Übersetzung des ersten Buches der Horazischen Oden (1796) und eines Fragments der „Äneide“ bekannt. Sein Sohn Jules (gest. 1871) ließ ebenfalls eine Reihe großer und prachtvoll ausgestatteter Werke erscheinen. Firmin D., Bruder von Pierre, geb. 14. April 1764, erhielt 1789 von seinem Vater die Schriftgießerei und lieferte die Lettern zu den Prachtausgaben seines Bruders. Er ist Erfinder einer neuen Schreibschrift und eines neuen Verfahrens im Stereotypendruck. Im J. 1827 trat er sein Geschäft seinem Sohn ab und widmete sich dem öffentlichen Leben. Als Deputierter war er unter den 221, die 1830 gegen die Juliordonnanzen protestierten. Er starb 24. April 1836. Er übersetzte mehreres aus dem Griechischen und Lateinischen und schrieb die Tragödien: „La reine de Portugal“ und „La mort de Hannibal“. D. Saint-Léger, Sohn von Pierre François D., erfand das Papier ohne Ende. Ambroise Firmin, Sohn Firmin Didots, geb. 20. Dez. 1790, studierte besonders die alten Sprachen, bereiste den Orient, war dann Gesandtschaftsattaché in Konstantinopel und trat später in das Geschäft seines Vaters, das er seit 1827 mit seinem Bruder Hyacinth Firmin (geb. 11. März 1794, gest. 7. Aug. 1880) übernahm. Er besorgte die Herausgabe vieler trefflicher Werke von Champollion, Jacquemont etc., die neue Ausgabe des „Dictionnaire de l’Académie française“ und eine neu revidierte Ausgabe des „Thesaurus linguae graecae“ von Henricus Stephanus. Er selbst schrieb: „Notes d’un voyage dans le Levant en 1816 et 1817“ und machte sich einen Namen durch Übersetzungen des Anakreon, Thukydides und durch bibliographische und andre Arbeiten, von denen wir erwähnen: „Essai typographique et bibliographique sur l’histoire de la gravure sur bois“ (1863); „Observations sur l’orthographie française“ [948] (2. Aufl. 1868); „Études sur la vie et les travaux de Jean Sire de Joinville“ (1871); „Études sur Jean Cousin“ (1872); Alde Manuce et l’Hellénisme à Venise“ (1875). 1873 zum Mitglied der Akademie ernannt, starb er 22. Febr. 1876. Nach seinem Tod erschienen: „Les graveurs de portraits en France“ (1877, 2 Bde.) u. „Les Drevet (Pierre, Pierre-Imbert et Claude). Catalogue raisonné, etc.“ (1876). Die gegenwärtigen Besitzer des Geschäfts, das noch unter der Firma: „Firmin D. et Co.“ blüht, sind Alfred Firmin D. (geb. 1828), Sohn von Ambroise D., und Edmond Magimel (geb. 1833), Neffe desselben. Zu den neuern Verlagsunternehmungen gehören die „Bibliothèque française“, „Collection des classiques français“, „Bibliothèque des auteurs grecs“, die neuen Ausgaben des „Thesaurus graecae linguae“ von Stephanus, das „Glossarium mediae et infimae latinitatis“ von Dufresne, die „Nouvelle biographie générale“ (1851 f.) u. a. Vgl. Werdet, Études bibliographiques sur la famille des D. (Par. 1864); Brunet, Firmin D. et sa famille (das. 1871).