MKL1888:Ennĭus

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Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Ennĭus“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 5 (1886), Seite 665
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Wikisource-Seite: Quintus Ennius

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Ennĭus. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 5, Seite 665. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Enn%C4%ADus (Version vom 11.04.2021)

[665] Ennĭus, Quintus, der Vater der röm. Poesie, geb. 239 v. Chr., stammte aus Rudiä in Kalabrien. Nachdem er in Sardinien Kriegsdienste geleistet, ließ er sich in Rom nieder, wo er, seit 184 im Besitz des Bürgerrechts und mit den angesehensten Männern, namentlich dem ältern Scipio, befreundet, als Lehrer und Dichter bis zu seinem Tod (170) thätig war. Sein Hauptwerk war ein Epos in 18 Büchern, betitelt „Annales“, welches in dem hier zuerst in die römische Litteratur eingeführten griechischen Hexameter die traditionelle Geschichte Roms von der Ankunft des Äneas in Italien an bis auf die Zeit des Dichters herab behandelte. Es galt den Römern der Republik als Nationalepos und ward erst durch Vergils Dichtungen aus dieser Stellung verdrängt. Auch als dramatischer Dichter leistete E. Bedeutendes, weniger in der Komödie als vielmehr in der Tragödie, und zwar verfaßte er neben mehr oder minder freien Nachdichtungen griechischer Originale, besonders des Euripides, von denen über 20 durch Titel und Fragmente bekannt sind, auch nationale Stücke, sogen. praetextae. Außerdem schrieb E. mehrere Bücher „Saturae“, Gedichte mannigfaltigen Stoffes und Metrums enthaltend, zu denen vermutlich eine Anzahl unter besonderm Titel angeführter Dichtungen gehörten, wie Epigramme, „Scipio“, „Heduphagetica“ (gastronomischen Inhalts nach Archestratos von Gela), „Epicharmus“ (naturphilosophischen Inhalts), eine Übersetzung des Rationalisten Euhemeros u. a. Von entschieden künstlerischer Begabung, dazu bewandert in der griechischen Wissenschaft und Litteratur, hat E. als der erste in Rom das Feld der Poesie auf kunstgemäße Weise angebaut und ihr die Wege gezeigt und eröffnet, auf denen sie jahrhundertelang fortwandelte, wenn auch seine eignen Werke noch öfters gegen die Regeln der Schönheit und des guten Geschmacks verstoßen. Sammlungen seiner Fragmente veröffentlichten Vahlen (Leipz. 1854) und Lucian Müller (Petersb. 1885); die dramatischen finden sich auch in Ribbecks „Scaenicae Romanorum poesis fragmenta“ (2. Aufl., Leipz. 1871–73). Vgl. Luc. Müller, Quintus E. (Petersb. 1884); Ribbeck, Die römische Tragödie, S. 77 ff. (Leipz. 1875).