MKL1888:Hexenschuß

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Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Hexenschuß“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 8 (1887), Seite 505
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Hexenschuß. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 8, Seite 505. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Hexenschu%C3%9F (Version vom 14.09.2022)

[505] Hexenschuß, Lenden- und Kreuzschmerz, welcher plötzlich eintritt und das Beugen des Rückens hindert, ist in der Regel einfacher Rheumatismus der Lendenmuskeln, kann aber auch auf Zerreißung einzelner Muskelfaserbündel der Rückenstrecker infolge allzu schneller und kräftiger Bewegung und der darauf folgenden Entzündung beruhen. Beim H. liegt der Patient am besten zu Bett, denn Wärme und Ruhe reichen zur Heilung des Übels hin, welche meist schon nach wenigen Tagen erfolgt. Zuweilen bessern sich die dabei vorhandenen Lendenschmerzen auffallend schnell, wenn man einige blutige Schröpfköpfe auf die schmerzhafte Gegend ansetzt. Der Name stammt daher, daß man annahm, die Hexen könnten ohne äußere Verwundung einem Menschen oder Tier vermittelst eines sogen. Albschosses (Albgeschoß) allerlei schädliche und schmerzende Dinge in den Körper hexen, namentlich Tiere (gute Dinger oder Holden), Haarballen, Nägel, Nadeln und dergleichen seltsame Dinge mehr. In den Hexenprozessen kamen häufig solche Prozeduren zur Anklage, gewöhnlich sollte der den Menschen treffende Schuß nach seinem Bild (vgl. Bildzauber) gerichtet gewesen sein. Die aus dem Körper der Tiere und Menschen herausgeschnittenen Ballen nannte man Albkugeln, Finnenbälle, Prollknäuel etc.