MKL1888:Ingolstadt

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Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Ingolstadt“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 8 (1887), Seite 953
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Ingolstadt. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 8, Seite 953. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Ingolstadt (Version vom 14.04.2021)

[953] Ingolstadt, unmittelbare Stadt und Festung ersten Ranges im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, liegt links an der Donau und an den Linien München-Hof, Neuoffingen-I. und Regensburg-Hochzoll der Bayrischen Staatsbahn, 365 m ü. M. Die Hauptgebäude sind das alte und sogen. neue Schloß, letzteres am Ausfluß der einen Teil der Stadt durchfließenden

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Wappen von Ingolstadt.

Schutter in die Donau (beide Schlösser ehemals Residenzen der Herzöge von Bayern-I., jetzt zu militärischen Zwecken verwendet); die große gotische Frauenkirche (1425 gegründet), worin zwei bayrische Herzöge, Stephan und Ludwig der Höckerige, ruhen und noch mehrere interessante Grabmäler (Eck etc.) sich befinden; ferner das 1555 gestiftete ehemalige Jesuitenkollegium (wovon nur noch der östliche Flügel vorhanden ist), die neue evang. Kirche, das Kriegsspital, das neue Zeughaus, das neue Zivilkrankenhaus, das Theater, das neue Waisenhaus, das Bürgerspital und das Gebäude der ehemaligen Universität. Letztere wurde 1472 von Herzog Ludwig dem Reichen gestiftet, war bald ein Hauptsitz jesuitischer Theologie und zählte gegen Ende des 16. Jahrh. 4000 Studenten. 1800 wurde sie nach Landshut und 1826 nach München verlegt. Reuchlin, Aventin, Celtes, Locher, Rhegius und andre namhafte Männer gehörten zu ihren Lehrern (vgl. Prantl, Geschichte der Ludwig Maximilians-Universität etc., Münch. 1872). Unter den Festungswerken treten besonders die starken Brückenköpfe, die aus Quadern aufgeführten Montalembertschen Türme am rechten Ufer der Donau und das Reduit Tilly hervor. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1885) mit Garnison (Festungsgouvernement, Kommando der 4. Infanteriebrigade, 2 Füsilierbataillone Nr. 10, 1 Inf.-Reg. Nr. 13, 1 Bat. Fußartillerie, 1 Bat. Pioniere und eine Eisenbahnkompanie) auf 16,390 Seelen, meist Katholiken. Die Industrie beschränkt sich auf Bierbrauerei, Geschützgießerei und Pulverfabrikation. I. hat ein Amtsgericht, eine Real- u. eine Lateinschule. – I. existierte schon um 806 n. Chr. Besonders entwickelte es sich im 13. Jahrh. und war bereits Stadt, als es 1255 bei der Landesteilung an Oberbayern kam. Von 1392 bis 1445 war es die Residenz der Herzöge von Bayern-I., fiel dann an Bayern-Landshut, dessen Herzog Ludwig der Reiche 1472 daselbst eine Universität eröffnete, die schon 1459 durch eine Bulle des Papstes Pius II. errichtet war. 1503 an Bayern-München gekommen, erhielt die Stadt seit 1539 Festungswerke, die schon 1546 gegen den Schmalkaldischen Bund und später im Dreißigjährigen Krieg öfters mit Glück erprobt wurden. So belagerte 1632 Gustav Adolf I. vergeblich, während Tilly drinnen an seiner Fußwunde lag und starb. Die Österreicher besetzten die Festung zweimal (1703 und 1742), und Moreau, welcher drei Monate davor gelegen, ließ sie 1800 schleifen. Seit 1827 sind die Festungswerke durch König Ludwig I. wiederhergestellt, und I. ist dadurch in eine Festung ersten Ranges umgewandelt worden, die gegenwärtig noch bedeutend verstärkt wird. Vgl. Gerstner, Geschichte der Stadt I. (Münch. 1853); Kleemann, Geschichte der Festung I. bis zum Jahr 1815 (das. 1883).