MKL1888:Klischieren

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Meyers Konversations-Lexikon
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Seite mit dem Stichwort „Klischieren“ in Meyers Konversations-Lexikon

Originalseite(n)
850

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Empfohlene Zitierweise
Klischieren. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 9, S. 850. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Klischieren&oldid=- (Version vom 11.09.2014)

Klischieren (franz., Abklatschen), das von dem aus Nürnberg gebürtigen Formschneider Selzam zu Leipzig um 1780 erfundene Verfahren, Holzschnitte etc. zu vervielfältigen. Man drückt dabei die Holzschnitte mit der Bildfläche in geschmolzenes, jedoch bereits etwas abgekühltes Letternmetall oder in eine ähnliche Legierung, bestreut die auf diese Art erhaltene, das Bild verkehrt wiedergebende Matrize mit pulverisiertem Rötel oder Graphit und befestigt sie dann auf einem mit einem Handgriff versehenen Brettchen, um sie gefahrlos in geschmolzenes Letternmetall drücken oder schlagen zu können. Hierdurch erhält man einen zum Druck geeigneten erhabenen Abklatsch (Klischee), den man nun entweder auf Holzklötzchen befestigt, oder mit so viel Letternmetall hintergießt, daß er die Höhe der Drucklettern erlangt. Bei Anwendung der (von Pfnor in Darmstadt erfundenen) Klischiermaschine wird die Matrize in ein aus stellbaren Eisenwinkeln gebildetes Kästchen gelegt, dieses mit flüssigem Schriftmetall gefüllt, welches sodann durch das plötzliche Niederschlagen einer über dem Kästchen befindlichen, mit Metallgewicht beschwerten und unten mit einem Kolben (Bär) versehenen Stange in die Mater und den für den Fuß der Typen bestimmten Raum scharf hineingetrieben wird. Es kommen diese Maschinen zunächst bei Herstellung mittelgroßer Typen etc. hier und da noch heute zu Verwendung, obwohl man dieselben infolge der Vervollkommnung der Schriftgießmaschine jetzt auch auf dieser zu gießen vermag, während ganz große Typen für Plakate, Klischees von Holzschnitten etc. meist auf dem Weg des Stereotypierens hergestellt werden. Auch Guttapercha und in neuester Zeit das Celluloid werden zu Klischees benutzt. Die mittels der Galvanoplastik erzeugten, für den Buchdruck bestimmten und mit Schriftmetall hintergossenen Klischees nennt man auch Elektros oder Galvanos. Die Papierstereotypie (s. Stereotypie) hat das alte Klischierverfahren jetzt fast ganz verdrängt.