MKL1888:Kopf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Kopf“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Kopf“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 10 (1888), Seite 65
Mehr zum Thema bei
Wikisource-Logo
Wikisource: [[{{{Wikisource}}}]]
Wikipedia-Logo
Wikipedia:
Wiktionary-Logo
Wiktionary: Kopf
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Indexseite
Empfohlene Zitierweise
Kopf. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 10, Seite 65. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Kopf (Version vom 04.04.2023)

[65] Kopf (Caput, Haupt), der vorderste Teil des Körpers der meisten Tiere und als solcher meist durch den Besitz besonderer Organe (Auge, Ohr, Gehirn etc.) ausgezeichnet, zuweilen jedoch mit dem folgenden Abschnitt, der Brust, zu dem sogen. Cephalothorax (Kopfbruststück) verschmolzen. Ein gesonderter K. fehlt vielen niedern Tieren, z. B. den Muscheln. Bei den Wirbeltieren ist mit Ausnahme der Akranier ein besonderer K. vorhanden und zerfällt in den Schädelteil und das Gesicht. Ersterer hat zur knöchernen Grundlage den Schädel (s. d.), eine ovale Kapsel, welche vom Gehirn ausgefüllt wird. Der höchste Teil des Kopfes (Scheitel, vertex) trennt den Vorderkopf vom Hinterkopf. Das Gesicht (s. d.) läßt, entsprechend den Knochen, aus denen es besteht, die Einteilung in eine Ober- und Unterkiefergegend zu; für den Anatomen beginnt es unterhalb der Stirn, während im gewöhnlichen Leben auch diese mit zu ihm gerechnet wird. Beim Menschen ist die Kopfhaut an der Stirn und an den Schläfen feiner als am übrigen K., bis zur Stirn behaart und enthält, soweit sich die Haare erstrecken, in großer Anzahl Schweiß- und Talgdrüsen. In dem Unterhautbindegewebe der Kopfhaut verlaufen die Nerven, Lymph- und Blutgefäße; letztere stammen aus der Kopfschlagader (Karotis, s. d.). Unter dieser Schicht liegt der aus dem Stirn- und Hinterhauptsmuskel zusammengesetzte Schädelmuskel (musculus epicranius), dessen Sehne, die sogen. Sehnenhaube (galea aponeurotica), mit der Schädelhaut fest verwachsen ist, so daß sich letztere ein wenig, bei manchen Menschen jedoch in bedeutendem Grad vor- und rückwärts bewegen läßt. S. die betreffenden anatomischen Tafeln: „Blutgefäße, Muskeln, Nerven etc. des Menschen“.

Kopf, Joseph, Bildhauer, geb. 10. März 1827 zu Unlingen im württemberg. Donaukreis als Sohn eines Ziegelbrenners, arbeitete sich unter größten Entbehrungen durch den Stand des Handlangers, Maurers und Steinhauers zum Bildhauer empor und trat 1850 in das Atelier des Bildhauers Sickinger zu München, später in das Knittels zu Freiburg i. Br., wo er auf der dortigen Universität zugleich anatomische Vorträge hörte. Zu Fuß wanderte er 1852 nach Rom; hier erregte seine erste selbständige Arbeit, ein sitzender Christus (im Besitz des Königs von Württemberg), Cornelius’ Aufmerksamkeit. Durch dessen und Overbecks Verwendung wurde ihm Unterstützung zu teil; auch war es ihm vergönnt, noch eine Unterweisung bei dem Bildhauer Martin Wagner zu genießen. 1855 bestellte der damalige Kronprinz von Württemberg die Figuren der Jahreszeiten für die königliche Villa bei Berg. Andre Aufträge schlossen sich an und veranlaßten den Künstler, seinen Wohnsitz dauernd in Rom aufzuschlagen. Unter Kopfs zahlreichen Werken sind außer den genannten die hervorragendsten: eine Brunnengruppe in der Villa Oranienbaum bei St. Petersburg; Mädchen, vor einer Eidechse zurückschreckend, auf dem Lustschloß Rosenstein bei Stuttgart; griechische Tänzerin ebendaselbst; zwei Marmorkamine mit den Figuren der vier Elemente im königlichen Schloß zu Stuttgart; eine Pietà für die neue katholische Kirche daselbst. Von Kopfs Porträtstatuen, Büsten und Reliefporträten, deren er über 200 ausgeführt, sind hervorzuheben: die Büsten des Kaisers und der Kaiserin von Deutschland, des Königs und der Königin von Württemberg, der Mitglieder der großherzoglichen Familien von Baden und Sachsen etc. sowie der Schriftsteller Schnaase, Lübke, Gregorovius. Das eigentliche Gebiet seiner Kunst ist das des Anmutigen, Zarten, Jugendlichen, auf welchem er mit ebensoviel plastischem Verständnis wie poetischer Empfindung sich bewegt.