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MKL1888:Polāreis

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Polāreis“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Polāreis“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 13 (1889), Seite 158
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Polāreis. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 13, Seite 158. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Pol%C4%81reis (Version vom 17.01.2023)

[158] Polāreis, die Eismassen, welche das Meer in der Umgebung der Pole bedecken, aber nur zum geringern Teil aus dem Meerwasser herrühren. Nach der Entstehung dieser Eismassen hat man vielmehr Süßwassereis, Gletschereis und Salzwassereis zu unterscheiden. Das Süßwassereis stammt aus den Flüssen, kommt niemals in großer Ausdehnung vor, ist sehr hart und spröde, weil es sich bei einer seine jetzige Salzwasserumgebung um mehrere Grade übersteigenden Temperatur gebildet hat, und wird daher von den Polarfahrern sorgfältig gemieden. Das Gletschereis stammt von den bis zum und in das Meer herabsteigenden kolossalen Gletschern (der Humboldt-Gletscher in Grönland ist 15 geogr. Meilen breit und 100 m dick; ein antarktischer Gletscher, den James Roß sah, war 60 geogr. Meilen breit und 50 bis 60 m dick), deren unter die Meeresoberfläche vorgeschobenes Ende zuletzt abbricht (Kalben des Gletschers) und die Eisberge liefert (s. Eis, S. 399). Im südlichen Atlantischen Ozean entstehen auf gleiche Weise Eisinseln, die eine Länge von 15 Meilen und eine Höhe von 100 m erreichen. Das Salzwassereis gelangt nicht, wie die Eisberge, in niedere Breiten, sondern schmilzt, sobald es die Isotherme des Oberflächenwassers von 0° überschreitet. Infolge seines Salzgehalts ist es weniger hart und widerstandsfähig als Süßwassereis. Die zwischen den Eiskristallen eingeschlossene Salzlauge gelangt oft zur Kristallisation, und das Salz bedeckt dann das Eisfeld wie eine Schneedecke. In dickes Eis dringt die Kälte sehr langsam ein, und nirgends bildet sich im Lauf eines einzigen Winters eine Eisdecke von mehr als 2 m. Diese erreicht, auch wenn im Sommer nichts abschmilzt, keine größere Dicke als 6–7 m. Die allgemein vorkommenden viel mächtigern Eisanhäufungen entstehen durch Eispressungen, indem sich zerbrochene Schollen über- und untereinander schieben und unregelmäßige Massen bilden, die zusammengetrieben einen undurchdringlichen Gürtel des schweren Packeises bilden, welches der polaren Schiffahrt ein unübersteigliches Hindernis entgegensetzt. An der Grenze desselben brandet das Meer und ist unablässig thätig, die äußern Ränder zu zerstückeln, so daß eine Zone von Treibeis gebildet wird, welche je nach der Windrichtung an Breite wechselt und dem Vordringen der Schiffe sehr hinderlich wird. Vgl. Weyprecht, Die Metamorphosen des Polareises (Wien 1879).