MKL1888:Setzmaschine

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Meyers Konversations-Lexikon
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Setzmaschine. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 14, S. 896. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Setzmaschine&oldid=- (Version vom 30.04.2018)

Setzmaschine, Vorrichtung zur Herstellung des Typensatzes auf mechanischem Weg, oft verbunden mit einer Ablegemaschine, d. h. einem Apparat zum Auseinandernehmen der benutzten Typen und zum regelmäßigen Sortieren derselben in bestimmte Fächer. Den Bewegungsmechanismus für die Typen bildet meist eine Klaviatur oder Tastenknöpfe; beim Niederdrücken der Tasten öffnen sich entsprechende Typenkanäle, die Type wird frei und gelangt in eine Sammelrinne, wo sie sich mit den nachkommenden zur Zeile vereinigt, um sodann auf die erforderliche Breite abgeteilt und ausgeschlossen, d. h. in den Wortzwischenräumen ausgeglichen, zu werden. Nach vielen vergeblichen Bemühungen (seit 1812) andrer konstruierte der dänische Setzer Christian Sörensen 1855 eine sehr brauchbare, gleichzeitig ablegende und setzende Maschine, welche aber Typen verlangte, von denen jede einzelne Gattung durch besondere Einschnitte von der andern verschieden war. Bei der S. von Kastenbein dient eine vierfach über- und hintereinander [897] gestellte Klaviatur zum Anschlagen der Typen, welche in flachen Blechröhren nicht ihrer Dicke (Meyers b14 s0897 b1.jpg), sondern ihrer Höhe (Meyers b14 s0897 b2.jpg) nach aufgestellt sind, um dieselben möglichst zusammenzudrängen und solcherweise den von der Hand des Setzers zu durchlaufenden Raum zu verringern; zwischen den Röhren und den Tasten befindet sich ein Schild mit Kanälen, die alle in einer gemeinsamen Öffnung zusammenlaufen, durch welche die Typen in eine Sammelrinne treten, wo sie ein Hebelwerk nach Maßgabe der sich bildenden Typenreihe (Zeile) fortschiebt, um von einem zweiten Arbeiter in Zeilen formiert zu werden. Ihr Heraustreten aus den Röhren wird durch das Anschlagen der Tasten bewirkt. Kastenbein hat auch Ablege- oder Absetzapparate erbaut, bei deren neuesten, sehr vereinfachten die Typen in der gewöhnlichen Weise mit der Hand in die Fächer des Apparats abgelegt werden, von wo aus sie durch ihre eigne Schwere in die Setzröhren gelangen und sich in denselben aufstellen. Maschinen von Kastenbein sind, außer in England, in Frankreich, Belgien, Dänemark und in den Vereinigten Staaten, auch in Deutschland in einigen Exemplaren in Thätigkeit. Die Leistungsfähigkeit derselben beträgt ca. 6000–7000 Typen in der Stunde, je nach der Übung des setzenden Arbeiters. Hooker in London, welcher die „The Clowes“ genannte Maschine baute, setzte an die Stelle der Tastatur kleine Kupferplatten, je eine für eine Type, die in ihrer Zusammenstellung deren Lage im Setzkasten wiedergeben. Jedes dieser Plättchen ist durch eine elektrische Leitung mit einem Magnet verbunden, der hinter der die fragliche Type enthaltenden, nach vorn offenen Typenrinne steht und deren unterste Letter jedesmal heraus- und auf ein endloses Band wirft, sobald der Arbeiter mit einem an dünnem Draht befindlichen Metallstift, mit welchem er die Bewegungen des Setzens macht, das betreffende Plättchen berührt und dadurch die Leitung schließt. Vermittelst der endlosen, über Rollen nach vorwärts laufenden Bänder werden die Typen in eine Sammelrinne gebracht, wo sie sich zu Wörtern vereinigen, um dann von einem zweiten Arbeiter in Zeilen abgeteilt zu werden. Die „Clowes“ eignet sich nur zum Setzen ohne Versalien, diese müssen vom Setzer mit der Hand eingeschaltet werden; in der Schnelligkeit ihrer Leistungen bei versalienfreiem Satz, z. B. Englisch, übertrifft sie indes die Kastenbeinsche Maschine wesentlich. Außer den genannten sind noch mehrere andre Konstruktionen bekannt geworden, zu allgemeiner Einführung hat es aber bis jetzt noch kein System gebracht. Westcott in Amerika hatte zu Philadelphia (1876) eine Maschine ausgestellt, bei welcher ein Schriftgieß- und ein Setzapparat verbunden waren, so daß die auf der Taste angeschlagene Type jedesmal gegossen, das Ablegen somit ganz vermieden wurde; sie arbeitete jedoch zu langsam und inkorrekt, auch war ihr Mechanismus zu kompliziert. Der Umstand, daß die Setzmaschinen immer nur für eine bestimmte Schriftgattung, höchstens zwei, benutzt werden können und durch einen intelligenten Arbeiter oder Arbeiterin bedient werden müssen, ohne deren Thätigkeit wesentlich zu vervielfältigen, hat ihrer allgemeinen Verbreitung bis jetzt im Wege gestanden.

Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl.
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Band 17, Seite 760
korrigiert

[760] Setzmaschinen. Die Schwierigkeiten, mit welchen die S. hinsichtlich ihrer allgemeinen Einführung zu kämpfen haben, bestehen hauptsächlich darin, daß komplizierte, einen intelligenten Setzer erfordernde Arbeiten niemals mit Vorteil von einer Maschine hergestellt werden können, und daß für geringe Arbeiten leicht billige Kräfte in Lehrlingen und Frauen gefunden werden, die keinerlei Kapitalanlagen gleich den kostspieligen Maschinen erfordern. Hierzu kommt noch, daß das Ablegen der Schrift auf mechanischem Weg nur in sehr unbefriedigender und zeitraubender Weise zu erzielen ist, da hierzu besonders hergerichtete Lettern gehören, bei denen die Maschine automatisch zu wirken vermag, die aber kostspielig und in den kleinen Schriftgraden gar nicht herstellbar sind.

Von neuen S. ist die des Schweden Lagermann nur ein Satzbeschleunigungsapparat, welcher in einem Trichter besteht, der am untern Rande des gewöhnlichen Setzkastens angebracht wird, und in den der Setzer die Buchstaben wirft, die er mit beiden Händen aus dem Setzkasten holt. Am Ausgang des Trichters befindet sich ein System von Federn und Greifern, welche den Typen, sie mögen hereinfallen, wie sie wollen, die richtige Stellung und Richtung geben und sie auf eine Sammelrinne weiter befördern, wo sie dann vom Setzer zu Zeilen abgeteilt werden. Die gleichmäßige Länge erhalten die Zeilen durch einen Ausschließapparat, dessen mechanische Tasten die Räume zwischen den Worten durch Auswechselung der Ausschließungen entweder verengern oder erweitern, dabei mit bewundernswerter Präzision arbeitend. Das Ablegen erfolgt in der gewöhnlichen Weise mit der Hand in den Setzkasten, doch werden dabei die Spatien nicht sortiert, sondern alle in ein Fach geworfen; das nachträgliche Sortieren u. gleichzeitige Aufsetzen derselben für den Ausschließapparat besorgt eine besondere mechanische Vorkehrung ganz selbstthätig. Ein Setzer soll mit Hilfe des Lagermannschen Apparats 4500 Lettern in der Stunde setzen können. Thornes Maschine arbeitet mittels Tastendrucks und mechanischer Weiterbeförderung der angeschlagenen und herausgestoßenen Typen; mit ihr ist eine automatisch arbeitende Ablegemaschine verbunden, welche vermittelst der schon im Anfang der 50er Jahre von dem Dänen Sörensen erfundenen systematischen Einschnitte die Typen sortiert und auf ersteren entsprechende Stäbchen reiht. Mergenthalers Maschine setzt nicht Typen, sondern die zu ihrem Guß erforderlichen Matrizen, schließt diese automatisch aus, indem sie keilförmige Metallstückchen in die freien Räume zwischen den Worten hineindrückt, so der fertigen Zeile die exakte Länge gebend, und gießt dann diese Zeile zum druckfertigen Gebrauch. Hiermit ist aber der Übelstand verbunden, daß Korrekturen nicht anders als durch Neuguß der fehlerhaften Zeile gemacht werden können; auch ist bei der Arbeit dieser Maschine noch niemals ein so strenges Liniehalten der Typen, wie es selbst beim Zeitungssatz gefordert wird, zu erzielen gewesen, und sogar in ihrer Höhe sind die einzelnen Buchstaben der gegossenen Worte nicht immer gleich. Die jüngste der S. ist die von Wentscher in Berlin, die in zwei wesentlichen Punkten sich von den bisherigen Maschinen unterscheidet: die Type wird bei ihr durch den Tastenanschlag nicht herausgestoßen, um durch Kanäle in eine Sammelrinne zu gleiten, sondern sie wird nach dem Anschlag durch Greifer erfaßt, weiter befördert und festgehalten, bis sie an ihrem Bestimmungsort abgelegt wird, eine Vorkehrung, die viele Irrtümer und Störungen vermeiden läßt. Sodann erfolgt das Ausschließen der Zeile ganz automatisch von der Maschine selbst, während der Setzer, der nur durch einen einzigen Hebeldruck den Ausschließmechanismus einzurücken braucht, weiter arbeitet und bereits die folgende Zeile setzt. Um dieses Ausschließen zu ermöglichen, erfordert indes die Maschine auch in der Breite systematisch gegossene Typen, d. h. diese müssen alle ein Viertel, ein Drittel, die Hälfte etc. ihrer Kegelstärke besitzen, was allerdings nur so lange Schwierigkeiten beim Guß bieten dürfte, als die Gießereien sich nicht darauf eingerichtet haben. Als Leistungsfähigkeit dieser Maschinen werden 6000 Buchstaben in ausgeschlossenen Zeilen in der Stunde angegeben.

Um die Herstellung von Schriftsatz für gewisse Druckzwecke ganz abzuschaffen, hat man Stereotypplatten durch mechanisches Einprägen der Schrift, Type für Type, in eine elastische, aber doch hinreichend feste Masse vermittelst eines Hebel- und Tastenwerkes hergestellt. Hierbei aber ergab sich die noch nicht überwundene Schwierigkeit, daß die Vorausberechnung der für einen glatten Abschluß der Zeile und der gleichmäßigen Raumverteilung zwischen den Worten erforderlichen Typenzahl eine zu lange Zeit in Anspruch nahm, um eine derartige Stereotypenprägung lohnend oder auch nur in größerm Maß praktisch durchführbar erscheinen zu lassen, ganz abgesehen davon, daß solcherweise hergestellte Stereotypen [761] in der Gleichmäßigkeit der Nebeneinanderstellung der Buchstaben niemals die Ebenmäßigkeit wirklichen Schriftsatzes zu erreichen vermochten, Hagemann in Berlin hat eine derartige Stereotypenstanzmaschine konstruiert, die Überraschendes leistet; auch sind eine Anzahl davon gebaut, aber wohl noch nirgends in die Praxis eingeführt worden.