MKL1888:Taaffe

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Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Taaffe“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 15 (1889), Seite 478
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Taaffe. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 15, Seite 478. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Taaffe (Version vom 11.04.2021)

[478] Taaffe, Eduard, Graf, österreich. Staatsmann, geb. 24. Febr. 1833 zu Prag aus irischem Geschlecht, Sohn des Ministers von 1848, sodann Präsidenten des obersten Gerichtshofs, Grafen Ludwig Patrick T. (geb. 23. Dez. 1791, gest. 21. Dez. 1855), ward mit dem jetzigen Kaiser erzogen, trat 1857 in den Staatsdienst und durchlief sehr schnell die Stufen der Beamtenlaufbahn. 1861 noch Statthaltereisekretär, ward T. Ende 1861 Statthaltereirat und Vorsitzender der Kreisbehörde in Prag. Im April 1863 wurde er zum Landeschef im Herzogtum Salzburg, im Januar 1867 zum Statthalter in Oberösterreich, 7. März d. J. nach Belcredis Sturz zum Minister der innern Angelegenheiten ernannt. T. hatte bereits 1865–66 dem Landtag Böhmens als Abgeordneter angehört und damals zur verfassungstreuen Partei gestanden; Ende März 1867 wählte ihn der fideikommissarische Grundbesitz Böhmens zu seinem Vertreter im Landtag, und im April wurde er Mitglied des Reichsrats. Als es sich im Dezember 1867 darum handelte, für die Länder diesseit der Leitha ein parlamentarisches Ministerium zu berufen, wurde T. Minister der Landesverteidigung und öffentlichen Sicherheit sowie Stellvertreter des Ministerpräsidenten Carlos Auersperg. Als dieser im Herbst 1869 zurücktrat, war T. bis 15. Jan. 1870 Ministerpräsident. Vom 12. April 1870 bis 7. Febr. 1871 war er wieder Minister des Innern und wurde darauf zum Statthalter von Tirol ernannt. Nach dem Rücktritt des Ministeriums Auersperg wurde T. im Februar 1879 Minister des Innern und 12. Aug. Ministerpräsident und bezeichnete 5. Dez. die „Versöhnung der Nationalitäten“ als sein Ziel. Nachdem sein Versuch, eine Mittelpartei zu bilden, gescheitert war, stützte er sich ganz auf die Ultramontanen, Polen und Tschechen, behauptete sich zwar trotz mancher Ministerwechsel, mußte aber seinen Anhängern wichtige Zugeständnisse in der Sprachenfrage, in materiellen Punkten und in der Volksschulsache machen, wodurch er die liberalen Deutschen gegen sich erbitterte, ohne doch die slawischen Ansprüche zu befriedigen.