Med. Topographie Gmuend:012

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Franz Joseph Werfer
Versuch einer medizinischen Topographie der Stadt Gmünd
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De med Topographie Gmuend 012.jpg
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lag sie mit Adelichen in der Nachbarschaft, vorzüglich aber mit den Grafen und Herzogen von Würtemberg im Streit und Hader, welche selten gütlich, meistens mit dem Schwert in der Hand entschieden wurden und entschieden werden mußten, und der Stadt manchen wackern Bürger und geschickten Künstler wegrafte. Denn daß Gmünd schon frühzeitig große Künstler in seinen Mauren erzogen und genährt habe, erhellet unter andern auch daraus, daß Graf Ulrich von Württemberg mit dem Stadtgmündischen Werkmeister Jakob Eiselin 1450 einen Vertrag machte, ihm zwey werfende Handwerke, damit man in die Städte und Schlösser große Steine werfen konnte, zu verfertigen, auch ihm zwey oder drey zu lehren, wie man solche Werke machen und gebrauchen müsse, daher die Reichsstadt Gmünd zu jener Zeit künstlichere Leute in Verfertigung der damal gebräuchlichen Kriegsmaschinen gehabt haben muß, als der Graf Ulrich von Württemberg in seinem Gebiete auffinden konnte. Ueberhaupt hat unser Vaterland seinen Reichsstädten die meisten und größten Meisterstücke der Kunst, welche in denselben vorzugsweise gepflegt und veredelt wurde, zu verdanken; und nur durch ihren mit Häuslichkeit vereinbarten Kunstfleiß und Handel schwungen sich diese Städte immer mehr empor, da indessen der Adel durch die unkluge Theilungen seiner Besitzungen und oft üble Hauswirthschaft immer tiefer heruntersank; aber gerade ihr Wohlstand war es, der ihnen überall Neider erregte, und man scheuete sich nicht es sogar für eine preißwürdige Ritterthat zu halten, irgend einen ihrer Bürger nieder zu werfen; und da die durch den täglichen

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Frohndienst und durch Plünderung jeder Art beunruhigten und gedruckten Landleute der Herren ihre Zuflucht hie und da in die Städte nahmen, von welchen sie mit Freuden aufgenommen wurden, so waren diese oft die einzigen Ursachen, warum beide Partheien manchmal den geringsten Anlaß nahmen, um einander mit Feuer und Schwert zu verheeren. Doch eben zu jener Zeit, wo unsre Stadt in immerwährenden Fehden verwickelt war, wo ihre Bürger heute den Handwerksgeschäften und der Handlung abwarteten, morgen unter Gewehr standen, gegen den Feind auszogen, und zu diesem Zweck noch manchmal einen Haufen kostspieliger Lanzenknechte unterhielt, befand sie sich in einem sehr blühenden und kraftvollen Zustand, wie überhaupt damals Künste, Handwerke und Handlung fast ganz allein in den Händen der Städte waren, und die auf dem Land wohnende und das Feld bestellende Bauern wegen den beständigen Befehdungen und andern Bedrückungen sich in einem solchen elenden Zustande befanden, daß sie immer nur unter den Namen der armen Leute vorkamen.

Im Bauern Krieg (1525), jenem Prodromus eines bald darauf gefolgten größern Drama, wo durch eine wilde von Hall herkommende Horde die alte kaiserliche Burg Hohenstaufen zerstört, und das vom Herzog Friederich (1102) gestiftete Benedicktiner-Kloster Lorch, die Grabstätte der Herzogen und Kaiser zu Hohenstaufen, verbrannt wurde, kam Gmünd ausser der Zerstörung und Verbrennung des Frauenklosters Gotteszell zwar noch leidentlich durch; desto härter aber ward es in den bald nachher aus der