Missionspredigt von der Abendmahlszucht

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Textdaten
Autor: Wilhelm Löhe
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Titel: Eine protestantische Missionspredigt von der Abendmahlszucht.
Untertitel: 1. Cor. 5, 6–8. Gehalten zu Rügland am Sonntag Septuagesimae
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Auflage: 1
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Sebald’sche Officin
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Kurzbeschreibung:
ist identisch mit Epistel-Postille (Wilhelm Löhe)/Osterfest 1
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Eine
protestantische
Missionspredigt
von der
Abendmahlszucht.
1. Cor. 5, 6–8.




Gehalten zu Rügland am Sonntag Septuagesimae
von
Wilhelm Löhe,
lutherischem Pfarrer zu Neuendettelsau.




Besorgt von Abtheilung II. der Gesellschaft für innere Mission im Sinne der lutherischen Kirche.
Nr. 11.

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Nürnberg, 1853.
Druck der Sebald’schen Officin.


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Eine protestantische Missionspredigt
innerhalb der Gemeinde.[1]
D. D. Septuagesimae.
1. Cor. 5, 6–8.




Eine durch Handel und Reichtum berühmte Stadt Griechenlands war Corinth. Lebensgenuß und Luxus giengen in Schwang; alles was Kunst und Wißenschaft dieser Welt heißt, stand in hohen Ehren und mußte seinen Beitrag zur Erhöhung des Lebensgenußes thun; wenn irgendwo, fand sich dort die stolze Hingebung in das Wesen dieser Welt, welche mit vornehmer Verachtung auf Menschen herunter sieht, deren Trachten über die zeitlichen Dinge hinaus geht und die| noch etwas anders für groß und wünschenswerth erachten, als was die Zeit bringt und Sinne und Vernunft erfaßen können. In einer solchen Stadt hätte man am allerwenigsten einen fruchtbaren Boden für das Evangelium vermuthen sollen; und doch war gerade dort die Arbeit des heiligen Paulus reichlich gesegnet; es fand sich ein großes, zahlreiches Volk, das die himmlische Berufung annahm; es bildete sich eine große Christengemeinde, die vor andern mit einer Fülle von geistlichen und außerordentlichen Gaben des heiligen Geistes ausgezeichnet wurde. Wie es aber häufig zu gehen pflegt, so gieng es auch in Corinth: nach den ersten Zeiten der Erweckung und der Liebe zu Christo tauchten die alten angeborenen oder altgewohnten Fehler, Neigungen und Sünden wieder auf, machten sich wieder geltend und drohten das Werk des heiligen Geistes in der Gemeinde von Corinth zu zerstören. Nicht bloß trugen die Corinther das echtgriechische Wohlgefallen an menschlich natürlicher Begabung, namentlich an der Redegabe, auf ihre Lehrer im Christentum über und trieben Wähler und Buhlerei mit den Lehrgaben derselben, als hätten sie es noch mit heidnischen Rednern und Schauspielern zu thun, – wie wir das aus Pauli eigenen Briefen wißen; sondern es spukte auch die alte heidnische Leichtfertigkeit wieder, und sie verziehen einander wie früherhin Sünden und Ausschweifungen, über welche der Geist des HErrn JEsus mit aller Strenge den Stab bricht. Und nachdem sie einmal diese abschüßige Bahn betreten hatten, kamen sie so weit und vergaßen sie ihre himmlische Berufung so sehr, daß sie es den Heiden an Gleichgiltigkeit und Leichtfertigkeit zuvor thaten. Sie konnten es vertragen, daß einer unter ihnen seine Stiefmutter zur Ehe nahm, d. i. eine Ehe schloß, welche der schändlichsten, frevelhaftesten Hurerei gleich zu achten war. Dieser Fall war es, welcher dem Apostel Paulus zu Ohren gekommen war und den er nun in unserm Textescapitel angreift. Es ist ein gewaltiger, apostolischer Ernst, der in| unsrer Lection Worte und Ausdruck findet. Die Gemeinde hatte mit dieser faulen, unsittlichen Duldsamkeit gegen die abscheulichste Übertretung des sechsten Gebotes das Zuchtgebot JEsu Matth. 18., nach welchem sich nicht bloß ein Bruder um die Sünde des andern, sondern auch ganze Gemeinden um die Sünde des einzelnen Gliedes mit höchster Angelegenheit bekümmern, alle Liebe und Strenge anwenden sollten, den Bruder zu heilen: – dieses Zuchtgebot JEsu hatte die Gemeinde von Corinth in der auffallendsten Weise mit Füßen getreten. Und dabei war ihr Gewißen so hart und unempfindlich geworden, daß sie gar nicht merkten, wie weit sie von der christlichen Bahn sich verirrt hatten und noch verirrten. Kein Gedanke daran, daß sie im Namen des armen Sünders Reue und Leid gehabt und Buße gethan hätten – alle für einen wie einer für alle: sie bließen sich im Gegentheil noch auf, wie der Apostel V. 2. sagt und waren in ihrer Meinung trotz all dem die weitberühmte Christengemeinde von Corinth. Und so unklug und unweise waren sie, daß sie von der grauenhaften Sünde auch nicht einen Augenblick Ansteckung für andere unter ihnen fürchteten. Das macht, sie waren selbst innerlich schon angesteckt. Konnten sie doch die Sünde sehen und wißen, ohne sie zu bereden, zu tadeln, zu bestrafen. Sie waren wie blind gegen den Sünder, giengen mit ihm zum Sacramente, es fiel ihnen nicht ein, daß deshalb der Name Christi in Verachtung kommen und gelästert werden müßte: wie sollten sie bei einer so großen Blindheit und Stumpfheit für solche und ähnliche Sünden selbst unempfänglich gewesen sein? Was stand bei einem solchen Grade von innerer Betheiligung an der Sünde in Aussicht, wenn nicht eine zunehmende Durchsäuerung auch des äußern Lebens der Gemeinde und das Hinfallen in ähnliche schnöde und schwere Fleischessünden, für welche die griechische Natur ohnehin so empfänglich, so entzündlich war. Diese Befürchtung ist es, welche in den Worten Pauli sich ausspricht:| „Euer Ruhm ist nicht fein. Wißet ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?“
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 Um nun die Corinther von ihrer schmachvollen Niederlage aufzuschrecken und zum Abwerfen und Zerbrechen alter, obschon neuangelegter Feßeln zu ermuthigen, hält ihnen St. Paulus eine gewaltige Wahrheit vor, auf die er durch Erwähnung des Sauerteigs geführt wurde; wenn man nicht vielmehr sagen soll: sie lag ihm zuvor schon in Gedanken, so daß er um ihretwillen auch das Gleichnis und Vorbild vom Sauerteig anwendete. Ich meine nemlich das Verhältnis einer christlichen Gemeinde zur neutestamentlichen Osterlammsmahlzeit. Das Osterlamm des Alten Testaments war ein Sühnopfer, auf welches die Osterlammsmahlzeit folgte; durch diese wurden alle, welche das Lamm dargebracht hatten, ihres Opfers und seines Segens theilhaft und gewiß. Ähnlich ist es im Neuen Testamente. Da ist Christus, Gottes Lamm, – von welchem St. Paulus spricht: „Wir haben auch ein Osterlamm, für uns geschlachtet.“ Das Opfer Christi ist ein für alle Male geschehen und kein zweites folgt. Er hat mit Einem Opfer alle vollendet, die geheiligt werden. Wir haben also in einem unendlich höheren und tieferen Sinn, als die Juden, „ein Osterlamm, für uns geschlachtet.“ Und nun unser Osterlamm geschlachtet ist, „feiert man Ostern“ durch den Genuß des Osterlamms, seines Leibes und Blutes im heiligen Abendmahl, bis der HErr am Ende wiederkommt. Die ganze Zeit von dem Opfer auf Golgatha bis zur Wiederkunft des HErrn ist für die Christen nicht bloß bildlich und gleichnisweise, sondern im vollkommensten, heiligsten Ernste Eine wahrhaftige, ununterbrochene Osterfeier, eine Osterlamms- und Abendmahls-Zeit. Die neutestamentlichen Gemeinden leben von der Vorbereitung zum Genuß des Osterlamms, vom Genuß zur Vorbereitung: zwischen Bereitung und Genuß vergeht die Zeit, bis ER kommt. Immer aufs Neue wollen| sie ihres ewigen Heils in dem geschlachteten Gotteslamm theilhaftig und versichert, dadurch voll Fried und Freud im heiligen Geiste, voll Licht und Kraft zur Heiligung werden. Keine höhere Ansicht ihres Erdenlebens, als diese, – und darum auch keine vollkommenere Blüthe des Erdenlebens, keine Zeit, welche den Namen „Hochzeit“ mehr verdient, als die, da man zum Genuß des Osterlamms, zum heiligen Abendmahl kommt. Abendmahl halten – ja, das ist das höchste, herrlichste Werk einer Christengemeinde – oder nein, nicht ein Werk, sondern da legt sie alle Werke nieder, da lebt sie ganz und völlig ihres Glaubens.
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 Und wie wir nun zum alttestamentlichen Osterlamm in Christo, zum alttestamentlichen Osterlammeßen im heiligen Abendmahle das neutestamentliche Gegenbild gefunden haben; so haben auch der Sauerteig, welcher auszufegen, und der Süßteig, die süßen Brote, in welchen die Juden Osterlamm halten mußten, gleichfalls ihre neutestamentlichen Gegenbilder. Der Sauerteig als Bild kommt im Neuen Testamente in mancherlei Bedeutung vor. Wenn z. B. der HErr seine Jünger vor dem Sauerteig der Pharisäer und Schriftgelehrten warnt; so versteht er darunter ausgesprochener Maßen die falsche Lehre der Pharisäer und Schriftgelehrten. Und wenn in unsrer Epistel V. 8. von einem Sauerteig der Schalkheit und Bosheit die Rede ist, so deutet das Bild auf eine innere Verderbnis der Gesinnung hin, welche das gesammte innere Leben mit Tod und Fäulnis bedroht. Es kommt aber auch das Bild V. 6 und 7. unverkennbar noch in einem andern, allerdings innerlich verwandten, dennoch aber sehr überrraschenden Sinn vor. Da ist von einem Sauerteig der Gemeinden die Rede. Ein neuer, ungesäuerter Teig soll die Gemeinde von Corinth sein, und darum soll sie den alten Sauerteig ausfegen. Sie soll nicht bloß im Süßteig der Lauterkeit und Wahrheit Ostern halten, sondern sie soll selbst ein Süßteig sein – und drum auch ausfegen| den Sauerteig aus ihrer Mitte, von dem auch ein Weniges den ganzen Teig bedroht. Was ist da Süßteig? und was ist Sauerteig? Der Süßteig ist die heilige Gemeinde, der Sauerteig aber im Zusammenhang offenbar nichts anderes, als die Ärgernisse, die bösen Beispiele öffentlicher Sünden, unleugbarer und doch unbereuter Missethaten, welche nicht minder durchsäuernd und verderbend auf die Gemeinde wirken, als falsche Lehren. Man kann V. 6. und 7. unter dem Sauerteige nach dem Zusammenhang nichts anderes verstehen und darf es nicht: das kann man kühnlich behaupten. Diese bösen Beispiele sollen nicht geduldet werden von denen, welche das neutestamentliche Ostern halten, an den Tischen des Lammes Gottes sitzen, zu seinem Abendmahle gehen. So wie für den Juden das Ausfegen des Sauerteigs mit dem alttestamentlichen Osterlamm zusammenhängt; so ist also die Abendmahlszucht oder beßer die Zucht um des rechten Abendmahlsgenußes willen für den Christen durch St. Pauli Wort in den engsten Zusammenhang mit der Abendmahlsfeier selbst gesetzt. Das apostolische Wort: „Feget den alten Sauerteig aus“ ist nichts als eine gewaltige Mahnung des entfernten Apostels an die schlummernde, Feier und Ernst des heiligen Mahles vergeßende Gemeinde von Corinth. Der hat auch im Herzen Sauerteig „den Sauerteig der Bosheit und Schalkheit“, welcher offenbare Sünden, unbetreute Missethaten und den Genuß des neutestamentlichen Osterlamms zusammenreimen und vertragen kann: denn was ists anders als Bosheit und eine – recht thörichte und offenbare – Schalkheit, mit groben Sünden selbst zum Versöhnungs- und Vergebungs-Mahle des HErrn zu gehen und andere gehen zu laßen? Dagegen ist es „Süßteig der Lauterkeit und Wahrheit,“ es sind süße Brote zum Fleisch und Blute Christi, es heißt lauter, einfältig, aufrichtig zu Gottes Tische gehen, wenn man weder an sich, noch an den Brüdern die herrschende,| offenbare, unbereute Sünde dulden, sondern für wahre Buße am Tische JEsu, für Zucht, Tischzucht, Abendmahlszucht Christi eifern muß. – Ein neuer, ungesäuerter Teig zu sein, zu bleiben und immermehr zu werden, das muß Entschluß und Ziel einer jeden christlichen Gemeinde gerade deshalb um so mehr sein, weil es so schwer gelingt, weil so viele Hindernisse vorhanden sind, weil das Verderben so anhängig, so ansteckend, so übermächtig ist.
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 Wer kann nun, meine lieben Brüder, diesen Sinn unsers Textes als den einfachen, – nicht als den hineingetragenen, sondern als den blank zu Tage liegenden erkennen, ohne zuzugestehen, daß also die Abendmahlszucht nicht eine bloß menschliche Kirchenordnung, sondern ein biblisches, apostolisches, von dem heiligen Paulus mit allem Nachdruck eingeschärftes Erfordernis christlicher Gemeinden sei? Ist’s nicht wirklich offenbar, daß in unserm Texte Zucht und Abendmahl in der engsten Beziehung zu einander stehen? Ist’s übertrieben, auf Grund unsers Textes zu behaupten, daß die Abendmahlszucht im Ausfegen des alten Sauerteigs und im Genuß der süßen Brote eben so gewis alttestamentlich geweißagt und vorgebildet ist, wie das heilige Abendmahl selbst im Osterlamm? Ist also nicht die Abendmahlszucht wie das heilige Abendmahl selbst eines der Jahrhunderte und Jahrtausende vor dem Neuen Testamente von Gott bewahrten, in heiligen Bildern abgeschatteten Geheimnisse, welche in der Fülle der Zeit offenbart und gepredigt sind? Muß es also nicht der von aller Welt her gefaßte, nun aber offenbarte Wille Gottes sein, daß man in Gottes Vorhöfen und an seinen Altären an der Heiligung und Vollendung der Gemeinde arbeite, indem einer für alle, alle für einen sorgen und Buße thun und glauben und gegen das festgehaltene Böse kämpfen? – Und ob auch einer zu kurzsichtig oder zu übelwollend wäre, um den Beweis der Abendmahlszucht aus dem Alten Testament und seiner Osterlammsfeier zu erkennen;| die Rede des heiligen Apostel Paulus, die für sich allein schon ein göttliches Ansehen und eine göttliche Kraft besitzt, ist doch klar! Der Sauerteig, welcher ausgefegt werden soll, ist doch einmal im Text und seinem Zusammenhang nichts anders, als der offenbare, unbußfertige Sünder, der Blutschänder, von welchem die Rede ist: St. Paulus versteht einmal nichts anders darunter. Ja, ob einer auch darüber stritte, und Sauerteig wie Süßteig wie V. 8, so V. 6 u. 7. nur auf den Sinn der Gemeinde, auf ihre Herzens- und Lebensreinigung bei Gottes Tisch beziehen wollte: es wäre im Grunde doch auch das nichts anders, immerhin geht der Text auf Abendmahlszucht hinaus, und auf alle Fälle gibt der 13. Vers mit unverblümten Worten zu verstehen, was Paulus will, was am Ende doch auch mit dem Ausfegen des Sauerteigs gemeint ist. „Gott wird, sagt er, die draußen sind, richten; thut von euch selbst hinaus, wer böse ist.“ Was aber in seinem Sinn ein Böser ist, das liegt wieder ganz klar vor V. 11: „So jemand ist, spricht er, der sich läßt einen Bruder nennen, d. h. einen Christen, und ist ein Hurer, oder ein Geiziger, oder ein Abgöttischer, oder ein Lästerer, oder ein Trunkenbold, oder ein Räuber, mit demselbigen sollt ihr auch nicht eßen“ – nicht das tägliche Brot, geschweige des HErrn Brot, und trinken Seinen Kelch.
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 Ich denke, meine lieben Brüder, aus dem allen ist leicht zu erkennen, daß der Apostel Paulus in der Gemeinde von Corinth Zucht geübt haben wollte, eben so wie sie Christus, der HErr, nach Matth. 18. in allen Gemeinden der Kirche in Übung sehen will. Was für eine Thorheit wäre es, anzunehmen, daß Pauli Worte nur einen Specialbefehl für die Corinther enthielten, uns aber nichts angiengen! Und welche Stumpfheit, wo nicht gar absichtliche heuchlerische Verblendung wäre es, wenn man den innigen Zusammenhang zwischen dem Befehle Christi Matth. 18. und dem corinthischen Befehle Pauli leugnen oder verleugnen wollte!| Nein, meine Brüder, Luther hat Recht, wenn er sagt, die Zucht sei eben so gut ein Gottesgebot, wie jedes andre. Das Zuchtgebot Christi und seiner Apostel ist in der That nichts anderes, als das Gebot der reinsten, kirchlichsten Liebe, der Liebe der Gemeinde zu ihren Gliedern, der Glieder zur Gemeinde. Und gewis, Zucht ist in ihrer schönsten, lautersten, höchsten Faßung österliche Zucht, Abendmahlszucht, so gewis die Kirche selbst eine österliche, eine Abendmahlsgemeinde ist, bis daß ER kommt.
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 Dabei, meine Brüder, ist noch Eins hervorzuheben, was ich bis jetzt nur vorausgesetzt und bis hieher aufgespart habe. An wen wendet sich die Rede des Apostels im 5. Cap. des 1. Br. an die Corinther? Wer soll Zucht üben, den alten Sauerteig ausfegen, die Bösen hinausthun, im Süßteig der Lauterkeit und Wahrheit Ostern halten? Ist es etwa bloß zu den corinthischen Pfarrern gesagt: werden die allein zur Ausübung der Zucht überhaupt und der Abendmahlszucht insonderheit verpflichtet? So wenig als sich Christus Matth. 18. in seinem Zuchtbefehl bloß an die Pfarrer wendet. Allen Christen ist die Zucht, auch die Abendmahlszucht zugemuthet; die ganzen Gemeinden sind dafür verantwortlich; Zucht ist die nothwendige Äußerung der Bruderliebe; wo keine Zucht ist, ist genau genommen auch keine Bruderliebe, kein wahrer und echter Zusammenhang der Gemeinde, kein Band der Vollkommenheit, kein überzeugender Beweis, daß sich die Gemeinde für eine Familie Gottes, für eine zusammengehörige und zusammenhangende Heerde Christi erkennt. Es ist auch wirklich ganz unmöglich, Zucht im Segen zu üben, so lange die Gemeinden es nicht als Gemeindepflicht, jeder einzelne als seine unverbrüchliche Pflicht der Bruderliebe erkennt, aus allen Kräften mitzuhelfen. Was für eine Unerfahrenheit, welche unstatthaftes Verlangen, daß die Pfarrer allein Zucht üben, Zucht halten sollen! Der Pfarrer ist ein Gemeindeglied, ein hervorragendes,| wie nicht zu leugnen, überdies mit besonderer Verantwortung des Amtes belastet: gewis hat er das Seine zur Zucht und deren Übung beizutragen; aber auch nur das Seine. Denn er ist und bleibt doch immerhin nur einer, ein Bruder, ein Gemeindeglied, von dem man nicht Arbeit und Liebesübung fordern kann, wie sie nur die Gemeinden in ihrer Vollzahl leisten und gewähren können; der sich auch nimmermehr solche Verantwortung, solch unerträgliche und unmögliche Last kann und wird aufhalsen laßen.




 Wie steht es nun aber mit dem Gehorsam gegen den Zuchtbefehl Christi und seiner Apostel? Wir könnten diese Frage auch auf die römische, griechische, reformierte, unierte Kirche ausdehnen, und ich glaube, im Allgemeinen würden wir von allen Seiten her dieselbe betrübende und niederschlagende Antwort bekommen. Allein wir wollen nur auf unsre eigne, die lutherische Kirche schauen: wie steht es da? Wir werden zwar einen Unterschied machen müßen zwischen den Landeskirchen, in welchen der Mensch seine Confession mehr durch die Verhältnisse, kaum durch Erziehung, am wenigsten durch eigne Prüfung und Entscheidung bekommt, und zwischen denjenigen Gemeinden, welche in Preußen, Nassau, Baden, Hamburg und Nordamerika durch eigne Entscheidung für die Bekenntnisse unsrer lutherischen Väter in den letzten Jahrzehnten entstanden sind. Bei den letzteren findet man mehr oder minder auch einen größeren Ernst rücksichtlich der Zucht, wiewol auch da nach dem eigenen Zeugnis der jenen Gemeinden vorstehenden Hirten gar vieles zu wünschen übrig bleibt. In den Landeskirchen hingegen, auf deren Gebieten sich unchristliche, ungläubige, unsittliche Menschen zu Tausenden, wenn man nicht sagen will, „zu Millionen“ finden: da steht es schlecht. Zwar die alten Kirchenordnungen dieser Gemeinden reden von Zucht, namentlich von Abendmahlszucht.| Aber es erweist sich schon aus der gegenwärtigen Beschaffenheit der Landeskirchen, daß schon längst der Gehorsam gegen die Kirchenordnungen aufgehört haben muß, auch wo und so weit er früher da war: woher kämen denn sonst die Tausende und Millionen von ungläubigen, unchristlichen, weltlichen Menschen, die nicht etwa insgeheim, sondern mit ganz offenbarem Hervortreten und unverholener Herzensgesinnung das Reich der Kirche eingenommen haben? Die Zucht, zumal die, welche und wie sie von dem HErrn und seinen Aposteln befohlen ist, hat längst aufgehört, es ist keine da; oder soll man die letzten Spuren entschwundenen oder die ersten Zeichen einer vielleicht sich wieder regenden Zucht recht hoch anrechnen, wie es die Eigenliebe mancher jetzt lebenden Christen verlangt, nun, so können wir sagen: es ist fast keine da. Hie und da steht vielleicht ein einsamer Pfarrer, vielleicht von einigen Kirchenvorstehern in einem gewissen Maße unterstützt: er versucht es, das Seine zu thun, – vielleicht mit Zittern und Zagen: in welchem Geruch steht dann ein solcher Held? Kein Mensch sagt von ihm, in seinem Herzen keime und sproße die Liebe; sondern streng ist er, ein Eiferer, ein anmaßender Mensch, voll Priesterstolzes, welcher das Gelüsten in sich hegt, die alte Priesterherrschaft der römischen Kirche auch in die protestantische wieder einzuführen. Die, an welchen er in großer Verlegenheit sein bischen Zucht zu üben sich gezwungen sieht, hätten gute Lust, ihn zu verklagen, wenn sie nur dazu genug gutes Gewißen hätten, wenn nur nicht da drinnen eine Stimme zu laut für den armen Pfarrer und sein Thun spräche. Manche klagen dennoch: die Zucht der Liebe wird zur Streitsache, etwa zwischen einem Trunkenbold und dem Pfarrer, zwischen einer Hure und dem Hirten der Gemeinde. Und was sagt denn die Gemeinde? Erwacht und merkt sie, daß es unrecht ist, den Pfarrer allein zu laßen in seinem Streite; tritt sie auf seine Seite und billigt wenigstens durch| ihre allgemeine Zustimmung die Liebesübung, welche sie selbst unterläßt? Ihr wißt es selbst, meine lieben Brüder, wie es geht und daß es nicht so ist, daß in den meisten Gemeinden der Pfarrer unter solchen Umständen ganz einsam steht. Was kümmert sich die Gemeinde um die „Pfaffengeschichte“: Spottvögel und die Kinder Schadenfrohs allenfalls legen sich drein, lästern den Pfarrer, steifen den in Zucht genommenen offenbaren Sünder in seiner Unbußfertigkeit; mit Hohn und Spott, mit gleißnerischer, beißender Rede gießt man Öl ins Feuer und sorgt dafür, daß aus einer Sache, welche im eigentlichsten und edelsten Sinne Gemeindesache sein sollte, eine recht jämmerliche Parteisache und ein persönlicher Prozeß wird. So stehts, ja so stehts, wo es noch gut steht, nemlich in den wenigen Landgemeinden, wo die Diener Gottes noch Muth und Selbstverleugnung genug haben, dem Greuel unchristlicher Zuchtlosigkeit ein wenig zu steuern. Und nun erst da, wo es gewöhnlich – Gott segne die Ausnahmen! – wo es gewöhnlich schlecht steht, in den Städten, mein ich, mit ihren frechen Haufen zuchtlosen Pöbels aus vornehmen und geringen Ständen! Ha, wie sich die empört, im Innersten verletzt fühlen, wenn jemand es wagen will, an ihnen, am Pöbel des neunzehnten Jahrhunderts, dem unwißenden, in allem, was zum ewigen Leben gehört, verdummten, von der Sünde geknechteten und geschleppten, die heilige Pflicht der Bruderliebe strafend zu erfüllen! Was ist da zu machen? Spott und Schmach über die, welche angesichts dieser Maßen vom Netz reden, das auch faule Fische fäht, – vom Acker, der auch Unkraut hat, – vom hochzeitlichen Vorhof, wo auch Heuchler und Maulchristen zu finden sind. Das heißt in der That aus großer Verlegenheit blind Gottes Wort wider Gott selbst deuten und misbrauchen. Nein, nein, so hat Christus seine Kirche nicht gewollt, so will er sie auch nicht laßen. Wo der Sauerteig den ganzen Teig durchdrungen hat; wo es – ich sage, in der Kirche, nicht| in der Welt – zur Ausnahme geworden ist, daß jemand seine Seele davon bringt; wo die Gottlosen im Interesse der Zuchtlosigkeit die Beßeren, so zu sagen, in die Zucht nehmen, die Frommen mit Hohn und Schrecken niederhalten, daß sie es auch nicht mehr wagen, das Haupt aufzuheben und den Mund aufzuthun, sondern mit gebrochener Kraft unter der Masse stehen und froh sein müßen, wenn ihnen nicht die ganze Reinigkeit ihrer Absicht, ihr Wille, ihr Leumund beschmitzt und sie als die „Heillosesten und Schlechtesten“ hingestellt werden: da ists nicht am Ort und an der Zeit, Christi gerechte Worte vom Netz und Acker und hochzeitlichen Kleide zur Decke zu nehmen; da muß man andere Worte Christi reden laßen, den Donner des heutigen Textes predigen und aufschreien zum Gott der Erbarmung, daß es anders werde. – Ach, Weh und Jammer! Gott helfe, sonst gibt es keine Hilfe! So hat ja der Sauerteig durchgedrungen, ein solcher Geist der Zuchtlosigkeit und Unzucht in Betreff aller Gebote ist herrschend geworden, daß auch die wenigen Versuche treuer, züchtigender Bruderliebe nicht gerathen können; so bewältigt und gebunden ist die Liebe selber, daß oft ihre wohlgemeintesten Erweisungen verkümmern, zu Zerrbildern und Carricaturen der Bruderliebe werden, daß sich an ihnen Muth und Eifer zum Guten vollends bricht und verliert. – Ach, und wagen es einfache Christen, die nicht Pfarrer sind, die züchtigende Liebe zu üben: wie viel schaden dann selbst Pfarrer, wenn sie, vielleicht beleidigt durch den gerechten Vorwurf, der für sie in der Liebesäußerung von Gemeindegliedern liegt, von pharisäischem und Amts-Hochmuth aufgebläht, die armen Stümper und Humpler der Bruderliebe verkennen, mit plumpen Füßen auf ihre Werke treten, statt sich demüthig mit ihnen zu vereinigen und mit den armen Lahmen und Krüppeln JEsu den heiligen Kampf gegen das Böse zu wagen und sich mit ihnen selbst reinigen, heiligen und vollenden zu laßen! – –
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|  Man könnte sagen: es sollte aber eben auch die Zucht von oben her mehr empfohlen und befohlen sein, es sollte wieder Zuchtordnungen geben, vermöge deren sich diejenigen, welche die Liebe der Zucht üben wollen, für geschützt erachten könnten. Allein, meine Brüder, obschon daran etwas Wahres ist: so glaube ich doch, daß man durch solche Einwendungen die heilige Pflicht nur von sich wegzuschieben trachtet. Ich sehne mich darnach, daß das Zuchtgebot JEsu auch wieder einmal anerkannt und (wie jämmerlich klingt aber das!) zum Kirchengebete werde, und ich hoffe, es werde wohl auch einmal wieder dazu kommen; aber ist denn JEsu Gebot nicht über Kirchengebot, und wird sein Wille mehr und beßer geschehen, wenn das irdische Regiment der Kirche ihn ausgesprochen haben wird? Die Ihm nicht folgen, werden die dem Kirchenregimente folgen? Ist’s nicht offenbar, daß des HErrn Gebot Kirchengebot sein muß? Ist er nicht alleiniger HErr seiner Kirche: kann etwas nicht gelten, was er gesprochen, hat? – Schöner Tag, wo uns eine Zuchtordnung dargeboten werden wird! Aber was hilft ein Kleid, für das sich am Ende kein Leib findet? Was hilft Canal und Waßerleitung, wenn kein Waßer da ist? Was helfen Waffen ohne Soldaten? Was helfen Zuchtordnungen ohne den Geist der Liebe und der Zucht? Die Zucht ist viel zu sehr Äußerung der persönlichen und gemeindlichen Bruderliebe, als daß es möglich wäre sie ohne Brüder und brüderlich gesinnte Gemeinden in’s Werk zu setzen. Sie ist und bleibt die Sache, das Eigenthum, die Kunst und Macht gemeindlicher Bruderliebe. Wo die Bruderliebe ist, schafft sie Ordnungen, zumal die Grundzüge in JEsu Worten klar vor uns liegen. Wo die Liebe erkaltet, nimmt die Ungerechtigkeit überhand, – und keine Macht des Staates, keine Ordnung der Kirche vermag alsdann den Mangel der Liebe zu ersetzen.
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 Ihr werdet sagen: Was ist aber dann zu thun?| Die Gemeinden sind einmal, wie sie sind: aus ihnen wächst nichts hervor, was Gott gefiele, so lange sie sind, wie sie sind. Da wird das Ende von der Predigt sein, daß alles bleibt wie’s ist – und so klar die Worte Christi und die Worte des heutigen Textes vor uns liegen: was werden sie ausrichten? – Meine Antwort ist die: ich weiß keine andre, ich warte Jahre lang auf eine beßere, ich kann nichts erlauschen, nichts vernehmen. Ich bleibe dabei: eine Ermannung der beßeren Gemeindeglieder, eine Hingebung der Christen, die es sind, an Christi Zuchtbefehle, ein vereintes Leben der Christen für Zucht und Liebe und Heiligung kann alleine fördern. Entschloßene, aufopfernde, selbstverleugnende Liebe derer, die da an Christum glauben, wird Siege erringen und manchen Brand aus dem Feuer reißen. Erinnert euch, wie es vor 20, 30 Jahren im Lande aussah, sagen die gern Zufriedenen: wo war damals Gottes Wort, wo Glaube, wo Christen? Und ja, so sage auch ich Unzufriedener: seht auf die Erfolge der Kleinen, der armen Pfarrer und ihrer bekennenden Schaaren, – und lernt daraus, wie man weiter geht. So kommt man vorwärts, wenn man nicht verzagt, wenn man fröhlich sich für’s Gute vereint, es unter Widerspruch und Leiden bekennt und übt. Da habt ihr einen nun verstandenen Text: ihr habt die Zucht, auch die Abendmahlszucht als ein göttliches Gebot erkennen lernen. Auf, nun lebet für Liebe, Liebeszucht, Abendmahlszucht, für heilige Tischzucht JEsu – für Heiligung und Vollendung!
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 Die Christen sind, die seien es in vollem Ernste. Es sei ihre höchste Angelegenheit, selig zu werden und sich des ewigen Berufes in dieser Welt würdig zu verhalten. Die eigne Seele erretten, das sei das Erste, – und das Zweite sei, die Brüder lieben und für die Mehrung ihrer Zahl, für die Heiligung, Gründung, Stärkung und Vollendung der| Glaubensgenoßen zu leben. Jeder meide den bösen Schein, damit nicht andere durch den bösen Schein der Christen an der Sonne Christus irr gemacht werden. Jeder halte Glauben und gut Gewißen und laße sein Licht, sein Glaubenslicht leuchten, auf daß die Leute die guten Werke sehen, auf daß durch gute Thaten die Lästerung und Verleumdung überwunden werde und unsre Feinde von uns sagen müßen: „Ja, sie sind beßere Menschen.“ Und daß wir’s werden, dazu helfe dem Christen der Christ durch brüderliche Zucht. Laßt uns einander tragen mit unsern Schwachheiten, aber auch einander reizen und dringen, daß wir vorwärts kommen: keiner leide am andern Sünde, alle für einen, einer für alle müße sorgen in Demuth, in Bekenntnis der eignen Sünde, daß nicht der Balken im Auge den Splitter entschuldige, daß nicht in Hochmuth das Werk der brüderlichsten Demuth ersterbe.
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 Und wenn ihr also Glauben und gut Gewißen bewahret, dann steht nicht wie Schächer in den Gemeinden, geht nicht mehr feig und zappelnd, wie das böse Gewißen, unter dem unschlachtigen Geschlecht, – auch nicht wie selbstgerechte, übermüthige Tyrannen, die sich pharisäisch über andre erheben: meidet beides, Verzagtheit und Übermuth – bittet aber Gott um demuthsvollen Muth, Zucht und Heiligung, Religion und Wahrheit unter euren Nachbarn zu bekennen, zu vertreten, das Böse anzugreifen, das Gute zu fördern, nach Beßerung der Gemeinden mit aller Macht zu ringen. Nicht die Rotte der Gottlosen hat das Recht in den Gemeinden: das werde ihnen nun auch einmal bekannt, ihr elend Recht werde bestritten – und die Christen, die Beßeren in den Gemeinden, sollen es wagen zu sein, was sie sind, Priester des Allerhöchsten, welche die Tugenden des, der sie berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht, mit kühnen Wort und heller That bekennen. – Auf diesem Wege gibt es Leiden, wer weiß, welche. Aber es gibt keinen andern, die Gemeinden,| so wie sie sind, zum Guten aufzurufen. Die Stimme des Predigers ist zu einsam: so laßt nun Gottes Drommeten in Haufen blasen und Jericho’s Mauern fallen. Getrost den Leidensweg der Liebe gegangen, meine Brüder! „Haßet das Arge, hanget dem Guten an“ vermahnt der letzte Sonntag unsre Seelen. Wohlan! Laßt uns Protest gegen alles Böse einlegen: laßt uns ausdauern in Vertheidigung des Guten, – und laßt uns anhalten am Gebet und Flehen, daß unser treues Thun und Meinen gesegnet sei, unsre Fehler der heiligen Absicht, für die wir leben, nicht hinderlich seien, und unsre in Gott gethanen Werke durch des HErrn Blut gereinigt und durch seinen Geist gesegnet seien für die Welt und für die Kirche.

 Das Leben geht hin, bald ist es verraucht: ist es gar dahin – so sind wir reich und groß, wenn wir selig sind, und wir haben nicht umsonst gelebt, wenn wir unter dem unschlachtigen Geschlechte unsrer Gemeinden Wahrheit und Recht, Glauben und Heiligung gelehrt, empfohlen, so viel an uns lag, vertheidigt und aufrecht gehalten haben.

 Diese meine Rede, welche ich nach dem Liebesberuf Eures ehrwürdigen Herrn Pfarrers unter Euch gehalten habe – in der Eintracht mit ihm, nehmet freundlich auf. Der HErr aber laße meine Worte gesegnet sein. Auf Ihn und seinen Segen harre ich. Nicht leer laß, o HErr, was an dieser meiner Rede richtig ist, zurückkommen. Ach gib, daß es thue, wozu es gesprochen ist! Amen.



  1. Man klagt so sehr über die Missionen der Jesuiten. Warum macht man sie nicht protestantisch nach? – Ein weniges im Sinne gerechter Nachahmung haben etliche befreundete Pfarrer zu thun versucht. Sie haben beschloßen, zuweilen für einander zu predigen – alle über einerlei Hauptthema, gegenwärtig über die Zucht. So wird, was jeder Pfarrer predigt, seiner Gemeinde durch verschiedene Gaben eingeprägt. – Sie predigen aber nicht allein für einander; sondern sie wählen für diese Predigten Abendmahlssonntage, damit sie miteinander am Altare stehen, das Sacrament nehmen und geben können. Haben sie beßere Kirchenvorsteher, so gehen auch diese mit ihrem Pfarrer am Altar der Gemeinde, wo er predigt, zum Sacrament, auf daß der Sinn für Gemeinschaft gestärket werde.