Moosrose

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Textdaten
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Autor: Louise Otto
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Titel: Moosrose
Untertitel:
aus: Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 162-163
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1850-1860
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Moritz Schäfer
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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Rosa sp.204.jpg
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Moosrose.


Die rote, blätterreiche Rose,
Voll Duft und tiefverborgner Glut,
Die ohne Dorn im weichen Moose,
Auf zartem Stengel träumend ruht’:

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Die Rose gab ich Dir zu eigen –

O wie verstandest Du mich wohl!
Du weihtest sie zum Bundeszeichen
Zu unsrer Seligkeit Symbol!

Du willst sie unverwelklich wahren

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In Deiner Hand, an Deiner Brust,

Ein Talisman, der in Gefahren
Zu schützen mich und Dich gewußt;
Ein Unterpfand von künft’ger Wonne,
Wenn hinter uns die finstre Nacht,

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Wenn eine freie, stolze Sonne

Zugleich auf uns herniederlacht.

Viel Dornen sind auf unsern Wegen,
Doch diese Ros’ ist dornenlos,
Du zogst mit warmen Herzensschlägen

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Die stille Knospe voll und groß.
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Das ist ein Sprossen, ist ein Drängen –

Ein ganzer Hain von Rosen blüht,
Und zu begeisterten Gesängen
Ein jeder Kelch sich öffnend glüht.

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So laß uns selig träumend wallen

Im Rosenhain der Poesie,
Und Lied um Lied soll preisend schallen
In süßer Liebes-Melodie.
So laß uns Gott im Himmel loben

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Der solche Rosen blühen hieß

Und uns, trotz wilder Wetter Toben,
Die schönste dennoch finden ließ.

So laß uns diesen Gott vertrauen,
Der an den Blumen Wunder thut,

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Nicht nur im Blitz ist er zu schauen,

Er redet auch aus Rosenglut.
Wie uns des Wetters Nacht umdunkelt,
Wie Angst und Weh’ das Los der Zeit:
Ein heil’ger Strahl im Kelche funkelt –

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Die Rose blüht in Ewigkeit!