Mordthat des Commendanten in Eger so er an dem Hertzogen von Friedland und andern Obristen Barbarischer weise verübet

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Textdaten
Autor: J. H. F.
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Titel: Copia, Oder Extract-Schreibens / Eines guten Freunds von Bayrreuth auß nach Coburg / Sub dato den 18. Februarii / die schröckliche Mordthat Deß Commendanten in Eger / so er an dem Hertzogen von Friedland und andern Obristen Barbarischer weise verübet
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Erscheinungsdatum: 18. Februar 1634
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Quelle: StB Nürnberg VD17 75:705460E, Kopie auf Commons
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[1]
COPIA,
Oder
Extract-Schreibens /
Eines guten Freunds von Bayrreuth
auß nach Coburg / Sub dato den 18. Februarij /
die schröckliche
Mordthat
Deß Commendanten in Eger / so er an
dem Hertzogen von Friedland vnd andern Obristen
Barbarischer weise verübet.
1634
Gedruck im Jahr Christi /

M. DC. XXXIV.

[2] GVNstiger lieber Herr vnnd guter Freund / ich wolte den Herrn gerne was Neues schreiben / weil die Strassen sehr vnsicher vnd gefährlich / als ist der Federn nicht viel zu vertrauen / jedoch ich nicht vmbgehen können / eine seltzame Geschicht vnd wunderliche Zeitung / welche sehr nachdencklich ist / so sich dieser Tagen in der Stadt Eger begeben vnd verloffen / dann wie ich von etlichen Leuten so von Atzberg hieher kommen / glaubwürdig bericht worden / [3] wie daß der Kayser dem Commendanten in Eger / Obristen Leutenannt Cordon ernstlich befohlen / jhme den Friedländer lebendig oder todt liffern solte / dann Ihre Kayserliche Majestät ein grosses Mißtrauen in den Friedländer setzte / als ob er Friedländer mit dem Feind gute Correspondentz hette / derohalben solte der Commendant dahin trachten / daß er Friedland mit etlich wenigem Volck / vnd den Obristen so Kayserlicher Majestät suspect vnd verdächtig weren / in die Stadt Eger brächte / vnter dem Praetext vnd Schein eines Pancquets / oder das er wichtige Sachen halber sich mit jhme zu vnterreden hette / von wegen deß Feinds so sich fast aller fürnehmen Päß der Pfaltz bemächtiget / vnd sich der Stadt Eger sehr nahet / vnd er sampt der Stadt vnd seinen Soldaten in höchster gefahr stünthe / wüste also sich keines Succurs zu getrösten / dann Ihre Fürstlich Gnaden jhn secundirte.

Auff solche weiß wie ich berichtet worden / vnd auff deß Commendanten Bitten vnd Flehen hat der Friedländer mit etlichen Herrn Obristen / als Graf Tertzki / Herrn Kintzki / Obristen Illo / vnd andern Officirern mehr sich auffgemacht / vnd nach Eger begeben / eine Compagnia Reuter / sampt einen Tropp Tragoner mit genommen / Als nun Friedland mit gemeldten Obristen in die Stadt kommen / ist er vom Commendanten gantz Herzlich vnd freundlich [4] empfangen worden / auch in desselben Losament begleidet / Bald darauff ein stattlich Pancquet gehalten / den Friedländer sampt seinen bey sich habenden Herrn Obristen über alle massen prächtig tractirt / darbey denn der Commendant vnd die seinigen sich gantz Dienstbarlich erzeiget / vnd dem Wallsteiner vor der Taffel auffgewartet / Inmittels aber hat der Commendant alles in der stille anstellen lassen / daß alle Thor der Stadt gesperret / etliche Reuter vnnd Tragoner an vnterschiedlichen Orten sich fertig gehalten / im fall so die Friedländischen Reuter vnnd Tragoner sich deß Handels annehmen würden / jhnen mit allem ernst zu begegnen / damit er Commendant sein Vorhaben desto füglicher in das Werck richten köndte / hat er die Friedländische Troppen Reuter vnd Tragoner so mit in die Stadt kommen / in vnterschiedliche Quartir einlosiren lassen / auch sie mit einen stattlichen Trunck versehen.

Als nun Friedland sich keiner gefahr / betrugs oder einiges argen besorget / mit seinen Herrn Officirern / gedachten die Mahlzeit in Freuden zu zubringen / Sihe da nimbt der offtgemeldte Commendant / sowol auch der Tragoner Capitain / so in Eger ligend / ein jeglicher eine Partison in die Hand / tritt dem Wallsteiner für die Taffel / redt jhn mit solchen Worten an / Ihre Fürstlich Gnaden / neben den bey sich habenden Herren müssen anjetzo seine Gefangene [5] seyn / im Namen vnd Befehl Kayserlicher vnnd Königlicher Majestät zu Vngern / etc.

Darauff Friedland / neben den bey sich habenden Herrn Obristen für Gewalt gebetten / weil aber solches nicht fruchten wollen / sondern der Commendant neben der Tragoner Capitain auff den Friedländer getrungen / also daß Friedland / sowol auch seine bey sich habende Obristen mit jhren Seitenwehren zur Gegenwehr gestellet / sind sie doch von dem Commendanten bald überwältiget worden / daß auch er Commendant den Friedländer mit der Partison in den Leib gestochen / daß er alsbalden an die Wand gefallen vnd gebetten / man woll jhme doch zeit lassen / daß er beten vnd sich mit Gott versöhnen köndte / weil allhie kein bitten statt gefunden / sondern er ohn alle Erbarmung nidergemacht. Graf Tertzki / Kintzki vnd Obrister Illo springen hinder der Taffel herfür / wollen jhr Leben fristen / werden aber vnter der Stuben-Thür nidergemacht.

Bey solchem Tumult wurden alle Thüren vnd Gemach deß Hausses mit Mußquetirern starck verwacht / daß also niemand auß noch einkommen könte.

Die furnembsten Herrn vnd Obristen / so geblieben / sind diese / wie folgt:
Der Herzog von Friedland. Graf Tertzki.
Herr Kintzki. Obrister Illo.

Zween Baschi deß Friedländers / Vnd andere Officirer mehr / deren Namen mir bißher noch vnbewust.

[6] Bey solchem Tumult ist die Stadt Eger fast 8. Tag lang zu gesperret gewesen / daß niemand auß- noch einkommen können / Ich wolte es dem Herrn sonst außführlicher bericht haben / Bitt freundlichen der Herr wolle solches im besten auffnehmen / denn er soll ins künfftig außführlicher vnd mit mehrerm bericht werden. Hiemit befehle ich den Herrn sampt den Seinigen in den Schutz deß Allerhöchsten / Datum Bayrreuth den 18. Febr. dieses 1634. Jahr.

Deß Herrn Dienstwilliger
J. H. F.

AVß Regenspurg hat man schon vor längsten glaubwürdigen Bericht / daß der Friedländer FeldMarschalck Illo / Graf Tertzki / Graf Kintzki / Obrister Neuman / vnd deß Friedländers Hofmeister / durch gantz Oesterreich / für öffentliche Rebellen vnnd Feinde deß Kaysers erklärt / welche man auch mit Schwerd vnd Strang verfolgen solte / Darauff auch alsbalden den jungen Wallsteiner zu Lintz sampt andern Officirern in Arrest genommen / Als General von Friedland solches an vnterschiedlichen Orten glaubwürdig bericht worden / auch darneben vermommen / wie der Käyser den Obristen Gallos zum General über die Armee erklärt worden / vnd vnd allbereit Ordre bekommen / das Volck in aller eyl [7] zusammen führen / vnd Randevous halten solte / auch mit ehisten auff die Feinde Kays. Maj. zugehen.

Vnterdessen aber hat der Commendant Obrister Leutenant Cordon / vom Kayser Befelch bekommen / den Friedländer / Feldmarschaclk Illo / Graf Tertzki / Grafen Kintzki / Obristen Neuman sampt jhren Adhaerenten bey den Köpffen nemen solte / vnd sie lebendig oder todt dem Kayser liffern.

Weiln dieselbigen inn Willens gewest / zu den Schwedischen zutretten / den Schwedischen Eger / Pilsen vnd andere Plätze einraumen wollen.

Als nun General von Friedland vmb den 13. vnd 23. Februarii mit etlich Troppen Reutern vnd Tragonern vmb Eger angelanget / vnd vörder zu Ihrer Fürstl. Durchl. Hertzog Bernhard zu Sachsen reisen wollen / auch damals Ihr Quartir zu Eger in Alexandri Bachholms Behausung genommen / Den 15/25. diß mit einem Tropp Reuter vnd eim Troppen Tragonern sich in die Statt begebe / auch freundlich von gemelten Commendanten Cordon empfangen / vnd in seine Quartir begleidet worden.

Graf Tertzki / Graf Kintzki / Feldmarschalck Illo / vnd Obrister Neumann / sind in die Burg einlosieret worden / gegen Abend zwischen 4. vnd 8. Vhren / als hochgedachte Herrn Obristen über der Mahlzeit gesessen / hat sich ein Tumult erhebt / vnd der Commendant etliche Mußquetirer / welche er zuvor in vnterschiedliche [8] Gemach gesteckt / herfürbracht / die gemelte Obristen in der Stuben über der Mahlzeit angefallen / alsbalden etliche darvon erschossen / etliche todt geschlagen.

Darauff mit etlichen Soldaten in grossen Grimm vnd furi, nach deß Friedländers Quartir geloffen / vnd eben damals die Wacht nit starck gewesen / einen Trabanten die Helleparten auß der Hand gerissen / vnd in das Zimmer gangen / darinn der Friedländer gewest / Ihme (den Friedländer alsbalden durchstochen / mit diesen Worten: Also müssen alle sterben / so gegen dem Käyser rebelliren. Diesen Propheten wird wol der Lucifer in das Höllische Fegfeuer führen / ehe seine Wort waar werden/ ) darnach hat er den Cörper die Stiegen hinab geworffen / dann auff einen Mistwagen geladen / vnd zu den andern Cörpern / an die Burg führen lassen.

Ihre Fürstlich Durchl. Hertzog Bernhard zu Sachsen / etc. seynd gestern vnverzüglich gegen Eger vnd auf Böhmen gangen / vnd allbereit bey Eger 200. Crabaten niderhauen lassen / viel gefangen / auch in 600. Pferd erobert / vnd wo müglich denselben anzufallen / vnd die Troppen so gut Friedländtsch auff die Schwedische Seiten zu bringen / weil die Kays. in grosser Confusion.

Hertzog Julius von Sassen Lawenburg / etc. ist eben damals bey den Friedländischen Troppen gewesen / sonsten er ohne zweiffel auch mit hette herhalten müssen. Es solle nun eine grosse Alteration vnter dem Volck seyn / dann die einen sich Kayserisch die andern aber Friedländisch sich erklären / ist zu erachten daß viel 1000. Friedländische Favoriten seyn / welche diese an jhren General verübte Mordthat zu rächnen gedencken.

Pilsen ist noch mit Friedländischen Volck besetzt / Wann Ihre Fürstliche Durchleucht, diesen Paß bekommen / so ist viel genommen / dieweil Friedland alle Ammunütion / Artillerey / vnd einen grossen Schatz dahin bringen lassen.