Mosenthin’s Riesenkorn

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Mosenthin’s Riesenkorn
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 25, S. 268-270
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[268]

Mosenthin’s Riesenkorn.

Einer der rationellen Grundsätze der Landwirthschaft ist der, daß sowohl zur Verbesserung der verschiedenen Getreidearten als zur Erhaltung derselben in einem allgemein guten Culturzustande, ein Wechsel der Arten unbedingt nothwendig ist, und in Anwendung dieses Grundsatzes hat man daher schon seit geraumer Zeit das zur Aussaat bestimmte Getreide bald aus näher, bald aus ferner gelegenen Gegenden bezogen, und dadurch im Allgemeinen einen für die Landwirthschaft sehr nützlichen Tausch der Arten herbeigeführt.

In diesem Augenblicke taucht jedoch eine ganz neue Sorte Roggen auf, über deren ursprüngliche Heimath die nähern Nachrichten noch fehlen, die wir aber gewissermaßen schon als bei uns heimisch bezeichnen können, da eine dreijährige Cultur in hiesiger Feldmark die günstigsten Resultate ergeben hat. Mosenthin’s Riesenkorn, so genannt nach seinem Erbauer Mosenthin in Eutritzsch bei Leipzig, zeichnet sich vor unsern heimischen Getreidesorten vor Allem durch die größere Ertragsfähigkeit und durch die Größe und Klarheit (fast Durchsichtigkeit) der Körner aus. Die beigegebene Abbildung stellt das Riesenkorn in natürlicher Größe vor:

a, eine ganze Aehre. b, der Theil des Halmes unmittelbar unter der Aehre. c, der darauf folgende Theil des Halmes mit Blatt. d, ein unterer Theil des Halmes mit Schrägschnitt. e, eine Abtheilung der Aehre (allemal drei Körner tragend). f, der Same mit Ansicht des Nabels oder Anheftungspunctes. g, der Same mit Ansicht der Furche. h, der Same im Durchschnitt.

Das Riesenkorn hat, im Unterschied von unserm Getreide, breitere und längere Blätter von tiefdunkelgrüner Färbung. Der Halm (aus einem Korne entwickeln

[269]
Die Gartenlaube (1853) b 269.jpg

Mosenthin’s Riesenkorn.

[270] sich deren 5–12, (ja man hat sogar schon 20 gezählt) wird nahe an sechs Fuß hoch, ist aber nicht ganz hohl, sondern markig, und liefert ein schönes gelbes Stroh, welches, wenig stärker als das gewöhnliche, zu landwirthschaftlichem Gebrauche sich seines Markes wegen besonders gut eignen dürfte.

Die Aehre wird mit den Grannen bis zu 13 Zoll lang, ohne dieselben 8 bis 9 Zoll. Die Blüthe, von Außen fast unbemerkbar, so daß sie vom Regen weniger leidet, tritt vierzehn Tage später ein als beim hier gebauten Roggen, wessenungeachtet aber der Same beider zu gleicher Zeit reift. Der Same ist 1/2 Zoll lang und, bei der Stärke von reichlich 1/8 Zoll, sehr klar, fast durchsichtig.

Die Ertragfähigkeit des Riesenkorns läßt sich am deutlichsten aus folgenden Angaben ersehen: Am ersten October 1850 wurde von Herrn Mosenthin in Eutritzsch das einzig vorhandene Samenkorn in’s freie Land gelegt. Es entwickelten sich aus demselben zwölf Halme, welche zusammen 409 Körner als erste Ernte ergaben. Von diesen wurden 1851 am zweiten October 370 Körner, wegen der vielen entstehenden Halme 3 Zoll von einander entfernt, gelegt, und, obgleich die Schnecken im Frühjahre 1852 einen Theil der Pflanzen vernichtet hatten, wurden gleichwohl noch 8 Pfund Samen (auf ein Pfund gehen 5000 Körner) gewonnen. Wenn auch weniger günstig im Ausfall als die erste Ernte, zeigt diese zweite doch immer noch eine hundertundzehnfache Vervielfältigung.

Da das Riesenkorn wegen der vielen aus einem einzigen Korne entstehenden Halme sehr dünn gesäet werden muß, so dürfte bei seinem reichen Ertrage der von einem Pfund gewonnene Same zur Bestellung eines sächsischen Ackers (gleich 21/6 Magdeburger Morgen) ausreichen. Uebrigens bemerken wir zum Schluß, daß das Riesenkorn nur Anspruch darauf macht, ein Wintergetreide sein zu wollen, wie es denn auch die bisherigen Erfahrungen die drei letzten Winter durch vollkommen kräftig aushaltend fanden.