Nachricht über den Brand von Altona 1713

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Titel: Gründliche und zuverläßige Nachricht/ Dessen/ Was sich vom 7ten bis auf den 9ten Januarii Anno 1713. Zwischen Dem Schwedischen General en Chef, Herrn Graff Magnus Stenbock/ Und denen Deputirten der Stadt Altona/ Vor dero Verbrennung begeben/ : Auf vieler Verlangen und inständiges Anhalten/ unpartheyisch ans Licht gegeben
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Entstehungsdatum: ca. 1714 (undatierter Nachdruck eines 1713 erschienen Drucks)
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Drucker: Heinrich Christian Hülle
Erscheinungsort: Altona
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Quelle: Exemplar Ex Bibliotheca Gymnasii Altonani, Scans auf Commons
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[1]
Gründliche und zuverläßige
Nachricht /
Dessen /
Was sich vom 7ten bis den 9den Januarii,
Anno 1713.


Zwischen


Dem Schwedischen General en Chef,


Hn. Graf Magnus Stenbock /


Und denen
Deputirten der Stadt Altona /
Vor
dero Verbrennung
begeben /


Auf vieler Verlangen und inständiges Anhalten / unpartheyisch ans Licht gegeben.

ALTONA /
Gedruckt / bey Heinrich Christian Hülle / Königl. privil. Buchdr.

[2] Anno 1713. den 7 Januarii, Abends um 9 Uhr / arrivirte zu Altona der Hr. Obrister Bassevvitz, nebst einer Escorte von etlichen Dragons, und logirte sich in der Wittwen Klünders Hause an der Elbe. Gegen 11 Uhr gingen auf Begehren / die an der Schwedischen Generalitè bereits 4 Tage vorhero vom Præsident, Bürgermeister und Raht der Stadt dazu ersuchte vier Deputirte / als der Herr Sass, Pastor an der Lutherischen Kirche / der Stadt-Secretarius Klüver, nebst zweyen Bürgern Quantz und Flügge, den Obristen Bassevvitz zu sprechen; Er begegnete selbigen höflich / sagte aber dabey / sie müsten auf eine grosse Brandtschatzung bedacht seyn; denn es würde der General en Chef, Graf Stenbock, des folgenden Morgens selbst kommen / und müste man suchen denselben durch eine ziemliche Summe zu gewinnen / weil die Stadt Altona vor allen Holsteinischen Städten bey der Generalité sehr übel angeschrieben / dazu von einigen auf die gäntzliche Einäscherung derselben gedrungen würde / welches er sehr hoch betheurete: Er indessen versprach in allem / so viel möglich / der Stadt Bestes zu suchen / worauf Deputirte ihren Abschied nahmen.

Selbige Mitternacht rückten daselbst noch ein etliche 100 Mann Dragons, unter Commando des Obristen Strömfelds, setzten sich sämmtlich vorm Raht-Hause / um halb 2 Uhr kam dessen Major, nebst 2 Gemeine mit Ober- und Unter-Gewehr / in Flüggen Haus / durchsuchten mit blossen Degen in der Hand alle Zimmer vom untersten Keller an / bis zum obersten des Dachs. Der Major forderte Fourage an Haber und Heu auf acht hundert Pferde / imgleichen Bier / Branntwein / Brodt und Einquartirungs-Billeten auf eben so viel Mannschafft / wie auch acht hundert Reichsthaler für seinen Obristen / item, nach Proportion für seine Person / widrigenfals wolte er denen Gemeinen Freyheit geben / sich selbsten zu logiren / und die Häuser zu spoliren / es müste aber solches alles innerhalb 3. Stunden fertig seyn. Flügge ward gezwungen zwischen 2. Dragons auszugehen / um Bier zu schaffen / und obwol er sich entschuldigte / daß solches seine Affaires nicht wären / sondern des Magistrats, muste ers dennoch thun. Der Major replicirte / Flügge solte den Magistrat in sein Haus eyligst vor ihn stellen / desgleichen alle Becker / Brauer / Branntwein-Brenner / Fuhrleute / und insonderheit solten die Gelder bey der Hand seyn. Flügge muste / wie gedacht / zum Haus hinaus / um Bier zu liefern.

Er ging darauf mit denen beyden Dragons nach des Brauers Behnen Haus / und bekam allda vier halbe Tonnen Bier / welche Behn sogleich vor das Raht-Haus [3] bringen ließ; Brodt aber konte Flügge nicht schaffen / weil ihm die Becker unbekannt waren. Doch wolte sich der Major damit nicht begnügen lassen / sondern foderte den Lieutenant Klug, welcher / nebst den 2 Dragons, den Flüggen noch weiter treiben solten / Heu und Haber anzuschaffen / auch die Billette zu liefern; Es wuste aber Flügge zu dem Heu und Haber keinen Raht / und wegen die Billette[WS 1] ging er zu dem Stadt-Secretario Klüvern, wie auch zu dem Bürger-Capitan Nickelmann, welche beyde sich nach dem Hamburger-Berge retiriret hatten / gleich wie der mehrerste Theil der Magistrats-Personen sich ausser der Stand befand. Als nun Flügge zu sie hinaus kam / eröffnete er ihnen / da sie beyde auf ihren Betten lagen / sein Begehr / und foderte die Billette, sie wiesen ihn aber an einen andern / bey dem auch nichts zu thun war; Endlich brachte man ihn / nemlich Flüggen, um etwas zu ruhen / wieder nach seiner Behausung.

Den 8ten Januarii, Morgens um 7 Uhr / kam der Lieutenant Klug, von seinem Major, Flüggen fragend und anstrengend: Ob die geforderten Gelder noch nicht parat wären? Sie müsten gleich da seyn / und er solte sofort mit ihm nach den Obristen Strömfeld gehen. Flügge war darin willig / und wie er zu dem Obristen kam / wurde von dem Major nochmahls um das Geld angehalten / mit dem Andeuten / daß solches innerhalb 2 Stunden ohnfehlbar bey der Hand seyn müste. Hierauf ging Flügge so lange in ein ander Haus / bis der General en Chef, Hr. Graf Magnus Stenbock,, um 8 Uhr selber kam / welchen der Pastor Sass, weil er eben des Orts war / bey Stillhaltung und langsamer Fortrückung der Gutschen / in der langen Strasse / dieses Inhalts anredete: Es hätte GOtt dem Allmächtigen gefallen / Ihr. Excellence Waffen auch bereits / wider alles Vermuhten / bis an Altona gelangen zu lassen; Ob man nun wol wüste / was Kriegs-Manier mit sich brächte / so lebte doch die gantze Stadt der guten Hoffnung / daß ihnen Ihr. Excellence den vorm Jahr erlittenen kläglichen Brannt / die scharffe Einsperrungen von der Stadt Hamburg / u. s. w. würden zu Hertzen gehen lassen / und also denen Einwohnern und ihren späten Nachkommen Gelegenheit geben / mehr dero Clemence zu preisen / als Ihr. Strenge zu beklagen; Immittelst würde die Stadt Ihr. Excellence Befehl erwarten / und nach allem Vermögen dahin sehen / völligen Gehorsam zu leisten. Worauf der Herr Graf nach dem Königl. Magazyn, Saltz-Factoreyen, wie viel Brodt bereits gebacken / u. s. w. fragte / auf welches ihme der Pastor Sass weil ihm wenig davon wissend / zur Genüge nicht antworten konte. Inzwischen kam er zu des Obristen Bassevvitz Quartier an der Elbe / und weil derselbe der Zeit nicht zugegen war / sondern aus einem andern Hause gegangen kam / so recommendirte im Vorbeygehen der Pastor Sass, abermahl die Wohlfahrt der Stadt Altona. Es dauerte auch nicht lange / so kam der Obriste Bassevvitz von dem Hn. Grafen zu ihm / mit nochmahliger Anzeige / man müste / so bald möglich / eine gute Summe herbey bringen / da dann der Pastor replicirte / daß Deputirte [4] nicht ermangeln würden / ihr Bestes zu thun / wenn sie nur die Foderung wüsten. Worauf dem Pastori auf sein Bitten erlaubet ward / zur Kirchen zu gehen / da dann zugleich der Hr. Graf mit noch einem Herrn / welcher der Herr Bannier soll gewesen seyn / nach dem Marckt ging / auf welchem Wege sie fragten: Wie viel Altona im letzten Kriege Brandtschatzung gegeben? Welches Pastor Sass mit seiner Unwissenheit beantwortete. Nach geendigter Beht-Stunde / um 10 Uhr / verfügten sich auf Ordre die Deputirte in Jacobsen Haus / gegen der Reformirten Kirche zu dem General en Chef, Hn. Graf Magnus Stenbock, welcher ihnen / nachdem er wieder nach dem Brodt- und Korn-Magazyn, imgleichen nach dem Præsidenten, dessen Nahmen und Alter gefraget/ folgendergestalt zusprach: Es wäre ihnen wissend / daß / wenn grosse Herren sich rauffeten / die Unterthanen die Haare dazu hergeben müsten; Nun könte ihnen nicht verborgen / sondern das Echo müste auch bey ihnen davon erschollen seyn / was von denen Feinden Sr. Königl. Majest. von Schweden verübet worden / welches alles zu vergelten / er gleichfals die härteste Repressalien, und zwar an Altona, gebrauchen wolte / es wäre denn / daß man ihm vollenkommen vergnügte. Worauf die Deputirte nach Anflehung seiner Gnade / und Offerirung gäntzlichen Gehorsams / abtreten / und sämmtlich nach des Syndici Oldenburgs Haus in Arrest gehen musten / da sie dann von einem Capitain verwahret wurden / bis sie sich zur Branntschatzung erklähreten. Der Obriste Bassewitz kam indessen zu sie / mit ihnen darüber zu handeln / sie offerirten ihm Anfangs bis 24000 Reichsthaler / es wolte aber nicht zureichen / bis sie an 36000 Reichsthaler kämen / worüber sie doch keine veste Resolution erhalten konten. Immittelst verlangte der Herr Graf zu speisen / und weil Flügge auf Ordre / einige Anstalt dazu machen solte / ward ihm erlaubet / nach seinem Hause zu gehen / um solches zu ordonniren / doch unter der Aufsicht des vorgedachten Capitains; wurde also dem Herrn Grafen einiges Essen nach seinem Quartier gebracht. Währender Mahlzeit um halb 1 Uhr Mittags / kam ein Hamburger Offiicier mit einem Dragon, meldend / daß das Damm-Tohr offen / um den Hrn. Grafen in Hamburg einzulassen; Darauf erhub sich der Hr. Graf sogleich nebst dem Obrist Bassewitz und andern / nacher Hamburg; und obschon Anfangs bewilliget worden / 2000 Reichsthaler für die Gemeine sofort aus Hamburg / durch einen von denen Deputirten / abzuholen / wurde doch keiner mit hinein genommen / sondern sie musten sämmtlich in Arrest verbleiben. Abends gegen 5 Uhr kam der Herr Graf mit der bey sich habenden Suite aus Hamburg zurück / delogirte die Deputirte aus des Syndici nach Flüggen Haus mit dem Capitain zu ihrer Verwahrung. Der Obriste Bassewitz / von welchem der einigermassen getroffene Accord von 36000 Reichsthaler schrifftlich gefodert ward / gab zur Antwort / der Herr Graf hätte noch nicht vestiglich sich darauf erklähret / es würde aber wol angehen. Um 7 Uhr Abends kam der Obriste Bassewitz wieder nach Flüggen Haus / sagend / die [5] Branntschatzung müste verhöhet werden / der Hr. Generalen Chef stünde auf hunderttausend Reichsthaler / und ohne Verhöhung der 36000 Thaler würde man nicht abkommen. Es ward dagegen die Nohtdurfft eingewandt / man möchte die Stadt nicht höher treiben / Altona hätte innerhab 2 Jahren grossen Schaden durch Brannt / Versperrung der Hamburgischen Thore / u s.w. gehabt. Nicht lange darnach wurden die Deputirte in des Syndici Haus vor den Hn. Grafen gestellet / welcher auf die gebotene Summe mit diesen Worten sich vernehmen ließ: Meynet ihr / daß ich um eure mir angebotene 36000 Reichsthaler meinem Könige wil zwo Millionen Schaden thun? Er führete ihnen auch nochmahls die harte Kriegs-Manier zu Gemühte / und sagte dabey: Ehe das vor ihm stehende Licht abgeputzet würde / solten ihm 100000 Reichsthaler baar gegeben werden / sonsten wolte er die Klocken läuten / seine Trompeten blasen / und die Paucken schlagen lassen / und wann man selbiges hörete / möchte sich ein jeder in Acht nehmen: Man könte also nach Hause gehen / Weib und Kinder / samt andern Sachen / retten / und wann das Feuer anginge / von den Strassen bleiben / damit keiner erschossen oder erstochen würde. Worauf die Deputirte abermahls mit vielen beweglichen Umständen um Verschonung bittlich anhielten / sonderlich Pastor Sass, auf den Knien / um JESU Wunden willen; Welcher aber (weil der Herr Graf vom Stuhl aufsprang / sagende: Die Moscowiter würden um JEsu Wunden willen nicht geschonet haben) von einem Officier aufgehaben ward. Unter andern beriffen sich die Deputirte auf des Hn. Grafen Manifest, datiret bey der Herren Fähre / ohnweit Lübeck / den 30sten Decembr. 1712. und daß sie dasselbe so sicher gemacht / nicht nur für ihre Personen zu bleiben / sondern auch das Ihrige geruhig stehen zu lassen / welches sie nun so betrübter Weise verliehren solten. Worauf der Hr. Graf zur Antwort gab: Daß Manifest ginge Altona nichts an / blieb dabey unbeweglich / und sagte endlich: Ich wasche mit Pilato meine Hände / und lasse meine Ordre ergehen / setze mich sogleich in meinen Wagen / und fahre von hier. Und ob schon wieder inständig gebehten wurde / der Hr. Graf möchte der Stadt schonen / es wolte dieselbe geben was möglich wäre / wann es nur mit der Zahlung so lange Zeit hätte / daß die Altonaer jemand in Hamburg schicken könten; So halff doch alles nichts / daß man endlich genöhtiget ward / sich zu retiriren / welches dann auch viele thaten Clüver und Flügge gingen darauf aus Altona weg / stunden wenig Zeit auf den Hamburger-Berg / um zu sehen / wo der Anfang des Brennens geschehen würde. Bald nach diesem kam der Obriste Bassevvitz wieder nach Flüggen Haus / klopffte daselbst an / und da er niemand fand / fragte er die Nachbahren wo er wäre / man solte ihn suchen / daß er bey den Hn. General käme / es könte noch gute werden. Rörs ein Bürger aus Altona, lief sofort nach dem Hamburger-Berge / suchte Flüggen auf / vermeldete ihm / was geschehen / und bat wieder nach Altona zu kehren / und die Stadt zu retten. Flügge kehrete hierauf zurück / und holete den Obrist Bassevvitz bey der Reformirten [6] Kirchen noch ein / gieng mit demselben zu dem Hn. Grafen / und als er dahin kam / wurde ihm befohlen / zu besorgen / daß die übrigen Deputirte sich sämmtlich wieder bey dem Hrn. Grafen einfinden möchten. Flügge schickte Rörsen nach Clüvern auf dem Hamburger-Berg / nach dem Pastor Sass ging er selbst / dieser begegnete ihm auch / nachdem ihn der Hadenfeldtschen Schwieger-Sohn bereits aus seinem Hause abgeholet hatte / vor Slüters Wohnung / gegen dem Raht-Hause über / ging mit demselben nach des Hn. Grafen Quartier, Quantz und Clüver kamen auch dahin / und wie sie nun also bey einander waren / kam der Obriste Bassewitz heraus / und sagte: Altona müste 50000 Reichsthaler geben / oder die Stadt solte verbrannt werden. Deputirte stelleten zwar Anfangs die Unmöglichkeit vor / doch ward endlich dazu resolviret / mit dem Bedinge / daß man gegen den Mittag des folgenden Tages um 12 Uhr / entweder das Geld contant, oder sattsame Caution aus Hamburg bringen wolte. Der Obriste Bassevvitz ging dem Hn. Grafen solches zu berichten / brachte aber zur Antwort eine Original-schrifftliche Resolution, datiret Pinnenberg / den 8ten Januar. 1713. Dabey sagende / man solte sie lesen. Flügge nahm solche um zu lesen; Der Obrist Bassevvitz aber zog sie wieder zurück / foderte ein Licht / und las sie selbst überlaut / in Gegenwart vieler Menschen / folgenden Inhalts:


Ihr. Kön. Maj. meines allergnädigsten Königs verordneter Raht und commandirender General en Chef, Graf Magn. Stenbock.

Thue kund / daß / nachdem meines allergnädigsten Königs Feinde kein Bedencken getragen haben / hochgenannter Ihro Königl. Majestät Stadt Stade / im Hertzogthum und Stifft Bremen / gantz grausahmer Weise zu verbrennen und in die Asche zu bringen / man nicht hat umhin gekont / dagegen Repressalien zu gebrauchen / und die feindliche Stadt Altona ebenwol durch Feuer und Flamme zu verstöhren. Solte man aber vermercken / daß die Feinde / wer sie auch wären / auch einige Verheerung durch Feuer und Schwerdt in unsers allergnädigsten Königs Ländern vornehmen solten / so declarire ich dagegen in höchst-genannter Ihro Königl. Majest. Nahmen / daß ich nicht unterlassen werde / nach allen üblichen Kriegs-Gebrauch in der dem Feinde zugehörigen Königl. Province Holstein und Ländern ein gleiches zu thun / und vollenkommene Repressalien zu gebrauchen / gleich wie bereits der Anfang in Altona zu geschehen anbefohlen. Datum Pinnenberg /den 8ten Januarii 1713.

(L.S.)
M. Stenbock.

[7] Nach Endigung dessen / übberreichte er sothane Schrifft an Flüggen, immittelst ward immer mit Flehen angehalten / der Stadt zu verschonen / und die gefoderte Summe Geldes zu acceptiren: Deputirte offerirten auch zur Sicherheit / daß die Gelder ohnfehlbahr erfolgen solten / ihre eigene Personen und Leben; welches der Obrist Bassewitz dem Hn. Grafen berichtete. Er kam aber wieder heraus / und führete Flüggen bey der Hand zum Hn. Grafen hinein / welcher Flüggen anredete: Ob er die schriftliche Ordre gelesen? Darauf dieser mit Ja antwortete. Der Hr. Graf fragte weiter: Was er verliehren wolte / wenn die Zahlung der 50000 Reichsthaler nicht erfolgte; Er sagte sein Leben / und man möchte ihm den Kopff vor die Füsse legen. Dagegen versetzte der Hr. Graf: Mein Sohn / mit eurem Kopff ist mir nichts gedienet; solte aber dieser Mann (welcher der Hr. Liebert Wolters aus Hamburg war) wol für euch caviren wollen? Flügge[WS 2] sagte / daß er solches dem Mann nicht anmuhten könte; Denn er befände nicht / daß er solches bey ihm meretiret hätte; Zudem concernirte diese Affaire eine gantze Stadt. Und wie Flügge also seine Antwort gethan / muste er seinen Abtritt nehmen. Kurtz hernach kam der Obriste Bassewitz nebst andern heraus / und ob schon ihm zur Gnüge bekannt war / daß dasjenige / was Deputirte nomine der Stadt thäten / so gut seyn würde / als ob es die gantze Bürgerschafft selbst zugegen / gethan hätte / wurde doch gefragt: Ob Deputirte mit der Generalité zu accordiren / bevollmächtiget wären. Der Secretarius Klüver antwortete hierauf / Ja! Ging darauf sammt Flüggen zu dem Hn. Grafen hinein / und überreichte ihm die schrifftliche Vollmacht; Es ward aber sowol dieser Klüver als Flügge mit Schelt- und Dräu-Worten von dem Hn. Grafen dermassen hart angegriffen / daß sie wünscheten erlassen zu seyn. Der Hr. Graf sagte auch zu einem der Umstehenden: Herr Obrister! vollziehe er meine Ordre: Und da diese beyde nach solchen Passagen mit einer submissen Reverence ihren Abschied nahmen / in Meynung / es würde ein jeder die Freyheit haben / sich zu den Seinigen zu begeben / so folgete ihnen der Obriste Bassevvitz auf dem Fusse nach / verkündigte denen 4. Deputirten insgesammt / wie sie arrestiret wären / und mit nach dem Haupt-Quartier gen Pinnenberg marchiren solten. Er überlieferte sie auch / allen Flehens und Bittens ungeachtet / dergestalt an einen Unter-Officier und 4. Dragons, daß sie / die gedachte Deputirte / solche ihnen zustossende Avanture denen Ihrigen nicht einmahl zu wissen thun konten. Man beorderte zu denen 4. Dragons noch 50 andere / und diese alle brachten die Deputirte als Kriegs-Gefangene / zu Fuß hinaus vor die Stadt in das freye Feld / damit sie den Greuel der Verwüstung / so über der Stadt Altona mit Feuer und Brandt zu verüben / beschlossen war/ desto schmertzlicher wahrnehmen möchten. Der Brandt fing an des Nachts um 12 Uhr / und bis die Glocke 3 des Morgens / musten die Deputirte allda in der grimmigen Kälte Fuß halten / das jämmerliche Spectacul anzusehen.[WS 3] Nach solcher Zeit brachte man einen Wagen mit Wein / den der Feind aus des Quantzens Keller erbeutet hatte / beladen [8] herbey / darauf musten die Deputirte sich setzen / und also unter Escorte der vorbemeldten Dragons nach Rellingen fahren; Von wannen führte man sie zu Fuß nach Pinnenberg / begleitet von einem Corporal und etlichen Gemeinen.

Selbigen Tages / nemlich den 9ten des Morgens um 9 Uhr / brachte daselbst der Hr. General-Adjutant, welcher ein gar bescheidener Cavalier, die Deputirte in des Herrn Grafen Quartier, allwo sich auch befand der Obriste Bassevvitz; Diesem recommendirten sich besagte Deputirte, daß er / in Ansehung ihres ohnedem erbärmlichen Zustandes / da sie durch den Brand um das Ihrige gekommen waren / die Güte haben möchte / bey dem Herrn Grafen ihre Befreyung zu befodern. Der General-Adjutant, dessen itzt gedacht / ging bey Eintretung in des Hrn. Grafen Quartier, sofort nach dessen Gemach / kam aber bald wieder heraus / und verfügte/ daß Deputirte in ein Haus gebracht wurden / welches mit einer starcken und scharffen Wache / so aus Infanterie und lauter gebohrnen Schweden bestand / versehen war. Man stellete auch einen Musquetier mit einem blossen Bagnet, in der Stube vor die Thür; Doch daurete solcher Arrest nicht lange / gestalt der Obriste Bassevvitz, nach Verlauff etwa einer halben Stunde / denen Deputirten im Nahmen des Generals en Chef, Herrn Graf Stenbocks, ihre Erledigung verkündigte / mit Befehl / so bald möglich / sich zu entfernen. Der Obriste Bassevvitz führte zum Beschluß die Deputirte in sein Logis, und erquickte sie mit etwas Brantewein und einem Stücklein Rocken-Brods / gab ihnen auch / zur Sicherheit / einen Paß / und dazu seinen Reit-Knecht mit / der sie so weit begleiten solte / als es die Deputirte verlangen würden. Ubrigens baht der Obriste Bassevvitz, Deputirte möchten seine gute Freunde verbleiben. Diese hingegen nahmen ihren Abschied / bedanckten sich vor den guten Willen des Hrn. Obristen / und begaben sich zu Fusse auf den Weg.

Gegen den Abend arrivirten sie matt und müde in dem kläglichen Altona, da das Sengen und Brennen noch kein Ende hatte / sondern ein Haus nach dem andern in der Flammen aufgehen sahen. Hat also diese unter Christen / und zwar von einerley Glaubens-Genossen / noch nie erhört geschehene grausame Verbrennung / 24 Stunden gedauret / und solchergestalt gantz Altona von Haus zu Haus / ohne die Kirche und einige wenige geringe Wohnungen / in die Asche geleget.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Korrigiert. Im Original Biliette
  2. Im Original steht Fiügge.
  3. Punkt nachgetragen.