Newe-Zeitung / Von Häxenmeisteren und Zauberern

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Autor: unbekannt
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Titel: Ein erschröckliche jedoch warhafftige vnd erbärmliche Newe-Zeitung / Von Häxenmeisteren vnd Zaubberern […]
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Erscheinungsdatum: ca. 1666
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Drucker: Christoff Schmid
Erscheinungsort: Ausgburg
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Quelle: im VD17 unter der Nummer 1:693643U und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Siehe auch Hexenwesen und Hexenprozesse
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[1]

Ein erschröckliche jedoch war-
hafftige vnd erbärmliche
Newe-Zeitung /
Von Häxenmeisteren vnd Zau-
berern / von welchen so vil zarte Jugend
durch deß leydigen Teüffels Betrüg seynd ver-
führt worden / auch wie solches an tag kommen / dar-
von zwar etliche erlößt worden / theils aber bey 42.
vom Leben zum Todt erbärmlich seynd hin-
gerichtet worden.
Geschehen zu Reüdlingen im Hertzogthumb Wir-
tenberg zu End deß 1665. vnd Anfangs diß
1666. Jahrs.
Im Thon: Wie man den Sündfluß singt.
Sampt einem schönen newen
Lied / genant das geistliche
A. B. C.
Im Thon:
Kompt her zu mir spricht Gottes Sohn / etc.
Jacob am 4. Cap. v. 7.
So seyt nun Gott vnderthänig / vnd widerstehet dem
Teüffel / so wird er von euch fliehen.


Erstlich gedruckt zu Augspurg bey Christoff Schmid /
1666.



[2]

1.

KOm her Mentsch laß dir sagen / schröckliche Wundergschicht / darvon vor wenig Tagen / mit Trauren wurd bericht / mit Kummer vnd mit Schmertzen / gar mancher Bidermann / mein Christ führs wol zu Hertzen / dann ich treib gar kein Schärtzen / drumb merckend Fraw vnd Mann.

2. Ein Statt die ist gelegen / im Wirtenberger-Land / darvon ich euch will sagen / ist Reüdlingen genant / ein Mann da ward einzogen / wegen der Zauberey / vnd anderen Teüffels-Künsten / die er lang triben sonsten / wurd an die Marter bracht.

3. Darumb wolt er nichts geben / von jhm man nichts vernam / der Böß zu jhm thät sagen / dein Kind gib mir zu Lohn / dann ich bin bey dir gewesen / dort in der Marter groß / er sprach ja z’Nacht solst kommen / gschwind hat dFraw jhr Kind gnommen / in JEsu Christe Namm.

4. Jörg Balle war sein Nammen / ein Rumor er anfieng / auffs new wurd er gefangen / der Jammer da angieng / sagt er sey nicht alleine / mit Zauberey behafft / sie werden noch vil finden / Weib / Mann vnnd kleine Kinder / die all dem Bösen verpflicht.

[3] 5. Der Ergst ward auch einzogen / Jost Nabel bekent doch nichts / ein Hembd man jhm anzogen / so auff ein Stund zugricht / gesponnen vnd gewäben / darauff bekant er frey / vber fünffzig Mägdlein vnd Knaben / die Künst von jhm glehrt haben / durch Teüffels Hilff vnd List.

6. Die Kind so er kont nennen / hat man all gschriben auff / vnd solche lassen kommen / fast alle auffs Rahthauß / darunder hat man gsehen / etlich gar junge Kind / die hat man thün probieren / mit Silber / Gold / Oepffel vnd Biren / welches jhn lieber sey.

7. Den Kindern gab man die Wahle / sie solten nemmen fein / Duccaten / Silberkronen / oder kleine Mässerlein / die Kinder thäten langen / eins nach eim Oepffel schön / daß ander ein Messer eben / sdritt Nuß vnnd Biren wolt haben / für alles Gold vnd Gelt.

8. Dise thät man verschliessen / wol in ein Stuben groß / zu Gott solt Männiglich rüffen / war der Gelehrten Rath / daß sie der Herr erlöse / vons Teüffels Joch vnd Band / der wie ein Löw rumb streichet / biß er die Mentschen erschleichet / vnd endlich stürtzt zugrund.

9. Deren hat man etlich erhalten / durch Gottes Gnad vnd Krafft / die aber schon veraltet / legt man in Gfangenschafft / biß sVrthel war ergangen / [4] daß man sie mit dem Schwert / vom Leben zum Todt solt bringen / jhr Leib hernach verbrennen / nach Keyserlichem Recht.

10. Hört Wunder liebe Christen / ein Statt-Knecht gieng gar spat / ein grosser Herr solt schicken / sein Sohn vnd Tochter grad / der Herr sprach wart biß morgen / ich wills erfahren selbs / waß sie gelehrnet haben / wie ich vil ghört sagen / vnd wie es sey bewant.

11. Morgens weckt er den Knaben / sprach Michel schlaffest wol / wüntscht jhm ein güten Morgen / der Knab jhm dancket schon / er sprach ich hab vernommen / es seyen Leuth in eim Land / können Haasen vnnd Hirtzen machen / gantze gJägt vnnd andere Sachen / daß seynd wol gschickte Leüth.

12. Vatter das ist kein Kunste / ich kan das alles wol / führt jhn in die grosse Stuben / macht jhm ein Gjeg daher / von Hünd / Fuchs / Haasen / Hirtzen / auch ein Gestrüpp darzu / der Sohn darzu thät singen / dem Vatter möcht sHertz zerspringen / sprach mein Sohn es ist gnüg.

13. Der Vatter thäte gehen / zum anderen Kämmerlein / Anneli wilst auffstehen / gehn mit der Müetterlein / so thů dich gschwind anziehen / Vatter ich fertig bin / er sprach hast nichts vernommen / in ein Land seynd Leüth kommen / können vil schöner Künst.

[5] 14. Nämblich auß eim Tisch zäpffen / weissen vnd rothen Wein / die schönste Milch zu melcken / auß einem Zwähelein / wann wir nur das auch könten / es sprach das kan ich wol / er sprach so laß mich sehen / ein Melchteren thät da stehen / nun milck mir auch hierein.

15. Daß Mägdlein fieng an melcken / auß einem Tischtüch güt / biß vast voll war die Melchtern / vnd sprach habt jetz vergüt / sonst müeßt die Kuh verderben / der Herr sprach milck nur fort / bald schrauwe ein Burger mit Sorgen / mein beste Kuh ist verdorben / war erst frisch vnd gesund.

16. Der Herr sprach lieber Nachbaur / ich weiß wers hat gethan / gehe hin zu meiner Scheüren / da werden zehen stan / nimb welche dir geliebet / mein Tochter hats gethan / seine Kind thät er selbs führen / auffs Rathauß zu seinen Mit-Herren / sagt wies ergangen war.

17. Daß Vrthel war gefellet / vber den Meister gschwind / an ein Saul ward er bunden / sFewr vnder jhm anzündt / mit glüeenden heissen Zangen / zerriß man jhm sein Leib / verbrent zu Staub vnd Aschen / weil er so Gottsvergessen / verführt manchs Mütterkind.

18. Einen anderen lebendig / man ins Fewr gworffen hat / bey viertzig Söhn vnd Töchteren / gerichtet mit dem Schwert / mehrtheils hernach [6] verbrennet / weil sie so schröckenlich / Mentschen vnd Viech verderbet / durch Hagel vil verherzet / vnd sonst vil Böses gstifft.

19. Ihr frommen Mann vnd Weiber / laßt euch diß zHertzen gahn / thüt kein Gspött hierauß treiben / rüfft JEsum Christum an / der für vns ist gestorben / vergoß am Creütz sein Blüt / daß Er vns wöll erlösen / vom Teüffel vnd allem Bösen / Amen das werde war.


Geistliches A. B. C.
A.

ACH HErr du allerhöchster GOTT / sih an die kläglich grosse Noth / in gantzen teutschen Landen / solch Rauben / Brennen / Blüt vnnd Mord / von den Christen vor nie gehört / seit die Welt hat gestanden.

B.

Bey vns ist Jammer vnd grosse Noth / Sih du darein O trewer Gott / vnser Elend laß dich erbarmen. Sih du nicht an die grosse Sünd / damit wirs wol haben verdient / komm du vnd hilff vns Armen.

C.

Cläglich so ruffen wir dich an / viel grosser Sünd han wir gethan / geführt ein gottloß Leben / Dein heilig Wort so gar veracht / dasselbig nicht einmal betracht / O GOTT wollst vns vergeben.

D.

Die Warnung der Frommen Diener dein / haben wir [7] nur gehört allein / ken Buß hat man vernommen / Derwegen alle dise Plag / die wir jetzt sehen alle Tag / auff einem Hauffen kommen.

E.

Ehrgeiz der ist gesessen ein / ein jeder will der beste seyn / kein Maß will man nicht halten / Daher ein jeder dicht vnnd tracht / O hätt ich nur Weltlich Pracht / bey Jungen vnd bey Alten.

F.

Fluchen vnd Schwern nimbt überhand / man achtet gar kein Sünd noch Schand / niemand läst jhm solchs wehren / die Vnzucht ist so gar gemein / es wissens auch die Kinder klein / die Alten thun sies lehren.

G.

Güt vnd Gelt liebet alle Welt / nach solchen sie stets tracht vnd stellt / darnach steht jhr Verlangen. Es sey mit Fug / Glimpff oder Recht / Es gilt jhr alles gleich vnd schlecht / damit thut sie fast prangen.

H.

Hoffart hat noch nie güt gethan / schaw alle Reich auch Babylon / wo sind sie doch hinkommen? Also wirds gwiß vns auch ergehn / es will doch niemand Buße thun / das hab ich wol vernommen.

I.

Ich weiß es wol / du glaubst es nicht / heiß mich ein Thorn / wenns nicht geschicht / allweg hat mans gesehen / Wenn man Göttlich Warnung veracht / kein Wunderzeichen will nemmen in Acht / Pharao ists auch geschehen.

K.

Krieg vnd Blut ist auch vor der Thüer / Hunger vnnd Thewrung ruckt auch herfür / Pestilentz thut herschweben / [8] daß macht allein die grosse Sünd / damit wirs wol haben verdient / auch vnser Gottloß Leben.

L.

Last vns bessern / ist grosse Zeit / die Art schon an dem Baume leit / drey Ruten sind vorhanden / Krieg / Pestilentz vnd auch Thewrung / sind das nicht Straff vnd Plagen gnůg / in vnsern Teutschen Landen.

M.

Man glaubt auch nicht / nur alls veracht / vergangne Straff man nicht betracht / ist hin / ist schon vergessen / O du Gottloses Sodome / es ist dir nicht zu rahten mehr / das kan ich wol ermessen.

N.

Ninive die sehr grosse Statt / von Warnung sich bekehret hat / bessert ihr gottloß Leben / wie lang haben wir nun gehört / die Warnung Gottes heiligs Wort / vns zu keiner Buß begeben.

O.

O GOtt / wie sind wir also blind / erbarm dich doch der kleinen Kind / dein Gnad thu vns beweisen / von vns wend dein gerechten Zorn / wir sind sonst gantz vnd gar verlorn / ewig wollen wir dich preisen.

E N D E.