Noch einen letzten Traum

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Textdaten
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Autor: Karl G. Schaller
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Titel: Noch einen letzten Traum
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 540
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Noch einen letzten Traum.


Noch einen letzten Traum verleihe mir,
Wenn du mir nahen wirst, o Todes-Engel,
Und deine Fackel senkest, um mich mild
Hinweg zu führen aus dem engen Leben!
Noch einen letzten Traum! O spieg’le mir
Das Glück der Jugend wieder, wo als Knabe
Ich einsam, sinnend strich durch Wald und Flur,
Aus Baum und Blüthe, Berg und Thal und Fels.
Aus Bach und Quelle sog die ersten Klänge
Der Poesie, der hehren, göttlichen,
Wo die poet’schen Regungen ich nährte
Am Busen des nun schon verblichenen
Einst hochbegabten, lieben, einz’gen Freundes.
Gieb mir im Traum das reine Glück der Liebe,
Gieb mir zurück die engelgute Gattin,
Die gleichgesinnte, unvergeßliche,
Die du mir nahmst vom liebewarmen Herzen:
O laß’, ich bitte, ihren seelenvollen,
Ergreifenden Gesang mich wieder hören.
Und mit dem letzten Ton, dem letzten Traum,
Im Widerschein des früh’ren höchsten Glücks
Auf Erden mag verglimmen deine Fackel.
Von seiner Hülle löse meinen Geist;
In Freiheit führe ihn hinauf, hinauf,
Hinauf dem ew’gen Geister-Aether zu,
Wo Freund und Gattin längst schon meiner harren!

Karl G. Schaller.