Orffyraeus an Christian Wolff 11. Mai 1723

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Textdaten
Autor: Johann Ernst Elias Bessler („Orffyreus“)
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Titel: Brief an Christian Wolff
Untertitel:
aus: Briefe von Christian Wolff aus den Jahren 1719–1753, Nr. 145, S. 228–231
Herausgeber: Kaiserliche Akademie der Wissenschaften St. Petersburg
Auflage:
Entstehungsdatum: 11. Mai 1723
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Eggers et Comp., Leopold Voss
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Erscheinungsort: St. Petersburg, Leipzig
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[228]

No. 145

Brief von Orffyraeus an Chr. Wolff.




HochEdelgebohrner, Vest- und Hochgelahrter etc.

Insonders Hochgeehrtester Herr Hoff-Rath,

werthster Freundt und Gönner.

Ew. HochEdelgeb. geehrtes und ♁ abends den 18 dieses richtig wieder wol erhaltenes setzt mich in Verwunderung, dass, wie und wann meine Antwort an Sie sonst wohin etwa gelauffen, und verwechselt seyn solle, weszfalls auch um die Rücksendung derselben freundlichst bitte, um sehen zu mögen, wo doch die antwort hinkommen, und welcherley gattung Sie erhalten, kan wol seyn, maszen damahls 13. Briefe auf die Post zu beschleinigen hatte; wie wol mir ein solches miener Tage nicht passirt, zumahl in einer So wichtigen Sache. Was zu thun? Es kan meine Antwort auf Dero abermahliges Schreiben keine andere, als die vohrige seyn, sie seye nun jrre gelauffen, wohin es ist! Nehmlich, Ich habe Ew. HochEdelgeb. damahls repliciret:

1. Dass mein perpet. mob. annoch unverhandelt, Einem Kauffer zu Diensten stehet.
2. Dass mir angenehm, wenn Sr. Rusz. K. Maj. Solches erhandeln würde etc.
3. Angenehm! dasz Ew. HochEdelgeb. das Examen und Untersuchen übertragen ist etc.
4. Das pretium wäre nach dem alten gesetze überlaszen: 100000 Rthl. etc.
5. Ew. HochEdelgeb. gut gemeyntem Rathe zufolge, solte entlich auch ein gar ansehnliches herunter gehen, wenn es auch gleich ein 5, 6, 8 oder 10000 Rthl., also die Kauff-Summa blosz an die 90000 Rthl.
6. Würde diese Post (den Werth des Wercks entgegen gesetzt) geringe und wie ich und (sic) keinem klugen Manne zu viel seyn, etc.
[229] 7. unter der Condition aber möchte ein so ansehnliches herunter gehen: damit die Gelder nicht erst anderen Orths deponiret würden, sondern nur recta an den jenigen Orth geliefert, wo die Machine befindlich, examinirt, wahr befunden, erhandelt und übernommen wird; um allen etwanigen besorgligkeiten beyder theils vorzukommen und weitläufftigkeiten zu vermeyden, weil das wiedrige Schicksal bey 2 Jahren her mir solche Conditionen an Hand giebet, und hiervon nicht abgehen heisset und lehret vorsicht etc.
8. Müste vorher deszfalls vor allen Dingen ein richtiger Contract (wann man nur vorher des Handels eins) auch getroffen seyn.
9. Hätte auch dem Czaarischen Bibliothecario Hn Schuhmachern so münd- als Schrifftlich meine Meynung wegen eines andern Vorhabens bereits vor langer weile ertheilet. etc. etc. welches alles also pret. propt. der Inhalt meines Antworts-Schreibens gewesen, Solches auch vor zulänglich erachtet, bisz nur vorhero vernehme; ob Ihro K. Maj. sich zu denen 90000 Rthl. entschlieszen? worauff also bald der Contract getroffen, folglich eine tüchtige Machine zur examination, gel. Got, vorgestellet werden kan.

Weisz also voritzo nichts anders als dieses zu schreiben.

Sey die Sache, dasz auf mein Vorhaben reflectiret wird und Ihro Czaarische Maj. eine mehrere Sache vor ein viel geringeres zu erlangen sich aller gnädigst resolviren, wie denn solches mit wenigem noch anfüge: nehmlich ich bin in N. G. des Sinnes Einen groszen Tractatum machinarum, mit vielen 100 Machinen und Figuren aufzulegen und in meinem Hausze selbst zu drucken, worinnen man durch alle Classen mein Mob. perpet. entdecket findet, folglich, wer solchen Tractat erhält, und etwas dazu gegeben, derselbe sich hernach eine Machine und Invention nach Belieben auszsuchen und anbauen kan. Der Tractat kommt in Fol. in 2 Tom. soll in 2 Jahren gel. fertig seyn, von [230] der stunde an gerechnet, wenn solchen anfangen werde; Er wird sehr curieux und nützl. und der Welt angenehm seyn. Hätte viel davon zu melden, alleine in ermanglung der Zeit, so sage nur so viel unmaszgebliches: wenn Ihro Russische K. Maj. zu diesem Tractat ein 10000 Rthl. zum vorausz anjtzo erlegen wolten (welches meinen Verlag vermehret und befordert, und ich diese Stunde anfangen wolte) So solten Ihro Maj. binnen 2 Jahren eine zimml. Anzahl dieser Tractate haben und also das perp. mob. darinnen völlig durch alle wege entdeckt finden, also auch nicht das geringste mehr dazu contribuiren. etc.

NB. hinlängliche Versichrung solte schon geschehen.

Falls mir aber, ehe den Tractat auflege, Ein perpet. mob. abgehandelt würde, müste dennoch mein Vorhaben vor sich gehen und der Tract. verfertiget werden, nur diese Machine aber, welche mir abgehandelt wäre, würde man nicht in dem Tractat antreffen. Denn ich verstehe beym besonderen Handel Ein perpet. mob. und nicht alle! NB weil Ihrer gar viel und mancherley Gattung besitze, die auch unterschiedliche Principia haben; z. e. von Gewichten, Kugeln, Federn, innern Rädern, etc. etc. it. innerem Wasser, Oehl, Spiritus, ♉ und Winde per se beweget werden, welche Nachricht meines Erachtens nicht undienlich finde zum vorausz.

Ew. HochEdelgeb. werden nach Dero Erleuchtetem Gemüthe viel ein Mehreres ein sehen, weniger ich gemeldet. Bitte allen- und solchenfalls bey Ihro: Czaarischen und K. Maj. meine aller unterthänigste Dienste zu offeriren. Ew. HochEdelgeb. aber befehle in göttl. observanz unter der Versicherung allstets zu verharren

als ein Ergebenster und bey allen Begebenheiten freundwilligster und aufrichtigster auch erkäntlichster Diener
... Orffyreus.
Carlshaven an der Weser In höchster Eyl ♀ Nachts 11 Uhr den 21. May, als von [231] Ihro Hochfürstl. Durchl. M. G. F. und Hn mich nach Hausze begeben, weil Ihro Durchl. diesen Tag und Nacht unserm Orthe abermahl eine gnädigste und hohe visita gegeben. [11 May 1723].