Palmsonntags-Procession

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Textdaten
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Autor: Otto Beneke
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Titel: Palmsonntags-Procession
Untertitel:
aus: Hamburgische Geschichten und Sagen, S. 137–138
Herausgeber:
Auflage: 2. unveränderte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Perthes-Besser & Mauke
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Erscheinungsort: Hamburg
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Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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[137]
54. Palmsonntags-Procession.
(1445.)

Wie’s in katholischen Ländern Brauch ist, so wurde auch vor alten Zeiten in Hamburg am Palmsonntage von den „Papen und München“ eine feierliche Procession vorgenommen, wobei man unsers Heilandes Einzug in Jerusalem bildlich darzustellen pflegte. War auch viel Pomp, Narrheit und Schalkheit mit im Spiele, so hatten doch, zumal Anfangs, Viele ihre Andacht dabei. Weil’s sich nun wohl traf, daß der Gesell, welcher bei solchem geistlichen Schauspiel den Herrn Christum darzustellen hatte, ein loser Vogel und solcher Ehre unwürdig war, oder nachmals viel Gespött darüber entstand, so hielten es die Kirchenherren zu St. Jacobi für besser, hinfüro keinen lebenden Menschen dazu zu nehmen. Sondern sie ließen ein Heilands-Bild von Holz machen, größer denn ein Mensch, und ihm Antlitz und Hände wohl anstreichen, wozu sie dann die Gestalt bekleideten, wie man den Herrn Christum auf alten Schildereien bekleidet sieht; und diese Figur ritt auf einem großen Esel, auch von Holz und mit Eselsfell ganz natürlich beschlagen, mit starken eisernen Rullen unter den Füßen, also, daß man leichtlich das ganze Christus-Bild auf dem Esel umherziehen konnte.

Und am Palmsonntage des Jahres 1445 wurde es zuerst öffentlich in der Procession gebraucht, und wurde mit Fahnen und geschwungenen Räucherfäßchen, bei Chorgesang und Glockengeläute einmal rund um die Kirche gezogen, wobei unzählig viel Volk gegenwärtig war, das mit grünen Zweigen [138] den Zug geleitete, bis er wieder in die Kirche ging; daselbst wurde das Christus-Bild verwahrt bis zum nächsten Jahre.

Und seitdem hat das Bild, so lange das katholische Bekenntniß noch in Hamburg herrschte, alljährlich am Palmsonntage zu solcher Procession gedient, bis zur Reformation, da wurde es in die Garvekammer der St. Jacobi-Kirche gestellt, wo die Kirchen-Geräthe standen und die Meßgewänder hingen. Aber im Jahre 1530 kam einmal ein Volkshaufen herangestürmt, der holte das Bild heraus, und fuhr damit unter Jubelgeschrei auf und davon, und Niemand weiß, wohin es gekommen ist. Sie sagen aber, etliche wilde Gesellen hätten das Christus-Bild, wie den Esel, mit Aexten im Stücke gehauen und sodann verbrannt, was just nicht zu loben ist.

Anmerkungen

[380] Als geschichtlich von allen Hamb. Chroniken betrachtet.