Pessimistische Kardinalsätze

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Textdaten
Autor: Helene von Druskowitz
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Titel: Pessimistische Kardinalsätze
Untertitel: Ein Vademekum für die freiesten Geister

von Erna (Dr. Helene von Druskowitz).

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Entstehungsdatum: 1905
Erscheinungsdatum: o. J.
Verlag: Herrosé Zimsen Verlag
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Erscheinungsort: Wittenberg
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Roman
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Pessimistische Kardinalsätze


Ein Vademekum für die freiesten Geister


von


Erna
(Dr. Helene von Druskowitz).


Als Manuskript gedruckt.


Wittenberg.
Druck von Herrosé & Zimsen, G. m. b. H.

 
Führt einen 99jährigen vor Gericht
und Ihr werdet etwas Ähnliches
erfahren, wie bei der Lektüre
dieser Schrift.

Dieses Werk soll ebenso gelesen und
gewürdigt, wie das Chamounixtal und
der Rhônegletscher bewundert werden.

Inhalt


Seite
1. Kein Gott im gemeinen Sinne 7
2. Das hohe Prinzip nur platonisch zu erfassen 11
3. Die Materie 15
4. Der Mann als Fluch der Welt und dessen Abstreichung.
     Die Bedeutung der Frau
18
5. Männertafel. Normalsätze für das männliche Geschlecht 37
6. Frauentafel. Maximen für Frauen 43
1. Kein Gott im gemeinen Sinne.

1. Es gibt eine Übersphäre, ein höheres Prinzip, wie das nächste Kapitel zeigen wird, allein für die gemeine Vorstellung von Gott würde kein Substrat vorhanden sein, noch ist das, was wir uns logischerweise unter der höchsten Idee vorstellen, mit dem vergleichbar, was der gemeine Theismus in seinem Wahn für glaubwürdig hält.

2. Der Haupterklärungsgrund für die Widersprüche und die Unlauterkeit in der gemeinen Vorstellung von Gott ist die anthropomorphe Ausstattung desselben im männlichen Sinne. Daraus erklärt sich, weshalb man bei seiner Darstellung großartig anfängt und stets elend und kleinmütig schließt. Von wahrer Weisheit und wirklicher Güte, welche seine Verehrer dem Herrgott vindizieren, könnte – man hat es ja selbstredend nur mit einer Art Hypothese zu tun – gar nicht die Rede sein … Er wäre vielmehr tyrannisch und wollustvoll im äußersten Grade … Seine Providenzlosigkeit, die Unfähigkeit, seine sogenannte Schöpfung richtig auszustatten, seine Rückständigkeit, die darin zu suchen wäre, daß er tief unter sich geschaffen hat, während jeder Künstler und Handwerker über sich hinaus schafft, müßte Schauder und Entsetzen erregen. Denn die Welt, die wir kennen, ist vom Grundübel beherrscht, ist durch und durch ein Stückwerk. Faul im innersten Kerne, tastet sie sich an dem Strange schmerzvoller Entwicklungsgesetze mühsam weiter und ist im obersten Felde, in dem des Menschen Bewußtseins, derart falsch vorbereitet, so daß die schönere, reinere und mildere Geschlechtshälfte, der Gier und Wollust eines häßlichen, rohen und zu maßlosen Torheiten neigenden Geschlechtes unterworfen bleibt. Zählen wir die Vorstellung von den sogenannten ewigen Strafen in einem eingebildeten Jenseits hinzu, so entsteht von Gott das Bild eines bösen Struwwelpeters, der millionenfach selbst die Hölle und ihre Qualen verdienen würde, zu welchen er seine Subjekte verdammt. Nachdem wir Gott als Tor und Betrüger und armen Stümper kennen gelernt haben, begreifen wir kaum mehr, daß er ein metaphysisches Wesen sei oder als solches aufgefaßt werde; – um so weniger, als es an und für sich widersinnig ist anzunehmen, daß die Welt, als materielle Einheit, von einem sogenannten metaphysischen Wesen, das sie nicht einmal erkennen kann, erschaffen worden sei.

3. Das Gesamtwerk von Gott ist ein erbärmliches männliches Machwerk, voll von Schädlichkeit, insbesonders für die Frauenwelt, deren Entwicklung dasselbe stets ungemein gehemmt hat.

4. Nicht weniger schlimm steht es um den philosophischen Monismus mit intellektueller Grundlage, weil dieser alles Gute und Schlechte in Eins verflicht, und bei Aufzählung der Irrtümer der gesamten Welteinrichtung möge man auch die schmachvollsten Fälle hervorheben, ein altweises Gesicht macht …

Mit unbegreiflicher Seelenruhe läßt derselbe das Böse aus dem Guten und das Gute aus dem Bösen hervorgehen und fühlt in seinem optimistischen Wahn kein Bedürfnis, der verbrecherischen Tragikomödie des Daseins ein Ziel zu setzen. Der verderbliche Ausspruch, daß, was dem einen wohl bekomme, dem andern schädlich sei, dürfte jenen Monisten einen kräftige Rüge von seiten der Altruisten, der mildesten aller Denker, zuziehen, eine noch viel schärfere aber von seiten der psychologischen Denker.

5. Ebenso unerquicklich wie seinen Voraussetzungen ist der Theismus in seinen Nachwirkungen. Er führt zum Krieg, hemmt Völker und Staaten in ihrer natürlichen Entwicklung, ist ein Feind und Unterdrücker des weiblichen Geschlechtes, fördert die Lüge, die Verleumdung und den gemeinen Wahn, fördert jede Untugend, erzeugt die krassesten Ungebilde und begünstigt, wie dies das Treiben des sogenannten hohen Klerus in seiner Hoffart und seinen wählerischen Tafelfesten und des geistlosen, aber allen Vergnügungen und körperlichen Spielen, sowie allen materiellen Freuden mit teuflischer Lust ergebenden vulgären Adels erweist, die schlechtesten Kasten und Einrichtungen.

6. Der normale Geist ist atheistisch. Er führt alle Vorgänge auf frühere zurück und so ad infinitum. In seinen ethischen Handlungen läßt er sich teils durch das innerste Gefühl, teils durch das sittliche Bewußtsein, das sich allmählich konkresziert hat, leiten. Der Atheist ist der eigentliche Philosoph. Er besitzt den Schlüssel zu jener Weisheit und Freiheit, er vermag im Denken bis zu den äußersten Konsequenzen fortzuschreiten, und bei erweiterten Urteil über Leben und Tod Bestimmendes verkünden. Er kann heilig sein nur durch sich selbst und ohne jede Zeremonie, einfach deshalb, weil der die rohe und kindische Vorstellung von »Gott« vollkommen von sich fern hält.

7. Der Atheist, wenn konsequent, hat in jedem wichtigen Punkte einen Gegensatz zu dem Gläubigen zu bilden. Beispielsweise hat er die Materie ironisch und skeptisch aufzufassen und ein Feind der blinden und blöden Volksvermehrung und der Eheschließungen zu sein.
2. Das hohe Prinzip nur platonisch zu erfassen.

1. Es gibt ein hohes Prinzip. Die Existenz eines solchen geht aus der Wahrnehmung eines Gesetzes, das innerhalb der gesamtem Vorstellung und Begriffswelt herrscht, hervor. Sowie Licht und Schatten einander ausschließen, ebenso werden alle Dinge vom Gegensatz beherrscht. Auf die oberste Ideensphäre auf die philosophische übertragen, bringt jene Wahrnehmung den höchsten Gegensatz, nämlich den von Materie und reinem Geist, zum Ausdruck.

2. Wir dürfen die ursprüngliche Geisteswelt deshalb als Übersphäre bezeichnen, weil sie frei ist von den Fehlern der materiellen Natur; als Substanz, weil sie essentiell alles in sich einschließt, was die gemeine Welt vermissen läßt.

3. Das hohe Prinzip nimmt alle Merkmale, welcher die Materie nicht teilhaftig ist, in Anspruch. Sie ist einzig, einheitlich, harmonisch, schließt den Gegensatz von Gut und Bös’ und jeden gemeinen Wandel und Wechsel von sich aus!

4. Dieser sublimen Sphäre darf nicht zugemutet werden, den Klumpen von Materie trotz der relativen Entwicklungsfähigkeit desselben, erschaffen zu haben. Wohl aber darf eine Art unwillkürlicher Bezauberung, welche jene auf die Materie ausübt, zugestanden werden. Denn durch die erste Kategorie, nämlich die des Seins, mit der Materie in Verbindung stehend, dürfte sie als der reiche, überschwänglich hohe und absolut harmonische Bestandteil ganz unbewußt und unwillkürlich äußerlich einen magischen Zug auf die Materie ausüben. Hierdurch wird das Naturgesetz nicht gestört, sondern verstärkt.

5. Es kommt demnach ein eigentümlicher Drang in die Materie, ganz einfache Zustände zu verlassen und selbst höhere Stufen zu beherrschen. Die Übersphäre erlaubt jedoch eine derartige Steigerung, gewöhnlich die Evolution der Materie genannt, nur in der Form einer imaginären und imitativen Annäherung. Es ist nur ein Koinzidenzfall eigentümlicher Art, wenn die Materie in die Phase des bewußten Lebens tritt …

6. Es verändert an diesem Tatbestande nichts, wenn auch der Mensch sich zu einem transzendentalen Subjekte erhebt, weil dieses letztere doch nicht mehr ist als das Produkt seiner fortdauernden Sehnsucht nach der Übersphäre, die ewig zurückgezogen verbleibt, demzufolge das Dasein dem Kenner als unecht und unwahr erscheint und alles doch wieder auf Auflösung hinweist. Denn während sich die übergöttliche Natur aus der vollkommenen Abwesenheit aller menschlichen Eigenschaften erklärt, ist die menschliche vielmehr umgekehrt ein Produkt des Mangels an edlem und reinen Qualitäten. Die übergöttliche Sphäre könnte gar kein Verhältnis zu dem Menschen besitzen, ohne ihn seiner transzendentalen Befähigung zu berauben, da letztere ja so einzig ist, um mitteilbar zu sein, so daß merkwürdigerweise eben durch die unüberbrückbare Entfernung das Subjekt derselben, wenn auch in umgekehrter Form teilhaftig wird.

7. Wenn wir von der Übersphäre auch hoch denken, so können wir dieselbe nur spekulativ erfassen. Eine menschliche Beziehung zu ihr ist nicht vorhanden.

8. Die Übersphäre schweigt ewig. Sie ist in den inneren Bestandteilen für immer unerkennbar und bildet den strikten Gegensatz zu den gemeinen theistischen Vorstellungen.

9. Selbst auf spekulativem Wege vermögen wir nur bis zur äußeren Grenze des Phänomens und nicht bis zum Kerne des Wunders zu gelangen. Alles weitere bleibt der Ausmalung durch die Phantasie überlassen. Ich persönlich beispielsweise denke mir die Übersphäre in Form einer Anzahl von Zentren, die in einem harmonischen Wandel und Wechsel von potentiellen Gefühlen und Anschauungen sich selig fühlen.

10. Unsere Erkenntnis erhebt sich einerseits über den Comlismus, welcher dort schweigt, wo die Philosophie ihr erhabenstes Siegel aufzudrücken hat, andererseits über den gemeinen Materialismus, welch letzterer nur auf die Phänomene der durch die äußeren Sinne wahrnehmbare Welt Anwendung findet und dessen Plattheit in dem überaus schädlichen und albernen Optimismus gipfelt, während durch die Aufzeigung des Weltgegensatzes die Materie auf ihren wahren Wert reduziert wird.

Demnach ist die materielle Welt eo ipso pessimistisch aufzufassen und dies, wie wir sehen werden, in tragischester Form. Gerade dort, wo sie ihr Meisterstück, das Bewußtsein hervorbringt, erweist sich ihre Unfähigkeit unmittelbar und sicher den Vernunftgrad zu behaupten.

3. Die Materie.

1. Die Materie ist das Andere, das Niedrige, das mit sich selbst Verunreinigte, Unbefriedigte, Geteilte, Zerspaltene, Zerklüftete und Zwieträchtige, entäußert und unglücklich sich Empfindende, das Formlose, Verlassene, in steter Flucht von sich selbst Begriffene, das ewig unlustvoll Seiende, Wechselnde, das immer wieder sich Entwickelnde und schließlich qualvoll und mit unwillkürlicher Ironie zu einer unseligen und zwieträchtigen Bewußtseinsstufe Emporstrebbare.

2. Dadurch, daß die Kategorie des Seins mit der Übersphäre sich verknüpft, verläßt sie, um ihrer Armut zu entrinnen, ihre Urzustände, fühlt sich wie aufgejagt und fortgerissen, eilt von Stufe zu Stufe vorwärts und erreicht, natürlich stets unter Rückfällen der auffälligsten und schmerzvollsten Art eine Art Niveau, auf dem sie anfangs in dem tierischen, später im menschlichen Bewußtsein endet und hierdurch, wie bemerkt, rein imaginär der Übersphäre sich nähert, dies jedoch in einer Form, die bemüßigt ist, sich selbst zu suspendieren.

3. Was die Urzustände der Materie im tiefsten Sinne betrifft, so sind diesselben unermittelbar. Denn, wie die Substanz, ist auch die Materie ewig, die Naturwissenschaften vermögen deshalb nur eine frühere Phase schildern, allein niemals den sog. Urzustand selbst. Was die Naturforscher scheinbar für einen solchen ausgeben, ist für den wahren Denker mehr ein Auflösungsprodukt von früheren Epochen und nicht das Fundament.

4. Was die ursprüngliche Zusammensetzung der Materie in ihrer jetzigen Verfassung betrifft, scheint dieselbe aus lebendigen Punkten zu bestehen. Ich kann mir ein wechselndes, im gewissen Sinne fortschrittlich veranlagtes und zu höheren Organismen sich emporwickelndes Ensemble nicht anders als aus vitalen und vituellen Grundwesen zusammengesetzt, vorstellen. Ich nenne dieselben Monaden. Alles Lebendige kommt auch seinerseits von Lebendigem. Omne vivum ex vivo. Während die Atmosphäre in Lichtschwingungen, die Kräfte in elektrischen und magnetischen Strömen gleichsam wie in freien orchestischen Vibrationen sich bewegen, oder wie gefährliche Dämonen plötzlich aus dem Dunkel hervorbrechen, haben dieselben in den festen Stoffen andererseits schwere und klassische Formen angenommen. Es müssen von einer bestimmten Weltepoche verschiedene Arten solcher lebensvoller, schwingender Körperchen existiert haben, die sodann ihrer jeweiligen Mission entsprechend, sich verschieden assoziiert und zur Darstellung der Kräfte und Stoffe, Elementen und Formen des Lichtes und der Farben in der Natur fortgeschritten sind.

5. Überall in der materiellen Welt schwingt die Monade in materieller oder geistiger Form. Durch die Monade empfängt das Leben seinen fließenden und flutenden Charakter, überall bewirkt sie im intimsten und instinktivsten Einverständnisse mit ihren Genossen die Veränderung, die Formation, den Fortschritt und Rückfall und ganz am Ende das Bewußtsein und die Selbsterkenntnis, diese schwerste aller Geistesproben, die zugleich die Suspendierung des Wertes des Daseins in sich schließt.

6. Die Materie ist als kontradiktorischer Gegensatz zur Übersphäre deterioripisch in allen Folgeerscheinungen zu betrachten.
4. Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt.
Abstreichung des Mannes. – Bedeutung der Frau.

1. In der Anschauung vom Mann liegt der Schwerpunkt des Pessimismus. In der Niederkritisierung des Mannes gipfelt die einzig wahre und richtige Weltbeleuchtung.

2. Seiner Beschaffenheit zufolge ist der Mann seiner Gefährtin unwürdig, ein Ehehindernis und nicht ein Bindeglied. Er paßt überhaupt nicht in den Rahmen der vernunftbegabten Welt. Denn er ist zu roh und lügnerisch, sein Denken zu lückenhaft und weitschweifig, seine äußere Häßlichkeit zu eklatant, als daß er das Leben taktvoll zu beherrschen vermöchte.

3. Der Mann ist der Held der vulgären Arbeit, ein geborener Proletarier und der ordinärste Plebejer. Er ist der böse und dumme Teufel, welcher den Frieden in der Natur immer wieder stört und aus dem Leben, das auf Freudigkeit, Leichtigkeit und Kürze angelegt ist, eine Satanshölle ohne Ende, aus dem menschlichen Geschlechte, das als das edelste von allen auf einige Täler sich beschränken sollte, durch Geschlechtsgier einen wimmelnden und zuchtlosen Haufen, der in der innersten Seele krank ist, gemacht hat.

4. Der Mann ist ein Zwischenglied zwischen Mensch und Tier, denn er ist eine Spottgeburt und als solche derart zynisch und lächerlich ausgestattet, so daß er weder das eine noch das andere in voller Wirklichkeit sein kann.

5. Die Natur hat den Mann durch übermäßig auffallende Entwicklung seiner Genitalien eine Schlappe, ein Brandmal ohnegleichen aufgedrückt.

6. Die in der gesamten organischen Welt von seiten des männlichen Geschlechtes behauptete Superiorität der sexuellen Form ist bei dem Mann in doppelter Beziehung: 1. in Hinsicht auf den schönen Teil der Tierwelt, 2. auf seine weibliche Gefährtin total abhanden gekommen. Eher würden Ziege und Äffin als seine natürlichen Genossinnen genannt zu werden verdienen. Denn er ist grausig beschaffen und trägt sein schlumpumpenartiges Geschlechtszeichen wie ein Verbrecher voran. Die flache Brust, die häßliche Bartung mit ihren dicken Wülsten und fliegenden Haarfetzen, die im Gegensatze zu der geckenhaften Ausstattung der meisten Tiere einen niederen Charakter verrät und endlich das durchschnittlich über alle Maßen abscheuliche und gemeine Stimmorgan, voll von uralten und anstößigen Gurgeltönen, weisen ihm in Wahrheit eine sehr tiefe Stufe im Reiche der Lebewesen zu. Er erscheint wie eine Spielart.

7. Infolge einer wahrhaft göttlichen Ironie des Schicksals ist es gelungen, ihn so zu stellen, so daß er auf dem Höhepunkte der Bildung befindlich sich selbst für einen Affensprößling hält. Was würden frühere Generationen zu dieser Erkenntnis gesagt haben? Nun ist das gesamte Leben zur Affentragödie des Mannes geworden! …

Die Ironie geht so weit, daß einzelne Forscher eines der häßlichsten Affengebilde rücklaufend „Anthropomorph“ genannt haben …

8. Die Anmaßung, mit welcher sich der Nachkomme des Affen an die Spitze der Welt gestellt und der Mehrzahl der Dinge den Stempel seiner Natur aufgedrückt hat, muß mit Entrüstung erfüllen. Der Umstand könnte zu den enormsten Rachevorstellungen Anlaß geben, weil das Werk doch von seinem elenden und verbrecherischen Vermittler Zeugnis gibt.

Wir leben tatsächlich in einer Welt voll von Jammer und Torheit, voll Leichtsinn und Humbug. Der Mann wollte die Welt urbar machen, allein er hat nur den Beweis geliefert, daß er ein geborener Narr und ein eingefleischtes Ungeheuer sei. Er ist zwar, wie bemerkt, eine Spielart, als solche aber hat er sich durch fabelhaftes Glück und Schlechtigkeit schmachvoll behauptet.

9. Die Frauen sind nicht nur würdigere und holdere Wesen, sondern sind von vollkommener und adeligerer Stammung, worauf zahlreiche Beziehungen der Frauen zum Meere in den Mythologien hinweisen (man erinnere sich an Aphrodites Geburt, an die nordischen Meerfrauen, an Loreley, an das Horazische desinit in piscem mulier formosa und an die kalifornische Sage, daß die Männer vom Walde, die Frauen vom Meere kommen). – Beide Geschlechter haben sich später begegnet, d. h. die Männer haben die Frauen mit Vorliebe geraubt, Mißbrauch mit ihnen getrieben und ihre Instinkte in grauenvollster Weise verdorben. Wie groß ursprünglich der Unterschied zwischen beiden Teilen war, läßt sich gar nicht feststellen.

10. Der Mann ist durch Geschicklichkeit und Erfindungsgabe höchstens als Homini Genus zu bezeichnen. Allein mit Unrecht hat er sich mit dieser Rolle niemals begnügt, wogegen die Frauen wegen Veruntreuung des Wortes „Mensch“ mit Recht nach einer höheren Ordnung streben.

11. Während die Liebesfähigkeit d. i. die Adaptionsmöglichkeit der Frauen an die Männer kein ursprüngliches Motiv bildet, sondern vielmehr ein künstliches Produkt der Hypnose ist, welche das stärkere und mehr noch das durch und durch verlogene Geschlecht auf das physisch zartere und feinere ausübt, so ist hingegen der Mann tatsächlich und naturgemäß das verliebteste und wollustvollste Lebewesen auf Erden. Die sexuelle Leidenschaft zur Frau wird durch den enormen geschlechtlichen Abstand bedingt. Der Mann zehrt von der Schönheit und der Ehre der Frauen und sucht diese um jeden Preis zur Mitträgerin seiner geschlechtlichen Schmach zu machen. Während das Tier nur in kurzen Phasen Liebe pflegt, ist der Mann stets dem Geschlechtsrausch unterworfen. Er ist in der eigentlichen Liebesphase überschwänglich bis zum äußersten Extrem. Man erinnert sich mit Staunen an all die Liebesgedichte und Romane, welche die überhitzte Phantasie begabterer Männer hervorgebracht hat. Ganze Massen von solchen Schimären häufen sich vor der stolzen Warte der schönen Welt. So exaltiert das „Zwischenglied“ in der Liebesphase verfährt, ebenso unerträglich, impertinent bis zum äußersten, schlechter gelaunt als eine hungernde Bestie, ist der Mann nach erfolgter Besitzergreifung. Er ist der einzige, der sein Weib schlägt und in raffiniertester Form martert, fremde Frauen verfolgt und zu Sklavinnen seiner skandalösen und lächerlichen geschlechtlichen Ausstattung macht … Seine Wollust überträgt sich sogar auf die Tierwelt, wie das Treiben in den Hühnerhöfen und unter den Haushunden zeigt, während in der Wildnis das Geschlechtsleben viel schwächer entwickelt ist und die Tiere nur zeitweise und maßvoll einander begehren.

12. Der Mann ist mörderisch veranlagt. Er ist ein geborener Dämon und Nennteufel. Er ist das gefährlichste aller Lebewesen, er ist die Furie der Furien, die Megäre der Megären. Man bemerke sein Verfahren gegen die Tierwelt, die er zum Teil aus blindem Vernichtungstrieb, zum Teil aus blinder Besitzlust tötet oder abfängt, teils seinem völlerischem Hunger zum Opfer bringt. (Die Wirkung des Christentums ist hier gleich null, so daß der christliche Glaube in dieser Beziehung für die schlechteste und unbrauchbarste aller Weltreligionen erklärt werden muß.)

13. Die Kulturgeschichte hat einen vornehmen Römer und einen zuchtlosen Juden als Hauptpersonifizierungen der schmachvollen und schrankenlosen Eßlust des Mannes hingestellt. Allein das männliche Subjekt, welches schlimmer als das wildeste Tier jeglichen Fraß in Gang gebracht hat, hat außerdem den Genuß von Unmassen von schweren Getränken eingeschleppt.

14. Der Mann ist das habgierigste aller Lebewesen. Er hat schlimmer als eine wilde Bestie die Mutter Erde nach allen Richtungen durchwühlt und ihr alle Schätze abgewonnen.

15. Er ist das feilste Subjekt. Er ist durch und durch ein gemeiner Kaufmann und ein schamloser Krämer überall. Er ist der Erzeuger und Impresario der niedrigsten Dinge, wo es gilt tierische Gelüste zu befriedigen und den vulgärsten Antrieben zu schmeicheln.

16. Der Mann ist der neidischeste aller Geschöpfe. Sein berüchtigter Brotneid übersteigt alle Grenzen. Derselbe ist das wesentliche Hindernis der geistigen Entwicklung des gesamten Frauengeschlechts, eine Tatsache, die nicht dem allerrohesten Tier zum Bewußtsein gebracht werden könnte, da in der Tierwelt alles gleichgehalten ist.

17. So geringfügig weibliche Streitigkeiten in den meisten Fällen sind, so erniedrigend wirkt männliche Streit- und Krawallsucht auf das Leben ein. Die Frauenwelt dient hier nur als Vorwand, weil das streitsame Element bei ihr maßvoll auftritt, während es beim Manne verdichtete Formen, wie bei den Krustazeen gewinnt. Der Mann ist das rauf- und händelsüchtigste Subjekt in der gesamten Natur.

Bei ihm drängt alles nach außen. Seine täglichen Gewohnheiten genügen, um seinen proletarierhaften Charakter, sein dilettantisches Wesen und seine herausfordernde Art anzuzeigen. Seine landesüblichen Fehler zählen wie Schnupftücher nach Duzenden. Seine Neigung zum Pfeifen, Trällern, die Hände in die Brust zu werfen, sein plebeisches Achselziehen, seine gesamte häßliche Gestikulation geben einen traurigen Vorgeschmack.

… Man lese des weiteren die grauenvollen Berichte über die Kammerdebatten in vielen Ländern und man weiß, mit welchem Abhub man es bei den Vertretern des Volkes zu tun hat, die in der Regel in der Wirtsstube gewählt werden … Es folgt der Krieg, der als die brutalste Äußerung der männlichen Wut und Skandalsucht und Borniertheit sich darstellt. Man weiß oder vermag sich zu denken, daß einfache Schiedsgerichte von dem nächsten Gerichtssprengel herbeigerufen, oder kurze Kämpfe von Jünglingen und Jungfrauen die Entscheidung zu Gunsten der einen oder der anderen Partei mit Leichtigkeit herbeiführen sollten. Statt dessen führt man in Wirklichkeit breite Massen gegeneinander, ohne jede Aussicht auf geistvollen Erfolg, da sonst nach pessimistischem Prinzip alle Männer alle Männer fällen und der Welt ein schnelles Ende bereiten müßten.

… Den Gipfelpunkt, welchen die skandalöse Dummheit des Mannes hier erreicht, besteht in der Anrufung des Herrgottes von beiden Seiten, vorausgesetzt, daß der Krieg, wie in Europa, meist zwischen Bekennern derselben Religion geführt wird. Dieser Unsinn erinnert an die Anekdote von den beiden Knaben, die in der Pariser „Grand opéra“ für einen stark beleibten Herrn im voraus zwei Stühle besetzen mußten. Eines Tages waren durch Versehen die gemieteten Plätze voneinander getrennt, so daß beim Erscheinen des Mäcen die Kunstknaben von verschiedenen Seiten ein Zeichen gaben …

18. Der Mann führt höchst unbescheidenerweise überall das große Wort und ist das schnatterhafteste aller Lebewesen. Was in dieser Beziehung an Frauen wahrgenommen wird, ist nichts als schwaches Zirpen und Lallen. Es fehlt sogar sehr auffallend an der Partizipierung der Frauen in den täglichen Geschäften und in den öffentlichen Dingen, weshalb die Welt- und Tagesgeschichte, weil hauptsächlich von Männern ausgefüllt, den bekannten öden Eindruck macht. Die gesamte Historie ist, mit geringen Ausnahmen, einfach „Männergeschichte“ und deshalb roh bis zum äußersten und ein schlechtes Vorbild.

19. Die blasphemische und verrückte Arroganz des Mannes kommt weniger in der Wahl eines Häuptlings, die unter Umständen zur Notwendigkeit wird, zum Ausdruck, als durch die eines zahlreichen Adels in mannigfaltigen Abstufungen. Dank der abweichenden Denkweise mancher Nationen hat dieser Blödsinn nicht überall Eingang gefunden. Leider aber ist die wahre und einzig plausible Seite der Sache nirgendwo ins Auge gefaßt worden, daß nämlich streng genommen nur an Frauen der Adel verliehen werden sollte. Denn um diesen würdig und menschenmöglich darzustellen, bedarf es der Reinheit der Erscheinung und der untierischen Art, wie solche nur die Frauenwelt ziert … Man hat eben nie begriffen, daß Adel auf Theosophie hinausläuft und nicht auf Verfolgung der Frauenwelt, Martern der Tiere, Vernachlässigung des Wissens und Könnens usw.

20. Auch verhältnismäßig geringere Fehler und Eigentümlichkeiten haben ihren Sitz in der männlichen Art. Es wäre denn, daß die gemeine männliche Veranlagung von den Frauen benutzt würde, die Männer selbst in das Vordertreffen zu schicken, und sie derart zu beschämen, daß der Teufel sich darüber zu Tode lachen würde. Man bedenke nur, daß die Männer die Begründer der Tagesblätter, der Winkelklatschorgane, der Modejournale und der gemeinen Kolportageliteratur sind und man wird mich verstehen. Hierzu kommt eine wahrhaft viehische Lust des männlichen Geschlechtes an Sport, Vergnügungen und Spielen aller Art … Demnach unterliegt die Einrichtung des Mannes derart der philosophischen Kritik, so daß das blödeste Tier sein moralischer Führer sein könnte.

21. Er ist mit wenigen Ausnahmen der geborene Widersacher der Vernunft und der Menschlichkeit und verdirbt von vornherein die höhere Art. Was das Tier durch den Naturgebrauch ganz von selbst erfüllt, dies muß der Mann durch seine besten Köpfe erst wieder ausfindig machen und zur Richtschnur erheben. Deshalb kann die gesamte Kultur, oder wie wir den Unsinn, der sich vor unseren Augen abspielt, nennen wollen und vom Manne begründet und regiert wird, nicht hoch bemessen werden.

22. Überall erblickt der philosophische Geist, der nur in vereinzelten Fällen auftritt, die Devastationen, die Unverstand und Lasterhaftigkeit anrichten. Allerorts ist der schreckliche Affekt der Grundeigentümer und Herrscher, bald als Ehrsucht und Rivalität, bald als Haß, Neid, Geschlechts- und Wollust, Hab- und Streitsucht.

23. Wieviel Phantasie auch in der einzelnen Hervorbringung des Mannes enthalten liegt, so erscheint doch alles wie bei der Muschel die Perle „als Krankheit des Tieres“.

24. Der Mann hat durch seine schrankenlose Geschlechtslust, durch Mangel an echter Vernunft in jeder Beziehung und trotz aller Feilheit, mit der er zahllose Spielereien und Vergnügungen gleichsam als Gegengewicht in die Welt gesetzt hat, aus dem Leben eine Jeremiade ohnegleichen, ein furchtbares Prokrustesbett voll grausiger Streckungen, eine Agonie ohne Ende gemacht, die in zwei Schwingungen sich vollzieht, von welchem die eine die Subjekte zu Sklaven der rohesten und gewagtesten Arbeiten degradiert, die genau betrachtet, ganz willkürlich aufgegeben und erfunden worden sind, die andere zu Polypen der üppigsten und unsittlichsten Genüsse stempelt. Statt die Zahl der Heiraten und der gesamten Geschlechtsvermehrung auf das äußerste einzuschränken, tut er immer mehr Motive hinzu, um den kreißenden Ball zu einer Stätte schlimmer als die Hölle zu machen und die Kreatur mit Millionen Fallstricken an ein unseliges Dasein zu fesseln.

25. Auf was aber läuft die gesamte oft in den unsaubersten Farben schillernde Komödie unserer blödsinnigen Halbkultur hinaus? Alles dreht und wendet sich in erster Linie bekanntlich nur um Kleidung, Wohnung und Beförderungsmittel. Die Natur aber hat den Tieren freiwillig die beneidetsten Pelze und das schönste Gefieder zur Bedeckung verliehen, die keiner Mode unterworfen sind. Das Tier trägt wie der Philosoph alles Wichtige bei sich (omnia sua secum portans), setzt sein Wohnhaus oft nur aus wenigen Blumen zusammen und ist durch seine Behendigkeit oder gar durch Flugkraft das Ideal für den Mann, der bis zurzeit nichts Höheres kennt, als flugtechnische Apparate zu ersinnen, die fast insgesamt ungenügend sind und ihm zur Blamage dienen. Dadurch wird nicht nur der Vogel, sondern auch der Schmetterling, selbst der Maikäfer zum unüberragbaren Meister! Desgleichen ist das „Zwischenglied“ stets unzufrieden mit seinen Gespinsten und Stoffen, ändert und wechselt stets die Mode, richtet das Leben nach den schlechtesten und leichtfertigsten Grundsätzen ein und ficht demnach trotz aller Scheinkultur in den meisten Beziehungen tief unter der Stufe der Tiere. Außerdem leben die Tiere in den allermeisten Fällen insofern unter günstigeren philosophischen Bedingungen als der Mensch, weil es nur schwer Nahrung findet und deshalb überall nur vereinzelt oder in kleinen Herden auftritt, wo nicht der Mensch, d. h. der Mann, massenhaft Nährmittel aufgespeichert hat, um sich und das Vieh endlos zu vervielfältigen.

26. Dieselbe Unzufriedenheit herrscht auf allen Gebieten der Wissenschaften. Die bekanntesten Sätze werden wieder in Frage gestellt, dadurch stürzt mit Leichtigkeit wohl einmal der ganze Aufbau zusammen. Ich persönlich nehme mir die Freiheit, die Astronomie für falsch zu erklären. Die himmlischen Wunder sind für mich nur Bilder des Elektromagnetismus, Wärme und Kälte und die Jahreszeiten rein meterologische Vorgänge und Schwankungen. – Von einem Fortgang in den Hauptwissenschaften kann kaum die Rede sein. Es wäre denn, daß man wie die Krebse nach rückwärts ginge. Denn das Schmerzvollste ist die Tatsache, daß beispielsweise ältere Philosophen oft schon die Wahrheit entdeckt und gelehrt haben, während spätere Lehrer sie wieder verdunkelten und mit ihren trüben Wässern überspülten.

27. Dennoch ist die Wissenschaft eine Art von Wohltat, weil sie als wichtigste Waffe gegen die Religion dient. Denn leider hat der Mann auch diese, sowie jede Art von Aberglauben und Schund gestiftet und muß nun die größte Mühe aufwenden, um des Ärgernisses wieder los zu werden.

28. Viel stärkere Einwendungen als gegen die Wissenschaften lassen sich gegen die Künste erheben, welch letztere auch von dem Philosophen Schopenhauer überschätzt worden sind. Hat doch der große Plato, dieser König unter den Denkern, den Künsten ihre wahre Stelle, nämlich eine untergeordnete zuerteilt. Es ist kein wahres Wort an der Schopenhauerschen Meinung, daß die Künste ohne Beteiligung des Willens ausgeübt werden. Der Wille, der sich auf andere fremde Dinge richtet, ist ebenso ein Wille als jener, der sich auf eigene Interessen bezieht, welch letztere oftmals, insbesondere bei außerordentlicher Lebensstellung, die weitgehendste Bedeutung besitzen. Außerdem ist unsere Teilnahme für bestimmte Epochen und Darstellungen oft so ausgeprägt, so daß das Subjekt eben durch die künstlerische Anschauung in die größte Aufregung gerät. Schließlich beweisen die enormen Preise, die auf Bilder usw. vergeudet werden, daß nicht nur der reine Intellekt bei künstlerischen Angelegenheiten ins Spiel gezogen werde. Der Geschmack ist, wie überall, so auch im Bereich der Künste subjektiv; objektiv sind überhaupt nur in Dingen der Kunst der Elemente die einfachsten Formen des Wohlgefallens. Nachdem wir Schopenhauer in kurzen Sätzen widerlegt haben, genügt es, darauf hinzuweisen, daß die Künste nicht nur als Entfacherinnen des Affektes, als Dienerinnen der Götzen und Aberglaubens und als Vermittlerinnen von jeder Sorte von falschem und frivolem Schein, wie das Leben ihn erzeugt mit Ausnahme von einigen wenigen Werken, die fast nur reine Empfindungen erwecken, schädlich sind und als Fallstricke für die Steigerung der Freude am Dasein zu gelten haben. Als Ausstrahlungen einer enorm gesteigerten Kapazität dürfen die Künste nur esoterisch betrachtet und nicht der Menge preisgegeben werden.

29. Ebensowenig sollte man die mystischen Phänomene massenhaft häufen und die Toten endlich in ihrem Bereich belassen. Wer die Wahrheit der Mystik noch nicht begriffen hat, der bleibt zeitlebens ein einfältiger Tor!

30. Alle Behauptungen, die ich gezwungen gegen das männliche Geschlecht, dessen Aspiritionen und Werke zu schleudern, beruhen auf Wahrheit. Sie können der schärfsten Kritik unterworfen werden, und werden sich dennoch als stichhaltig erweisen.

31. Man vertieft sich deshalb schwer und selten in das Thema vom Manne, weil es erstens schwierig zu bemeistern, zweitens außerordentlich unsympathisch und unästhetisch ist. Die Prosa und Unlauterkeit desselben ist unergründlich, so daß der Inkriminierte, der sich andererseits selbst zur Anzeige bringen müßte, vor dem eigenen Kot zurückprallt, der Meistbietende sich ewig Zeit ist, wodurch die Lüge dadurch ungeheuer anwächst.

32. Nur scheinbar ist der Mann ein lustiges Abenteuer der Natur, in Wirklichkeit ist er das giftigste und gefährlichste Experiment im gesamten Weltbereich.

33. Das männliche Geschlecht hat selbst in Beziehung auf seine jedoch ungemein zudringlich auftretenden Vorzüge sehr limitiert zu werden, weil es durch seine Produkte dem Dasein eine allzulange Dauer verleiht. Deshalb sollte auch das männliche Genie nur zur Prüfung zugelassen, um nicht der Öffentlichkeit überantwortet zu werden. Nur der Philosoph hat sich vor aller Welt hören zu lassen, denn er ist nicht nur eine rara avis und als solche eine merkwürdige Erscheinung, sondern er wirkt auch dort, wo er lückenhaft erscheint, wie Balsam, da er sich am Wege zur Wahrheit befindet. Deshalb muß er auch Wort halten, um einst billigerweise die Erlösung herbeizuführen.

34. Die vortrefflichen Eigenschaften, die wir bei männlichen Ausnahmenaturen finden und die gewöhnlichen Bauernregeln der Moral, die ausfindig gemacht wurden, sind gering zu achten, weil das Gute beim Manne zu spät kommt, und er erst dann anfängt, sich auf sich selbst zu besinnen, nachdem er den Lastern in abgefeimtester Form, den Irrtümern mit größter Sorglosigkeit Tür und Angel geöffnet hat. Daher die Überfülle von Zwangs- und Irrenhäusern, in welchen Dummheit, Verbrechen und Verrat ihre schändlichsten Orgien feiern.

35. Der blinde Wille zur Macht, wie man den unsauberen Grundzug im Manne genannt hat, ist nach unserer Meinung das Verwerflichste und Törichste in der gesamten Natureinrichtung. Die Vergeltung ist Abschwächung der Intelligenz bei den Nachkommen, da das Ungeheuer, welches blindlings nach Macht strebte, oft nur mehr Fischlaich hinterläßt, sowie die Geistesverfassung unseres Adels vielfach beweist. Zu den infamsten Torheiten, von welchen das Germanentum je geknechtet worden ist, zählt deshalb die Ehrung eines gewissen Nietzsche, der jenem schlechten Grundzug auf das verdammenswerteste und törichtste geschmeichelt hat. Wie die germanische Intelligenz zu dem Unglück kommen konnte, den albernen Schweizer Philologen, den der bekannte Stadtschreiber und Novellist G. Keller als Grafen Strapintzky in der Erzählung „Kleider machen Leute“ so vortrefflich karikiert hat, ist und bleibt unbegreiflich. Glücklicherweise hat man gegen den dummen und im Geiste total veridioteten Schriftsteller schnell wieder Stellung genommen und hoffen wir, daß wir nie mehr in die peinvolle Lage versetzt werden, ein derart für den gemeinen Adel und ergo auch für das bloße Pfaffentum inflammiertes Subjekt und dessen Albernheiten blamieren zu müssen. Denn jener Narr war nicht nur ein Todfeind der Philosophie einerseits, sondern selbst noch ein Feind des einfachen Christentums andererseits, dessen Morallehre, wenn auch nicht geistvoll, so doch gut genannt werden kann und mit gemeiner Willkür nichts zu tun hat.

36. Die Aufgaben, die aus unseren Hauptsätzen erfließen, sind unschwer zu erraten. Ihnen zufolge fiele der Löwenanteil vom Dasein den Frauen zu. Sie sind die wahre Menschheit. Die Ehrung, die der Frauenwelt zuteil zu werden hat, besteht in der Anerkennung der weiblichen Superiorität in allen Hauptpunkten. Es genügt zu wissen, daß die Frauenwelt in körperlicher Beziehung menschlicher und schöner eingerichtet ist, von Natur keuscher, reiner und heiliger beschaffen und schließlich insofern von natürlichem philosophischen Instinkte – welch letzterer dem gemeinen Manne, wie wir erfahren, gänzlich fehlt, – erfüllt ist, als die Frau die enormen Erweiterungen in der Lebenssphäre haßt, das Dasein auf einfachen und rationellen Grundlagen basiert zu sehen wünscht und das Nichtsein dem Sein instinktvoll vorzieht. Leider sind die weiblichen Instinkte entsetzlich unterdrückt worden, allein es kostet nur eine plötzliche Aufraffung, um das ideale Niveau wieder zu behaupten. Da die Grundlagen eben ausgezeichnet gut sind und alles Unheil im Grunde nur auf die Schlechtigkeit und Intelligenzlosigkeit des anderen Geschlechtes zurückzuführen ist, so muß die Frauenwelt eben nur gereinigt, durch eine freie und kühne Erziehung, durch frühe Berufswahl ermutigt und durch Teilung der Städte nach den Geschlechtern, durch Beschränkung der Anzahl der Heiraten, die schließlich eine Eliminierung der Ehe herbeiführen wird, separiert werden. Dann werden die Frauen wieder heilig wie von Natur und eines wahren Kultus würdig sein. Der Feminismus muß mit Feuer und Glanz ausgestattet werden. Er ist das heiligste Ideal der modernen Zeit. Daß die edlen Naturrechte der Frauen so spät sind entdeckt worden, wirft ein gräßliches Schlaglicht auf die sog. menschliche Entwicklungsgeschichte. Es mag für Unkundige etwas Unheimliches in dem Feminismus enthalten liegen, allein, sobald wir diesen Punkt erreichen, reckt die Philosophie ihr hochadeliges Haupt empor und spricht zu uns: „die neue Lehre involviert nur das Priestertum der Frau, sie beweist die Wahrheit des Pessimismus und die Notwendigkeit des Weltelends bei der vorhandenen Konstellation, nicht aber die einer endlosen Fortsetzung des Dasein“. Dann werden die Frauen ihrer höheren Mission gemäß als höhere Wesen, als Priesterinnen ihres Geschlechtes, als Naturadelige sich erkennen. Bei Wahrnehmung des höheren Lebensgesetzes wird ihnen zugleich auch ihre philosophische Bestimmung vollkommen klar werden, die darin besieht, daß sie als Führerinnen in den Tod erscheinen, indem sie das Endesende vorbereiten. Dieses wird sodann das Ideal werden und an Stelle eines Ideals ohne Ziel und Ende treten!

5. Männertafel.
Normalsätze für das männliche Geschlecht.

1. Ihr habt euch ungemein auf euch selbst zu besinnen und eure Anmaßung herabzumindern. Ich kann nicht mit Blitze und Donner zu euch sprechen, wohl aber aus tiefster Überzeugung und aus schwerwiegendsten Beweggründen.

2. Ihr solltet in einem hartnäckigen Kampfe zu euch selbst und zu eurer Natur leben, nicht aber ihrem Zuge folgen. Horcht auf eure innerste Stimme und ihr wisset, daß ihr euch selbst fortwährend unrecht gebt und eure Hauptstrebungen verurteilt. Deshalb ist es ungeziemend, daß ihr an der Spitze aller Einrichtungen steht und die Welt beherrschen zu können glaubt.

3. Laßt an Stelle eurer Eigenliebe und Selbstbehauptung ein pessimistisches Urteil treten, prüfet und untersucht euch schonungslos und ihr werdet von Haß gegen euch und eure Existenz überfließen.

4. Überschaut euch äußerlich und ihr erblickt ein Subjekt, das streng genommen in genereller Hinsicht mit dem einfachen männlichen Tierkörper nicht mehr konkurrieren kann. Ihr habt nämlich das Primat der männlichen Erscheinung verloren. Eure Gefährtin vielmehr ist die Krone der Schöpfung. Ihr selbst habt von dem männlichen Tiere nur die Kraft und nicht die Superiorität der schönen und durch die natürliche Einrichtung geschlechtlich versteckten Form geerbt. Ihr tragt wie bei körperlichen Strafen das Zeichen vorne und zeigt ebensowenig ein menschenwürdiges und glattes Antlitz.

5. Prüft euch innerlich und ihr findet ein Subjekt voll von Grundirrtümern, voll von Torheiten und Narreteien, voll von schwerfälligster und mühsamster Umständlichkeit, bei jedem Schritte strauchelnd und voll von Begierde für Fundamentalfehler dadurch Ersatz zu bieten, daß die Menge fortwährend zu neuen Torheiten verleitet wird, was so lange geschieht, bis die Welt ein Narrenhaus, eine Stätte für allgemeine Blamage, ein Kaleidoskop der krassesten Lügen und Ungereimtheiten und eine Voliere für die buntesten Karikaturen geworden ist … Habt ihr unter andern vielen, vielen Hauptirrtümern nicht auch die Religionen mit ihrem Wust von Unsinn, von falscher Moral und albernen Zeremonien mit ihren unseligen Konsequenzen für Fortschritt, Ruhe und Ordnung hervorgebracht? Allerdings seid ihr nun damit befaßt, diese Irrlehren für nichtig zu erklären. Allein zunächst ist es für Millionen von Seelen viel zu spät mit dieser Entdeckung, zweitens fehlt es trotz oder wegen des ergänzungsdürftigen Materialismus und vagen Comtismus noch an einer zusammenhängenden und befriedigenden Lehre: es müßte denn der Pessimismus mit seinen Grundelementen der Entrückung einer möglichen metaphysischen Instanz und der Nichtigsprechung der Welt insbesondere aus Gründen einer unvollkommen beschaffenen Menschheit zum Siege führen.

6. Blickt ferner in euer Inneres und ihr erfahrt, oder wißt es wohl schon, ohne euch zu verraten, daß ihr vielfach die gewalttätigsten unter allen Wesenheiten seid. Wenn das wildeste Tier sogar sich nur bestimmter Verbrechen schuldig macht und nicht durch und durch lasterhaft oder beutegierig ist, wie schon seine Einteilung in pflanzen- und fleischfressende Arten beweist, so zeigt der Mann anders sich als Meister in allen bösen und schwarzen Dingen, so daß er auch die Frauenwelt aufs schwerste schuldig macht und durch die elenden Verhältnisse, die seine Geschlechts- und Fortpflanzungsgier herbeiführt, sie sogar dem Henker überliefert.

7. Ihr sollt in allen höheren und gemeinsamen Fächern, die richtig besehen nur die Folgeerscheinung der Übervölkerung sind, nach der ihr unwillkürlich strebt und nachdem dieses Unglück nun einmal geschehen ist, nicht ohne Beiziehung der anderen Geschlechtshälfte Beschlüsse fassen und diese realisieren. Anders seid ihr die Willkür und Tyrannei selbst und dies mit doppeltem Überschuß, weil ihr den eigentlich menschlichen und sympatischen Teil eurer ruchlosen Despotie unterwerft. Wisset, das eure Zwangsherrschaft unerträglich ist und daß kein Tier es dabei aushielte, wenn es sich dieselbe vergegenwärtigen könnte! Es ist geradezu schauderhaft, daß in einer Welt voll Frauen, der Mann, überdies mit unebenbürtigen Merkmalen versehen, den Ton bestimmt. Daher nenn ich es eure Pflicht und Schuldigkeit der skandalösen Despotie, die im ganzen Wesensreiche einzig dasteht, ein Ziel zu setzen. Eure Lügenhaftigkeit hat nicht den Höhepunkt zu erreichen, so daß ihr den Frauen die euch sittlich und geschlechtlich voranstehen, von den Geschäften ausschließt, die sie in allererster Linie selbst versehen und besorgen sollte. Sowie wenn ein Stein ins Rollen kommt, die ganze Last herabstürzt, so hat umgekehrt eine geringe Nachgiebigkeit in der Natur euch bestimmt, die grausigste Alleinherrschaft zu begründen. So stark ist die Hypnose, die ihr ausübt, so daß jetzt noch die Mehrzahl kaum bemerkt, in welcher unhaltbaren Lage sie sich befindet.

8. Gebt den Frauen all ihr Recht zurück, lebt nicht länger von ihrer Ehre, sucht nicht bei ihnen die Erlösung von euren Naturfehlern. Begehrt sie nicht zur Ehe, befreit sie von eurer unmittelbaren Gegenwart, seid ihrer Gesundheit nicht mehr schädlich, laßt sie ganz für sich sein, laßt sie in eigenen Stadthälften als Priesterinnen ihres Geschlechtes wohnen!

9. Laßt die Frauen ihre eigene Sphäre gänzlich durch sich selbst ausfüllen! Die Frauen sollen ihre eigenen Erzieher, Lehrer, Ärzte, Ökonomen und höheren Amtspersonen sein. In mancher Beziehung seid ihr das Roheste, was auch innerhalb der Staatenentwicklung je dagewesen ist. Denn wenn in den alten Mythologien die höchsten Allegorien für Recht und Wissenschaft und Naturkraft weiblicher Repräsentation waren, und die Römer außerdem ihre gesamte Weisheit auf Priesterrinnen zurückführten, seid ihr solcher Ideale gänzlich bar, und stinkt überall die Pest der parfümlosen männischen Art!

10. Allein dies muß anders werden. Nicht nur einige Felder, sondern alle Gebiete sollen von Frauenkraft durchbrochen werden. Es darf fürs erste kein Komitee sich bilden, ohne daß Frauen zugezogen werden oder ihrerseits ihren Beitritt verkünden. Alle Versammlungen und Repräsentationen von Stadt und Land haben ein entsprechendes Quantum von Frauen aufzuweisen. Eine regierende Königin, da selten erscheinend, hat doppelt und dreifach gepriesen zu werden, und schließlich sollen auch die Republiken Frauen an die Spitze stellen.

11. Ihr habt ungeheuer viel umzubauen und die wesentlich von euch begründete Weltmacht aus den Fundamenten zu transformieren. Denn ihr habt euch ideell, d. h. in allen allgemeinen Einrichtungen und materiell oder physisch durch die Verzichtleistung auf die Umgebung und Gemeinschaft mit den Frauen zu bewähren. Gebt ihnen all ihre Domänen zurück und suspendiert das Wort von der verworfenen oder verletzten Perle. Wenn nichts euch von der Berechtigung solcher Forderungen überzeugen sollte, obwohl nur ein Magen, der Eisen, Nägel und brennende Kohlenstücke verträgt, hier unempfindlich bleiben sollte, so denkt, wie unerträglich vielen von euch eine Abschwächung freier Grundsätze durch Schwankungen im Staatswesen und durch das Hervortreten von einzelnen Maulhelden, die jeder höheren Überzeugung bedrohlich werden, erscheinen. Deshalb beginnt mit euch, durchgeht das ganze Feld, auf dem ihr so schreiend schlecht gewirtschaftet habt, und ihr seid bemüßigt, zu Reformen im allergrößten Stil zu schreiten.

12. Als Lohn winke euch die Annehmlichkeiten der Pflege eigener Gewohnheit, ein reines Gewissen, ein klarer Himmel und das Bewußtsein am Ende wie Philosophen der gediegensten Rasse gedacht und gehandelt zu haben, ein Ruf, von dem ihr wohl selbst kaum geträumt habt!

6. Frauentafel
Maximen für Frauen.

1. Ihr sollt Euch selbst getreu sein!

2. Ihr sollt nicht zu Gott streben! Denn dies ist nichts als ein männliches Hirnprodukt voll von Irrtümern und Fehlern. Es genüge euch, das Innere zu veredeln, und im Denken und Empfinden eine höhere Stufe zu behaupten. Außerdem existiert, wie das philosophische Denken beweist, eine Übersphäre, die zur Materie den reinsten Gegensatz bildet, mit derselben nur durch die Kategorie des Seins verbunden ist und ihr anspruchs- und teilnahmslos gegenübersteht. Dieselbe stellt sich wie das Vollkommene stets für die logische und die poetische Anschauung als weiblich dar und verdient insbesonders von der Frauenwelt immer wieder zur lebendigen Vorstellung gebracht zu werden.

3. Ihr sollt euch von den Männern nicht imponieren lassen, Einzelfälle ausgenommen, die jedoch die Regel bestätigen. Der Mann ist an und für sich kein annehmbares Beispiel. Durch seine geschlechtliche Erscheinung tief unter den eigenen Haustieren stehend und seiner Frau völlig unwürdig, durch seinen Mangel an Selbstbeherrschung und Willenseinheit das gefürchtetste aller Lebewesen, durch sein unbescheidenes Denken und Streben, das in einem irrationellem Verhältnis zu seiner geschlechtlichen Natureinrichtung sieht, ein fraglicher und bezweifelnswerter Geist oder ein vollkommener Narr, – eignet er sich schlecht dazu, an der Spitze der Welt zu stehen und das Frauengeschlecht im allgemeinen zu tyrannisieren.

4. Fühlt euch vermöge eurer unbeanstandbaren Schönheit, eurer milden Art und eures klaren Geistes als höhere Naturwesen, als ein edleres, aristokratischeres Geschlecht von natürlichem priesterlichen Nimbus umflossen. Glaubt, daß ihr auf andere höhere Naturwesen zurückführt und mit den Männern nur äußerlich verbunden waret!

5. Hasset die Männer und die Ehe! Fühlt euch als Kollektivmacht von hohem Kulturwert, der bis zur höchsten philosophischen Bedeutung sich steigert und als solcher über Leben und Tod entscheidet.

6. Deshalb erklärt jede neue Religion oder Angleichung an diese für nichtig. … Würde eine solche doch wieder optimistisch sein, während die Weisheit der Frau ethisch und pessimistisch in bezug auf das allgemeine Getriebe ist und tiefsinnig das eigene Geschlecht, nachdem es dasselbe von unlauterer Berührung befreit hat, dem Aussterben überliefert.

7. Führt einen heiligen Kampf gegen die männliche Welt, um die verlorene Ehre und Freiheit wiederzugewinnen und den Beweis zu liefern, daß euch das Ende eures Geschlechtes dem Fortleben desselben in Sünde und Schmach, in Geistesschwäche und totaler Abgestumpftheit der Sinne und des Geschmackes bevorzugenswert erscheint.

8. Wisset, daß die Ehelosigkeit aus bewußten und allgemein gültigen Gründen das vornehmste Zeichen für die geniale weibliche Verfassung ist, ja, daß sie das Genie der Frau selbst bedeutet.

9. Fordert stürmisch euren Anteil an der Rechtsprechung im Staate! Fordert mit Energie, daß der einseitige und ewig unbillig richtende Männerstaat zu bestehen aufhöre und alle Regierungs- und Verwaltungsgebiete auch von Frauen oder auf deren Anordnung besorgt werden.

10. Wisset, daß, wo weibliche Angelegenheiten oder Fälle zur Erörterung kommen, Frauen nicht nur mitberaten sollen, sondern die erste Stimme, das Primat bzw. die Entscheidung, besitzen.

11. Da ihr allein sein sollt, so fordert die Teilung der Städte nach den Geschlechtern und die Konzentrierung der gesamten weiblichen Tätigkeit auf die eigene Stadthälfte, die selbstredend auch besondere Todesstätten für das Geschlecht enthalten soll … Nur dann, wenn die häßliche Promiscuität von Männern und Frauen, die im Adel solch einen intensiven Charakter annimmt, so daß beide Geschlechter nur nach den Spitznamen unterschieden werden, aufhört, nur, wenn ihr gesondert lebt und wohnt, werdet ihr alle Rechte besitzen und alle schicklichen Berufszweige mit Leichtigkeit ausüben, während an Orten, wo der Kampf noch unmittelbar tobt und der gesamte Knäul in eins verstrickt ist, der männliche Neid und die herausfordernde und hypnotisch wirkende Art des Räubers und Totschlägers „Mann“ der Frauenwelt den Lorbeer immer wieder zu entwinden strebt.

12. Haltet euch fern von aller schädlichen Verehrung männlicher Werke und Schöpfungen. Wählt von allen nur die besten, nützlichsten … Denn der Mann hat sich durch seine proletarische Arbeits- und Produktionslust dem Bewußtsein maßlos aufgedrängt. Es gilt deshalb, sich seiner müßigen Leistungen und Lockspeisen zu erwehren. Die scheinbar edelsten Dichtungsgattungen, wie beispielsweise die Tragödie, beruhen auf Überschätzung des Affektes. Der gereifte Sinn aber geht den schweren Erschütterungen aus dem Wege und verschmäht es, häßliche oder gar schändliche Dinge oder Ereignisse, welche die Wirklichkeit mit sich führt, in einem pseudokünstlerisch zu benennenden Spiegelbilde sich neuerdings zu Gemüte zu führen. Lebt außer in der Eroberung und Behauptung eurer Rechte in der Sympathie für euer Geschlecht, sowie in der feinsten Etikette zu demselben, denn euer Geschmack hat nur noch reiner, euer Selbstgefühl gestählter und die Vorliebe für das eigene Geschlecht, für dessen Ansprüche, und Fortschritte verdichtet zu werden, damit das Rittertum der Frauen sich begründe und sich würdig dem Priestertum derselben anschließe; lebt in maßvollen von milder Gesinnung inspirierten Gefühlen und in dem Genusse der unerschöpflichen Schönheit der Natur!


Hymnus an die Übersphäre.

Ha, seht! ja seht! wie trog euch euer Hoffen,
Sie steht euch gänzlich fern, sie schuf euch nicht!
Sonst würde sie sich selbst verachten, hassen,
Sie kennt euch nicht einmal! Umsonst wirft sich
Das Volk, der Pöbel vor ihr auf die Knie!
Vergebens ist das Beten, Betteln, Schrein!
In heitrer, schöner Majestät sie thront!
Doch stets und ewig bleibt sie euch verschlossen
Verbunden mit dem niedren, plumpen Kloß
Von Stoff nur durch das Sein bewirkt sie,
So daß er selbst sich von sich selber losringt,
Allein trotz aller Formenspielerei
Kein sichres Ziel erreicht und dann und endlich
Wenn hoch er scheinbar durch Bewußtsein steht
Aufs tiefste sich verachtet, weil sein Grundsatz:
Sich höher zu entwickeln, ruht auf Schmach,
Und preist den Tod als den gekrönten Häuptling.

Verfluchung des Kaisers Titus.

Wenn du vortrefflich auch für Spott gesorgt,
Den jene sicher trifft, die dazu reizen.
Ob du hast dem Poeten auch geborgt
Motive, die so triftig sind wie Weizen;
Ob du zerstreut in alle Winde hast
Ein Schandvolk, das ja stets des Hasses Beute,
Ob du befreit von einer schnöden, öden Last,
Ein fruchtbar Land von der verdammten Meute;
Ob du beraubt um Ehr’ und Vaterland
Um Haus und Hof – ja um die letzte Scholle
Gesindel, das gefristet stets von Schand’,
gejagt, gehetzt von seines Schicksals Rolle!
So hast du dennoch, dennoch falsch gebucht
Wenn du zerstreut Verdammte und Verruchte –
Drum sei du selbst verdammt mir und verflucht!
Wenn du vertrieben hast so schwer Verfluchte,
Ob du das öde Vieh dazu gedrängt
Das Leben seicht und gläubig zu verhandeln
In öden Winkeln, Pferchen eingezwängt
Verdammt zum Lästern, Feilschen, Stinken, Tandeln,
Ob dann das Volk der Schmach und Niedrigkeit
Verhöhnt ward und geäfft auf allen Plätzen.
So hat es doch benutzt auch seine Zeit,
Um andre mit demselben Gift zu ätzen.
Ein Blinder selbst, macht es auch andre blind,
Und hemmt den Philosophen uns, den Weisen –
Fliegt da nicht alle Hoffnung in den Wind?
Drum fluch dir noch einmal, unglückseliger Kaiser!