Purpurhühner und ihre Küchlein

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Textdaten
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Autor: Alfred Brehm
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Titel: Purpurhühner und ihre Küchlein
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 44, S. 734–736
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Purpurhühner und ihre Küchlein.
Von Brehm.

Ein glückliches Zuchtergebniß, welches ich bisher nur in einer streng wissenschaftlichen, in den engsten Kreisen gelesenen Zeitschrift besprochen habe, ist es, welches mich zu nachstehenden Mittheilungen veranlaßt. Die Purpurhühner des Berliner Aquariums und bezüglich Vivariums gewährten mir und allen regelmäßigen Besuchern der von mir geleiteten Anstalt die Freude, über das Fortpflanzungsgeschäft der schönen Vögel Beobachtungen anstellen zu können. Ich spreche nicht von dem ersten bekannten Falle der Vermehrung gedachter Hühner oder richtiger Rallen im Zustande der Gefangenschaft; denn sie haben bereits einige Male in den Thiergärten zu London und Antwerpen gebrütet; aber immerhin gehört ein solches Vorkommniß zu den seltneren und hat meines Wissens noch in keinem deutschen Thiergarten stattgefunden, sowie auch eine ausführliche Schilderung desselben noch gänzlich mangelt.

Die Purpur- oder Sultanshühner (Porphyrio) bilden eine über alle Erdtheile verbreitete Gruppe der Rallen im weiteren oder der Sumpfhühner im engeren Sinne, bewohnen Brüche, Sümpfe, Zuckerrohr- und Reisfelder Südeuropas (Spaniens und Süditaliens), Afrikas, Asiens, Amerikas und Australiens, führen nach Art ihrer Verwandtschaft ein ziemlich verstecktes Leben, schreiten mit ihren langzehigen Füßen leicht über schlammigen Boden dahin, klettern geschickt an Rohrstengeln und Zweigen in die Höhe, schwimmen recht gut, fliegen aber schwerfällig und schlecht. Wie alle Rallen Allesfresser, begnügen sie sich keineswegs mit den Pflanzen und dem Kleingethier, welches ihnen ihre Wohnorte bieten, fügen vielmehr den Reisfeldern oft beträchtlichen Schaden zu und plündern außerdem in rücksichtslosester Weise alle Nester der mit ihnen in demselben Gebiete brütenden Vögel, sei es, daß sie deren Eier zertrümmern, um sich des Inhalts zu bemächtigen, sei es, daß sie die bereits ausgeschlüpften Jungen mörderisch überfallen, durch einige Hiebe ihres kräftigen Keilschnabels tödten und sodann unbekümmert ob des Klagegeschreies der Alten zerstückeln und fressen. Tristram sah sie junge Enten verzehren; ich beobachtete sie in der Gefangenschaft wiederholt beim Fangen oder richtiger Erlegen der Sperlinge, welche sich erdreisteten, von ihrem Futternapfe zu schmaußen, und mußte auch im Berliner Aquarium erleben, daß sie wiederholt Mordthaten an dem mit ihnen zusammenwohnenden Geflügel verübten, dafür sich freilich auch durch Verminderung der so lästigen Mäuse Verdienste erwarben, so daß ich mich bewogen gesehen habe, ihnen einen ganzen und vollständigen Ablaß zu verleihen. Hierbei war freilich nicht blos die Schwere ihrer Unthaten maßgebend, vielmehr kam auch ihr Aussehen und Betragen wesentlich mit in Betracht. Nicht nur, daß sie vier bis sechs schöne weiße Eier legen: die ungeachtet einer gewissen Ungefügigkeit ansprechende Gestalt, das glatte, in lebhaften Farben, vorherrschend in Grün, Blau und Sammetschwarz prangende Gefieder, die stolze und selbstbewußte Haltung, die damit verbundene Eigenschaft, sich leicht zähmem zu lassen, machen sie zu einer wahren Zierde aller Sammlungen, Thiergärten, und in Indien oder Sicilien zu einem Schmucke der Hühnerhöfe, erwerben ihnen auch aller Orten Freunde, welche rücksichtlich ihrer Uebelthaten eben so nachsichtig denken mögen wie ich.

Die Art der Gruppe, welche man am häufigsten in unseren Höfen sieht, ist das Sultanshuhn aus Nordafrika; außerdem erhalten wir eine indische und eine australische Art ziemlich regelmäßig, ebenso zwei durch ihre geringe Größe etwas abweichende Sammethühnchen aus Afrika und Amerika, niemals oder doch nur äußerst selten das europäische Purpurhuhn, aus dem der Laienwelt vielleicht auffallenden, uns jedoch sehr erklärlichem Grunde, weil Südeuropa uns überhaupt äußerst wenig Käfigvögel liefert. Alle Arten zählen zu den ausdauerndsten Gefangenen, welche ihre Familie aufzuweisen hat, und geben sich, wenn man ihre Ansprüche einigermaßen befriedigt, als genügsame Vögel zu erkennen. Verschiedene Getreide- und Körnerarten als da sind: Mais, Weizen, Gerste, Hanf, Grünzeug (Kohl, Salat, Kraut, Teichlinsen), in genügender Menge, Rüben und Möhren, ein wenig Fleisch, am liebsten solches von Fischen oder Fröschen, decken ihnen den Tisch zur vollsten Genüge und verbannen in der Regel auch so ziemlich die ihnen natürlichen Mordgedanken. So leicht sie sich bei solchem Futter an die Gefangenschaft gewöhnen, so gut sie in ihr aushalten, so selten schreiten sie übrigens zur Fortpflanzung, ohne daß man dafür eine wirklich befriedigende Erklärung zu geben wüßte. Anscheinend mit dem ihnen Gebotenen vollständig zufrieden, lassen sie doch in der Regel den liebeweckenden Lenz an sich vorübergehen, ohne entsprechende Frühlingsgefühle zu äußern. Es kommt vielleicht zu etwas Kampf [735] und Streit zwischen zwei Männchen, zu einer Absonderung der Paare und gegenseitigem Schönthun zwischen Männchen und Weibchen: das aber ist auch Alles.

Im April des vorigen Jahres zeigte sich unter der ziemlich starken Gesellschaft der Sultanshühner des Berliner Aquariums eine besonders ausfallende Unruhe, welche bald zu einer gehobenen Stimmung einzelner Stücke und sodann zu ungewöhnlicher Kampflust führte. Namentlich eines der Männchen that sich in absonderlicher Weise vor den übrigen hervor, stolzirte mit kühnerhobenem, zuweilen wippend bewegtem Schwanze im Käfige auf und nieder, gesellte sich inniger denn je zuvor zu einem Weibchen, begleitete dasselbe auf Schritt und Tritt, ließ es nicht eine Minute aus den Augen und betrachtete alle übrigen Männchen mit entschieden feindseligen und herausfordernden Blicken. Der Lockruf und vielleicht einzige Stimmlaut unserer Vögel, ein eigenthümlich dröhnendes und dabei doch klagendes „Tröö“, wurde jetzt öfters als sonst vernommen und erhielt, wie wir uns bald überzeugen sollten, die Bedeutung des Schlachtrufes, mindestens der Aufforderung zum Kampfe. Denn ohne eigentlich erklärliche Ursache stürzte sich das rufende Männchen urplötzlich auf ein anderes, welches seine Eifersucht erregt haben mochte, verfolgte es, mit weit ausgeholten Schritten dahinlaufend, durch den ganzen Raum, brachte es endlich zum Stehen und begann nun den Zweikampf nach der bei den Meisten Sumpfhühnchen üblichen Art auszufechten: es prügelte mit seinen langläufigen und langzehigen Füßen tüchtig auf den Gegner los und erhielt in derselben Weise seine Tracht Prügel zurück. Da nun aber die Liebe bekanntermaßen ganz absonderliche Fähigkeiten und Kräfte weckt, war es nicht zu verwundern, daß der angegriffene und wider seinen Willen zum Kampf gestellte Gegner stets nach kurzer Prügelei zu Boden geworfen wurde, die Stellung jedes Besiegten einnehmen mußte und sich sodann, endlich glücklich wieder freigekommen, in eine entfernte Ecke des Raumes flüchtete, ohne seinerseits auch an „Revanche“ zu denken. In demselben Maße, wie sein Muth abnahm, erhöhte sich das Selbstgefühl des siegenden Männchens, und es betrachtete sich fortan als entschiedenen Selbstherrscher im Käfige, fand auch keinen Gegner mehr, welcher es wagte, die Herrschaft ihm streitig zu machen.

Das Gebühren der Vögel, insonderheit des in Rede stehenden Männchens, hatte in mir lebhafte Hoffnung erweckt, und als nun das Pärchen sogar begann zum Neste zu tragen, wußte ich, woran ich war. Unsere Vögel hatten sich eine Niststelle erwählt, auf welche wir mit unserem erhabenen Menschenverstande gewiß nicht gekommen wären, und welche trotzdem als die günstigste des ganzen Käfigs erscheinen mußte. Abweichend von ihrer Gewohnheit, im freien Sumpfe sich eine möglichst vom Wasser umgebene Kaupe zur Niststelle zu suchen, erkoren sie sich in dem Gefelse des Käfigs die höchstgelegene Nische aus dem einfachen und auch für uns schlagenden Grunde, weil sie bei der täglichen Spülung des Käfigs und der Felsen insbesondere am meisten von dem reinigenden Wasser verschont blieb. Zu dieser Nische hinauf trugen sie in Ermangelung geeigneter Niststoffe zunächst die ihnen zur Nahrung gereichten Pflanzentheile, und als ihnen allerlei Baustoffe geboten wurden, diese letzteren. Hierbei betheiligten sich beide Geschlechtern und das streitlustige Männchen vergaß über der Arbeit allen Kampf und Streit. Schößlinge unseres gewöhnlichen Schilfes, welche ich reichen ließ, wurden dankbar angenommen und verbaut; indessen schien mir die Arbeit denn doch zu lange zu währen, und ich beschloß, helfend einzugreifen, nämlich mit eigener Hand ein Nest zu errichten. Einige gröbere Reiser als Unterlage, darauf Strohhalme und endlich aus grobem Heu die Nestmulde, das war der Bau, welchen ich errichtete. Zum Schutze gegen die übrige Bewohnerschaft des Käfigs, unter der sich ein amerikanischer Löffelreiher und ein Scharlachibis durch nicht zu zügelnde Neugier und muthwillige Zerstörungslust des Nestes, oder richtiger vielleicht durch unnütze Spielerei mit den Stoffen desselben, hervorthat, ließ sich durch Dornengeflecht eine schützende Decke über die Nische anbringen und wartete des Erfolges nicht ohne Besorgniß; denn das Nest war, so sehr es der rohen Menschenhand auch Ehre machen mochte, im Grunde genommen doch nichts Anderes, als ein Heuhaufen mit eingedrückter Mulde.

Beide Purpurhühner erschienen, sobald unser Bau vollendet war und wir den Käfig verlassen hatten, an altgewohnter Stelle, betrachteten anfänglich neugierig, sodann prüfend die getroffenen Vorkehrungen und fanden sich bewogen, unser Werk dadurch gutzuheißen, daß sie es einfach in Besitz nahmen. Das Weibchen ordnete die Halmen der Mulde, glättete sie bis zu einen gewissen Graden indem es sich wiederholt um sich selbst drehte, und blieb dann längere Zeit auf derselben Stelle sitzen, gleichsam als freue es sich des erworbenen Besitzes. Das Männchen saß währenddem außen vor dem Neste und verließ den gewählten Platz erst, nachdem das Weibchen ebenfalls aus dem Neste gegangen war. Seine Aufregung erreichte ihren Höhepunkt. Mit hochgestelztem Schwanze, welcher gelegentlich wippend bewegt wurde, um dem Vollgefühle geeigneten Ausdruck zu geben, schritt es durch den Käfig, und wüthend fiel es über jedes andere Purpurhuhn her, welches sich nahte, unhöflich auch über jedes andere Weibchen. Nebenbuhler, welche sich erdreisteten, jetzt noch Stand zu halten, wurden nicht allein mit den Füßen geprügelt, sondern auch mit Schnabelhieben und Flügelschlägen angegriffen. Die Folge davon war, daß es sich die unbedingteste Herrschaft zu sichern wußte, da sich schließlich kein anderes Purpurhuhn mehr getraute, dem kühnen Gesellen entgegenzutreten.

Das Weibchen legte am dreißigsten Mai das erste Ei in das Nest und so einen Tag nach dem anderen, bis das Gelege von vier Stücken beisammen war. Schon während des Legens brachte es täglich mehrere Stunden im Neste zu, vom sechsten Juni ab begann es regelmäßig zu brüten. Möglicherweise wechselten beide Geschlechter während des Brütens ab; wenigstens behaupteten die Wärter, dies gesehen zu haben, und zwar soll das Männchen niemals länger im Neste geweilt haben, als das Weibchen Zeit bedurfte, sich zu sättigen. Im Uebrigen behielt es seinen Stand in der Nähe des Nestes und ließ sofort seine dröhnende Stimme vernehmen, sobald sich ein anderes Huhn dem Neste näherte, während es der neugierigen Zudringlichkeit des gedachten Löffelreihers und Ibis nicht entgegenzutreten wagte. Nach siebenundzwanzig oder achtundzwanzigtägiger Brutzeit schlüpften zwei prächtige Junge aus – ein Ei hatten die Vögel selbst eingedrückt, ein anderes war faul. Beide Junge wurden mehrere Tage lang vom Weibchen im Neste erwärmt, während das Männchen Atzung zutrug. Da ich Störung durch andere Vögel befürchtete, ließ ich in einem andern Käfige ein Nest errichten und das Pärchen, nachdem es vorher durch Anspritzen mit Wasser gezeichnet worden war, herausfangen und mit seinen Küchlein in den andern Käfig bringen. Letztere waren in der That reizende Geschöpfchen, den Jungen unseres Wasserhuhnes in Größe und Färbung so ähnlich, daß man sie auf den ersten Blick wohl für solche hätte halten können, in ihrem Gebahren noch sehr ungeschickt und deshalb der sorgfältigsten Pflege im höchsten Grade bedürftig.

Diese Pflege gewährten ihnen nun freilich die besorgtem Eltern im vollsten Maße. Das verständige Weibchen schien, auch ohne daß wir die Jungen in das Nest gesetzt hatten, sehr bald unsere gute Absicht zu erkennen, führte die Jungen, welche mehr watschelnd als laufend unter beständigem Pipen der Mutter schwerfällig folgten, zunächst in das Nest, überdeckte sie vorsichtig mit den Seitenfedern der Brust und den etwas gespreizten Flügeln, und schien sie zunächst an den neuen Aufenthaltsort gewöhnen zu wollen. Die Atzung der unbehülflichen Kleinen geschah in einer überaus zarten Weise, anfänglich so gut wie ausschließlich durch die Mutter, später, als die Jungen etwas herangewachsen waren und den Alten bereits folgen konnten, durch beide Eltern. Wir hatten diesen ein nach bestem Wissen zusammengesetztes Mischfutter gereicht, welches sich auch als durchaus zuträglich erwies. Frische Ameisenpuppen und etwas fein gehacktes rohes Fleisch, mußten die thierische Nahrung, fein geriebene Semmel, gewiegter Salat und Teichlinsen die Pflanzenstoffe ersetzen, welche unserer Annahme gemäß von freilebenden Purpurhühnern zur Fütterung der Jungen verwendet werden, und wie der Erfolg zeigte, hatten wir uns nicht getäuscht. Beide Eltern näherten sich dem Futtergeschirr, suchten sich aus dem Gemisch das für ihre zarten Sprossen Tauglichste heraus, indem sie mit dem Schnabel das Futter durchwühlten, bald von diesem, bald von jenem Stoffe ein Bröckchen nahmen, oft auch das bereits Gefaßte wieder fallen ließen und ein anderes wählten, packten endlich ein kleines Bröckchen mit der Spitze des Schnabels so behutsam, daß es an dieser mehr zu kleben als von ihr gehalten zu sein schien, bogen sich hierauf zu [736] den untenstehenden Küchlein herab und hielten ihnen das Nahrungsbröckchen vor, bis das Junge sich entschloß, es vom Schnabel abzupicken.

Anfänglich trugen beide Eltern die Atzung bis in das Nest; schon mit dem achten Tage ihres Lebens aber verließen die Jungen unter Führung der Eltern ihre Sitzstelle und trippelten bis zum Futternapfe, später auch wohl weiter und weiter, bis sie endlich den Boden des ganzen Käfigs durchmaßen und über Stock und Stein wegstolperten. In der Regel führte auch jetzt noch die Mutter beide Sprossen; später aber geschah es nicht selten, daß diese sich trennten und eines hinter dem Männchen, das andere hinter dem Weibchen herlief. Und es war ein wahrhaft erbaulicher Anblick zu sehen, wie beide Eltern mit einander zu wetteifern schienen, dem ihnen eben folgenden Küchlein ihre Liebe und Sorgfalt zu beweisen. Je größer unsere Hühnchen wurden, um so selbstständiger zeigten sie sich; doch währte es sehr lange Zeit, bevor sie sich entschlossen, von dem vorgesetzten Futter ohne Mithülfe der Alten etwas aufzunehmen: sie waren schon mehr als halbwüchsig, und noch immer mußte ihnen Bröckchen für Bröckchen gereicht werden. Doch bemühten sich die Alten ersichtlich, sie weiter und weiter zu bringen, mehr und mehr zu unterrichten.

Die Futterstoffe des Gemenges wurden auch jetzt noch mit dem Schnabel dargeboten, größere Stoffe aber, welche wir anfänglich eigentlich zur Nahrung der Alten gereicht hatten, nicht mehr zerstückelt, sondern nur mit einer Klaue gepackt und so vorgehalten. Besonders hübsch sah es aus, wenn eines der Eltern einen kleinen Fisch den Jungen darreichte. Durch ein paar kräftige Hiebe des starken Schnabels wurde der Fisch zunächst an einer Seite entschuppt, hierauf durch einige Bisse gewissermaßen vorgeschnitten, die so mundrecht gemachte Stelle sodann aber dem Jungen vorgehalten, bis dieses sich entschloß, ein und andere Bröckchen loszupicken. Viele Minuten lang konnte man bei dieser Gelegenheit die Alte auf einem ihrer Füße stehen und mit dem anderen die Nahrung vorhalten sehen, bis endlich beide Küchlein gesättigt sich abwandten und damit die sorgsamen Eltern bewogen, ihnen zu folgen.

So wuchsen die Vögel zu Aller Freude gedeihlich auf und gaben uns vollste Gelegenheit, ihr kindliches Treiben sowohl, wie ihre eigenthümliche Umfärbung zu beobachten. Im Dunenkleide sahen sie bis auf den lebhaft rostrothen Flügelrand und einige zimmetrothe Stellen am Kopfrande kohlschwarz aus, der Schnabel und der Ansatz zur Stirnplatte waren hellblau, die plumpen Beine schwarzblau. Später, noch lange vor erreichtem Wachsthum, verschwand das Rostroth ganz allmählich, und auch das Schwarz wurde auf der Unterseite durch deutlich hervortretende, weißgraue Längsstreifen unterbrochen, während es auf der Oberseite der Vögelchen noch vorherrschend blieb; gleichzeitig begannen die Füße sich röthlich zu färben. Anfangs August hatten sich Rücken und Flügel schon ziemlich dicht befiedert und zwar ganz wie bei den Eltern, nur daß die Färbung der Federn etwas trüber war; auf der Unterseite dagegen verschwanden die erwähnten Streifen ganz allmählich und gingen in einen braunlich fahlgrauen Farbenton über, welcher nach und nach sich in Blau oder Graublau verwandelte, ohne daß dabei eine Feder vermausert worden wäre. Je weiter diese Färbung vorschritt, um so deutlicher wurde das Blau, so daß man alle Uebergänge durch Fahlgrau, Schmutzig- oder Graulich-Violet bis zum Grau-Blau beobachten konnte. Die Umfärbung des Schnabels und der Füße ging ebenso allmählich vor sich, und erst Mitte October hatten diese Theile eine Röthe erlangt, welche der bei allen Vögeln vorhandenen fast gleich kam. Im Decemher endlich trat die Mauser ein, durch welche die Jungen ein ihren Eltern vollständig gleiches Kleid erhielten, und damit endete auch das innige Zusammenleben zwischen Eltern und Kindern.