Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Milstrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Otto Moser
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Milstrich
Untertitel: {{{SUBTITEL}}}
aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 63–64
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: o.J. (1854–1861)
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung: Beschreibung von Rittergut und Dorf Milstrich zwischen Kamenz und Wittichenau
{{{SONSTIGES}}}
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[Ξ]
Milstrich


[63]
Milstrich.

Das Dorf Milstrich liegt am rechten Ufer der schwarzen Elster, zwei Stunden von Camenz und sechs Stunden von Budissin entfernt, an der Strasse welche von erstgenannter Stadt nach Wittichenau führt. Der Ort hat in funfzig Häusern etwa dreihundertfunfzig Einwohner, darunter zehn Bauergutsbesitzer, deren zu Anfange des vorigen Jahrhunderts hier neunzehn vorhanden waren, so wie sich auch unterhalb des Dorfes noch eine zweite Mühle befand. – Das hiesige Rittergut ist eins der bedeutendsten in der Umgegend, denn es enthält über tausend Acker Areal von trefflicher Beschaffenheit, fruchtbare am Ufer der Elster gelegene Wiesen, bedeutende Teichfischerei und wohlbestandene Waldung. An lebendem Inventar werden gehalten zwölf Pferde, funfzig Stück Rindvieh und vierhundert Schafe, auch gehört zum Rittergute eine Ziegelbrennerei und die 1853 abgebrannte Mühle. Eine bedeutende Haide, die Otterschütz genannt, war in früherer[WS 1] Zeit ebenfalls Zubehör des Rittergutes Milstrich, wurde jedoch zu Ende des vorigen Jahrhunderts unter äusserst billigen Bedingungen an das nahe Bernsdorf verkauft und mit dessen Rittergutsgebiete verbunden.

Milstrich, von den Wenden Jitrow (von Jutro der Morgen oder vielleicht auch von Jutry, Ostern) genannt, ist ein uralter Ort und war einst ein wichtiger Grenzpunkt des Milczener Gaues, und Standpunkt eines heidnischen Götzenbildes. Die Milczener hatten Jahrhunderte hindurch ihre Aecker bebaut und die Gegend, welche ihre Väter zur Niederlassung gewählt, liebgewonnen, als die Christen, in einer Hand das Kreuz und in der anderen das Schwert, die Slavischen Gauen heimsuchten und die Lehre des Friedens und der Menschenliebe durch Flammen und Ströme Blutes einzuführen begannen. Im Jahre 805 berührte Karl, Kaiser Karls des Grossen Sohn, auf seinem Zuge gegen die Slavenvölker auch diese Gegend. Das Heer rückte von Königsbrück heran, aber die Slaven gaben das Land, welches ihnen zur Heimath geworden, nicht so leicht auf. Verschanzungen und Gräben hinderten die Feinde am Vordringen wozu der Sumpf Selenz bei Ossling nicht wenig beitrug. Doch nur kurze Zeit vermochten die Slaven den kampfgewöhnten Franken zu widerstehen, sie mussten ihren Nacken unter das Joch beugen und das Götzenbild Jutros, des Morgengottes, bei Milstrich wurde zerstört. Zwar eilte Herzog Czech von Böhmen mit einem Heere zur Hülfe herbei, aber vergeblich, Karl und der Sachsenherzog Wittekind schlugen die Böhmen in einer blutigen Schlacht bei Budissin, und Herzog Czech wurde getödtet. – Nahe bei Milstrich steht an der Landstrasse eine uralte steinerne Säule, mit einem Aufsatze, worin sich zwei vertiefte Felder befinden. Das Volk behauptet die Säule sei zur Erinnerung an das Milczenervolk und seine steinernen Götter aufgerichtet, wer das alte Monument aber näher betrachtet, findet, dass die Bedeutung desselben rein christlicher Art ist, denn auf den Feldern [64] zeigt sich, obgleich sehr verwittert, die Kreuzigung Christi und die Auferstehung. Die Gemeinde zu Milstrich führt in ihrem Siegel dasselbe Bild der Kreuzigung (ein Kruzifix mit zwei nebenstehenden weiblichen Figuren) wie es die alte Säule zeigt, und die Sage behauptet, dass einst auf deren Stelle ein Kloster gestanden habe. Nach aller Wahrscheinlichkeit ist die Säule ein altes Heiligthum aus dem funfzehnten (kaum aus dem vierzehnten) Jahrhundert, das den Wanderer an seine religiösen Pflichten erinnern sollte, wie man denn dergleichen Säulen noch hier und da an Hauptstrassen z. B. bei Halle und Leipzig findet, welche dieselben Bilder enthalten.

Die frühesten Besitzer des Rittergutes Milstrich sind unbekannt, doch kann man mit ziemlicher Bestimmtheit annehmen, dass selbiges im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert ein Besitzthum der Herren von der Duba war, eines stolzen, reichen Geschlechts, das die meisten nahen Rittersitze innehatte, und in vielfachen Fehden mit den eben so mächtigen Herren von Camenz lag. Im sechszehnten Jahrhundert befanden sich zu Milstrich zwei Rittergüter, von denen eines der schon länger hier ansässigen Familie von Ponikau, das andere denen von Luttitz gehörte. Hans Christoph von Ponikau, der auch Königswartha und Pulsnitz besass, verkaufte am 22. December 1595 seinen Rittersitz zu Milstrich an Friedrich von Luttitz, der schon 1592 unter den Rathmännern auf dem Rittertage zu Budissin genannt wird. Ob Heinrich von Luttitz, der 1644 bei Camenz von Soldaten ermordet wurde, Herr auf Milstrich war ist nicht bekannt, Esaias von Luttitz aber besass das Gut 1684, wo er auf dem Rittertage zu Budissin als Besitzer fungirte. Als Esaias von Luttitz am 6. September 1692 mit Tode abging hinterliess er seinen Söhnen Gottlob und Esaias, jedem zur Hälfte, das Rittergut Milstrich, doch wurden beide Theile durch Esaias von Luttitz bald wieder vereinigt. Am 17. Mai 1721 entstand in dem Herrenhause zu Milstrich ein furchtbarer Brand, bei welchem dessen Besitzer durch die Flammen dergestalt verletzt wurde dass er am 18. Juni starb. Den 12. December desselben Jahres erhob der Landesherr das Rittergut Milstrich zum Allodialgute und es nahm dasselbe die Wittwe des verunglückten Esaias von Luttitz Friederike Margarethe geborene von Haugwitz aus Königswartha, nebst ihrem ältesten Sohne Ernst Christian Adolf von Luttitz in Lehn, verkaufte es jedoch schon 1730 an den königlich Polnischen und churfürstlich Sächsischen Kabinetsminister und Geheimrath Grafen von Hoym, auf Schlaventitz und Althammer der im nächsten Jahre auch Döbra, Trado, Skasska, Liesske, Ossling und Liebegast an sich brachte. Vom Grafen Hoym gelangte Milstrich 1731 an die Gräfin von Vitzthum, seine Schwester, die 1753 mit Tode abging und das Gut ihrem ältesten Sohne, dem Minister Ludwig Grafen von Vitzthum-Eckstädt hinterliess, welcher 1777 starb. Von dessen drei hinterlassenen Söhnen erkaufte Milstrich 1791 Andreas von Ludwig, welcher es seiner Tochter, Anna Katharine, der Gattin des Hauptmanns von Hacke testamentarisch überliess, die das Gut 1803 an Johann von Kanig verkaufte, nach dessen am 7. October 1821 erfolgtem Tode es sein Sohn, Herr Karl August von Kanig, der jetzige Besitzer, erhielt.

Milstrich ist mit Skasska, Ossling, Trado, Liesske, Zeissholz, Weissig und Döbra in die Kirche zu Ossling eingepfarrt, die ursprünglich dem Apostel Petrus geweiht war und unter dem Archidiakonat zu Camenz stand. Das alte, baufällige Gotteshaus, welches schon von den Hussiten mehrfach heimgesucht worden war, hatte trotz häufiger Reparaturen und Anbauten bald keinen hinreichenden Raum mehr für die zahlreiche Gemeinde, so dass in den Jahren von 1803 bis 1805 ein Neubau vorgenommen werden musste, der 14,800 Thaler kostete. Die neue Kirche ist ein schönes, massives Gebäude mit stattlichem Thurme, trefflicher Uhr und drei aus der ersten Hälfte des funfzehnten Jahrhunderts herrührenden Glocken. Der Altar, welcher aus der alten Kirche herrührt, enthält eine Inschrift, welche besagt, „dass im Jahre 1646 Johann Friedrich Knoche auf Döbra und Skasska, Amtshauptmann und Commandant der Festung Senftenberg diesen Altar zu Gottes Ehren eingesetzt und aufgerichtet habe.“ Die kirchlichen Legate, zum Besten armer Leute gestiftet, rühren von den Familien Ponikau, Luttitz, Haugwitz, Metzrad und Ludwig her. – – Die Schule zu Milstrich, welche auch von den Döbraer Kindern besucht wird, brannte im Jahre 1836 ab, und ist das Jahr darauf an einer anderen Stelle wieder aufgebaut worden.

O. Moser, Redacteur.     




Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: frühererer