Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Oberweischlitz

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Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Oberweischlitz
Untertitel:
aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 133–134
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 201.jpg
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Oberweischlitz


im Voigtländischen Kreise, im Gerichtsamte Plauen, auf der Westseite der Elster, 2 Stunden südlich von Plauen und eben so weit nördlich von Oelsnitz, gelegen. Oberweischlitz hat 33 bewohnte Gebäude mit 33 Familienhaushaltungen und 204 Einwohnern. Die letzteren nähren sich meistentheils vom Ackerbau, doch gibt es auch verschiedene Handwerker hier, und Tagelöhner finden in der in Unterweischlitz befindlichen Spinnfabrik Beschäftigung.

Bisher gehörten noch hierher Klein-Eckhaus, Lanneckhaus und Theile von Berglas, Geilsdorf, Rosenberg und Grosszöbern.

Das Gut selbst besitzt noch eine Mühle mit 3 Gängen, schöne Ziegelbrennerei und gute Schäferei.

Bis zum 13. Jahrhundert war das Rittergut Oberweischlitz mit Unterweischlitz vereinigt, und der Herrensitz befand sich im letzteren.

Die Besitzer waren die Herren von Weischlitz.

Diese Herren von Weischlitz waren die treuesten Anhänger der Voigte von Plauen. Adam von Weischlitz, als treuer Vasall, musste nach Besiegung der Voigte als Geächteter herumirren. Später erhielt derselbe Verzeihung und durfte auf sein Gut zurückkehren.

Im 14. Jahrhundert war Jobst von Feilitzsch mit Oberweischlitz beliehen. Urban von Feilitzsch besass es bis 1482, dem Christoph von Feilitzsch folgte. Er war Oberhofmarschall und Oberstallmeister und starb 1540.

In neuerer Zeit kam das Gut in die Hände der Familie Kasten. Frau Finanzcommissar Kasten überliess es in diesem Jahrhundert ihren beiden Söhnen, Herrn Ludolph Kasten und Herrn Stadtrichter Kasten in Schneeberg. Seit dem Tode des ersteren, welcher vor 3 Jahren erfolgte, besitzt das Gut Herr Stadtrichter Kasten allein. Das Gut mit Rosenberg hält 853 Acker und 15 Quadratruthen mit 9829,83 Steuereinheiten.

Oberweischlitz wie Unterweischlitz hat durch die Drangsale des dreissigjährigen Krieges viel erdulden müssen. Hier war es, wo vorzüglich der General Holke mit seinem zusammengerafften Heereshaufen plünderte und die armen Einwohner bis an den Bettelstab brachte.

Von dem oberhalb Weischlitz liegenden Lanneckhaus in dem reizenden und hier sehr romantischen Thale der Elster hat sich eine Sage erhalten:

„Hier soll ein Ritter von Weischlitz in einem unterirdischen Gange sich längere Zeit vor den Nachstellungen seiner Feinde verborgen haben. Trotzdem mag aber sein Aufenthalt ausgekundschaftet worden sein; denn viele Reisige umstellten eines Tages das Haus und suchten die verborgensten Winkel aus. Glücklicherweise war der Herr von Weischlitz noch rechtzeitig durch ein Bauernrädchen von der drohenden Gefahr benachrichtigt worden und er entkam den Nachstellungen.

Zum Danke für die Hochherzigkeit der bäuerlichen Jungfrau, die mit Gefahr ihres eigenen Lebens den Ritter in ihrem eigenen engen Stübchen [134] dann versteckt gehalten, habe letzterer solche später als seine Gemahlin erkoren und eine glückliche Ehe diese That gekrönt. –

Von Plauen und Oelsnitz aus werden öfter den Sommer über Parthien nach dieser reizenden Gegend und auf das sogenannte Laneckhaus unternommen. Lachende Auen mit grotesken Felsen entzücken das Auge des Wanderers.

Durch Oberweischlitz führt die von Oelsnitz nach Schleiz führende Strasse, die seit dem Bau der sächsisch-bayerischen Eisenbahn fast ganz liegen geblieben ist, da man als Transportmittel die Eisenbahn von Plauen nach Reuth vorzieht. Deshalb wird auch jetzt blos von Reuth aus nach Schleiz die Chaussee unterhalten.

Oberweischlitz ist mit Unterweischlitz durch die Elsterüberbrückung verbunden und durch gute Uferbauten ist den früheren Ueberschwemmungen der Elster vorgebeugt.

Oberweischlitz ist mit Unterweischlitz und Rosenberg nach Kürbitz eingepfarrt, deren Geschichte schon bei der Beschreibung von Kürbitz erzählt ist.

Zu Zeiten des Herrn Kammerherrn von Seckendorf, welcher Unterweischlitz in den zwanziger Jahren noch besass, war hier öfters ein Zusammenfluss von hohen Beamten und grossen Gelehrten. Hier fand der berühmte Professer Spohn in der ältesten Tochter des Herrn von Seckendorf den Gegenstand seiner ersten Liebe. Leider ereilte ihn als Bräutigam der Tod und war ihm sonach nicht das Glück beschieden, an der Seite eines vortrefflichen Wesens von seinen Studien in fremden Ländern sich zu erholen.

Die in Unterweischlitz befindliche Spinnfabrik ist von Herrn von Seckendorf erbaut, später an den Kaufmann Möckel in Plauen verkauft worden, von welchem solche die Gebrüder Lehmann aus Leipzig (in Chemnitz etablirt) acquirirt hatten. Zu dem Vermögen der letzteren entstand im Jahre 1850 Concoursprocess, wodurch die Spinnfabrik dann längere Zeit ausser Thätigkeit gesetzt war.

Jetzt ist solche wieder im Gange und gewährt vielen armen Leuten Nahrung und Unterhalt.

Freilich ist auch nicht zu leugnen, dass der Betrieb dieser Fabrik erst viele Unbemittelte herbeigezogen hat.

Beide Rittergüter hatten bisher ihre eigene Gerichtsbarkeit, bei welchen Dr. Lorenz aus Plauen als Gerichtsdirector fungirte. Seit der neuen Gerichtsorganisation gehört Oberweischlitz zum Bezirksbericht Plauen, zur Amtshauptmannschaft der letzteren Stadt und zum Regierungsbezirke Zwickau.

M. G.