Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Preititz

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Textdaten
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Autor: Otto Moser
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Titel: Preititz
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aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 17–19
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Preititz


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Preititz.


In einer nordöstlich von Budissin sich verflachenden Thalgegend, welche von den Kreckwitzer, Hochkircher, Gröditzer und Baruther Höhen eingeschlossen, und den Nadelwitzer und Löbauer Gewässern durchflossen wird, liegt, eingehüllt in freundliches Laubholz, das Rittergut Preititz. Die Gegend gehört zu den angenehmsten und fruchtbarsten der Oberlausitz, obgleich die Lage des Ortes seine Fluren nicht selten den Verheerungen heftiger Gewitterregen aussetzt. Die reizendste Ansicht des Thales geniesst man von den Anhöhen beim Dorfe Kleinbautzen, wo die sanftansteigenden Berge mit Gröditz und Hochkirch, und im Thale das freundliche Purschwitz, nebst den Kreckwitzer Höhen eine Landschaft bilden, welche an Thüringens goldene Aue erinnert. Rückwärts breitet sich eine ausgedehnte Ebene hin, auf welcher sich die Dörfer Malschwitz, Klix und Pliskowitz auszeichnen, und in kurzer Entfernung von Kleinbautzen ragt der graue Teufelsstein empor, wo einst, wie die Sage behauptet, im finsteren Heidenthume die Wenden ihren Göttern opferten. Der Teufelsstein besteht aus einer Masse wild durcheinander geworfener Granitblöcke von abentheuerlicher Bildung, so dass die Phantasie in einem der Felsstücken, leicht einen gewaltigen Thierkopf, und in einem anderen eine abgestutzte ungeheure Keule zu erblicken glaubt. Künstliche, kreuzartige Einschnitte auf einem der Blöcke, und unbestimmte Spuren menschlicher Bearbeitung an anderen derselben, auf den Höhen von Kreckwitz haben bei den Bewohnern der nahen Ortschaften, über den unheimlichen Teufelsstein mancherlei Sagen erzeugt; unverkennbar aber weisen verschiedene Spuren an den Steinmassen darauf hin, dass sie in uralter Zeit zur Gottesverehrung gedient haben mögen.

Woher Preititz seinen Namen haben mag lässt sich nicht angeben. Die Wenden nennen den Ort Pschiwczizy, eine Uebersetzung dieses Wortes ist indessen auch hier nicht möglich, da der Name wahrscheinlich ein verstümmelter ist. Die Behauptung dass Preititz das Dorf Prezez gewesen sei, welches König Wratislaus von Böhmen, im Jahre 1165 dem Bisthum Meissen zur Entschädigung überliess, und das in pago Milzana gelegen war, ist durch Nichts erwiesen, ohne Zweifel aber ist Preititz ein uraltes Dorf, in dem der treffliche Boden schon die frühesten Einwohner zur Bebauung veranlassen musste, wofür auch die Ueberbleibsel von nahen Opferstätten, und sonstige Spuren eines vor länger als einem Jahrtausend hier wohnenden Slavenstammes sprechen.

Die ältesten Nachrichten über Preititz gehen nicht weiter als bis zum Anfange des siebzehnten Jahrhunderts zurück, wahrscheinlich vernichteten die Ilussiten, welche in den Jahren 1429 bis 1431 die Lausitz mit ihren schreklichen Einfällen heimsuchten, und kaum eine Stunde von Preititz, bei Baruth, verschiedene Male ihr Lager aufgeschlagen hatten, mit der ihnen eigenen Bestialität, auch Dorf und Schloss Preititz mit allen darin vorhandenen Urkunden. Die wilden Horden zogen über Preititz und Kleinbautzen nach der Stadt Bautzen, und Feuer, Raub und Mord bezeichneten überall ihren entsetzlichen Weg. Nicht weniger unmenschlich hausten in hiesiger Gegend zur Zeit des dreissigjährigen Krieges die Schweden, und somit ist es wohl erklärlich, dass alle Urkunden und sonstigen älteren schriftlichen Nachrichten über Preititz verloren gingen, worunter sich auch das älteste vorhandene Kirchenbuch vom Jahre 1602 befand.

Im sechszehnten Jahrhundert scheinen das Gut, die Herren von Ponickau und später die von Metzradt besessen zu haben; im Jahre 1603 aber gehörte es Rudolfen von Rechenberg auf Kleinbautzen, Preititz, Sohland, Rodewitz, Krostau und Oppenbach, einem frommen Edelmanne, der die Kirche erbaute, und mit seiner Gemahlin Kunigunde, aus dem Geschlechte Uechtritz, mehrere nicht unbedeutende Legate stiftete, deren Zinsen die Kirche und der Pfarrherr bezogen. Die Herren von Rechenberg besassen Preititz bis zum Jahre 1655, wo es an die Familie von Nostitz kam, von der 1674 Carl Heinrich von Nostitz als Herr auf Preititz, Dehsa, Malschwitz, Zieschitz, Baschitz, Horka, Assmannsdorf und Cannewitz genannt wird. Er war Kammerherr des Churfürsten Johann Georg II., fürstlich Anhaltischer wirklicher Rath, Stallmeister, Kammerjunker und Kriegscommissair des Bautzner Kreises. Nach dem Tode seines Vetters, Wolf Christoph von Nostitz auf Kleinbautzen, kaufte der Kammerherr von Nostitz zu seinen übrigen Rittergütern auch Kleinbautzen hinzu, für das er den unbegreiflich billigen Preis von 14000 Thalern zahlte. Tief betrauert starb der edle, wohlthätige Mann 1684 im hohen Greisenalter, und sein Sohn, Carl Gottlob von Nostitz auf Halbendorf, Churfürstlich Sächsischer Kammerherr und Amtshauptmann zu Stolpen, von dem das Kirchenbuch sagt, dass er „den [18] Hochseligsten Herrn Vater in allen Hochrühmlichen Qualitäten und Ehren, als auch Christmilden Tugenden nachgeahmet, trat in den Besitz von Preititz, doch gehörte dieses Gut 1701 einer Gräfin von Solms, geborenen Freiin von Lützelburg auf Baruth, und 1704 dem Freiherrn Anton von Lützelburg. Im Jahre 1710 besass Preititz die Reichsgräfin von Reuss, und 1735 die Gräfin von Redern, eine geborene Gräfin Reuss, von der das Gut an die Familie von Ziegler und Klipphausen gelangte. Als Herren auf Preititz finden sich 1737 Carl Gottlob von Ziegler und Klipphausen, der auch die Güter Ober- und Mittelcunewalde und Cannewitz besass; 1760 Ferdinand Rudolf von Ziegler und Klipphausen, des Vorigen Sohn, Herzoglich Sachsen-Gothaischer Hauptmann, welcher von Georg Heinrich von Carlowitz Kleinbautzen erkaufte, und 1791 mit Tode abging. Seine Wittwe, Friederike Auguste geborene von Schlieben übernahm die Besitzungen ihres verstorbenen Gemahls, vermählte sich indessen später mit dem Reichsgrafen, Ludwig Gottlob von Lüttichau, Churfürstlich Sächsischem Landeshauptmann der Oberlausitz. Von den sechs Töchtern des verstorbenen Herrn Ferdinand Rudolf von Ziegler und Klipphausen blieben bloss vier am Leben, von denen eine sich mit dem Geheimen Finanzrath von Polenz, die andere mit dem Geheimen Finanzrath von Minkwitz, die dritte mit dem Landescommissair von Carlowitz und die vierte mit dem Grafen von Hasslingen vermählte. Durch Erbrecess vom Jahre 1802 besassen diese Damen Cunewalde, Preititz, Kleinbautzen, Pliskowitz und Trampe bei Berlin. Im Jahre 1809 erkaufte Preititz der nachmalige Geheimrath, Oberkammerherr und Oberhofmeister, Gottlob Heinrich von Minkwitz, Gemahl der jüngsten Tochter des Hauptmanns Ferdinand Rudolf von Ziegler, während eine andere Tochter desselben, die Gemahlin des Landescommissairs von Corlowitz, Kleinbautzen an sich brachte. Preititz blieb im Besitz des Oberkammerherrn von Minkwitz bis 1847, wo er dasselbe an seine beiden Söhne, den Rittmeister und den Kammerherrn von Minkwitz verkaufte, von welchen das Gut 1852 an den jetzigen Besitzer, Herrn Kammerherrn Heinrich August von Globig überging.

Das kleine Schloss, welches auf dem Bilde dargestellt ist, wurde 1789 von dem Hauptmann Ferdinand Rudolf von Ziegler und Klipphausen erbaut, wobei derselbe die Absicht hegte, das alte baufällige, wahrscheinlich in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, von einem Herrn von Nostitz aufgeführte Wohnhaus abzubrechen. Das alte Gebäu stand indessen noch bis zum Jahre 1853, wo der Kammerherr von Globig es abtragen liess.

Das Rittergut Preititz liegt zwei Stunden von Bautzen, und ebensoweit von Weissenberg entfernt, ist, nebst dem Dorfe Preititz nach Kleinbautzen eingepfarrt, und enthält, vereinigt mit dem damit verbundenen kleinen Rittergute Cannewitz 480 Acker Feld, 150 Acker Wiesen, 50 Acker Waldung und 10 Acker Triften. Der Boden ist fast durchgängig von vorzüglicher Güte, und aus diesem Grunde hat man auch die vormals hier befindlichen vielen Teiche nach und nach in Felder und Wiesen umgewandelt. Das lebende Inventarium des Rittergutes besteht aus 12 Pferden, 80 Stücken Rindvieh und 400 Schaafen. Das Dorf zählt 260 Einwohner, worunter 1 Halbhüfner, 21 Kleingärtner, und 5 Häusler. Bis auf wenige Personen sind alle Bewohner von Preititz Wenden, doch sprechen sie fast alle etwas deutsch, während Sitten und Kleidung ebenfalls immer mehr den deutschen Charakter annehmen.

Wie schon erwähnt, ist über die frühesten Schicksale des Rittergutes und Dorfes Preititz Nichts auf unsere Zeiten gekommen, ohne Zweifel aber ist es im Hussitenkriege, sowie im dreissigjahrigen Kriege der Brutalität roher Soldatenhaufen vielfach preisgegeben worden, auch haben pestartige Krankheiten Preititz oft heimgesucht. Im Jahre 1749 verheerte die Fluren ein entsetzliches Hagelwetter, und am 1. August 1747 tobte ein fürchterlicher Orkan, der ungemeinen Schaden anrichtete, und einen freistehenden Birnbaum von elf Fuss Umfang in der Mitte entzweibrach. 1757 fouragirten die Preussen, welche unter dem Prinzen von Bevern, und General Winterfeld bei Purschwiz lagerten, in hiesiger Gegend so arg, dass den armen Landleuten dadurch ein unersetzlicher Schaden erwuchs, und Manche ihr ganzes kleines Vermögen einbüssten. Ein ebenso unglückliches Jahr war das folgende, wo in den ersten Tagen des Octobers die Oesterreichische Armee, unter Anführung des Grafen von Daun Kittlitz, Lehna und die Wohlischen Höhen besetzt hielt, während die Linie des Preussischen Lagers von Hochkirch bis Kotitz reichte. Die Drangsale der unglücklichen Dorfbewohner lassen sich nicht schildern; was von ihrem Eigenthum fortzuschleppen war, wurde mitgenommen, und kaum hatte ein Soldatenhaufen den Ort verlassen, so erschien ein anderer mit gleicher Raublust, und die gänzlich mittellosen Leute wurden gemisshandelt, und ihnen das letzte Kleidungstück entrissen. Allein im Pfarrhause zu Kleinbautzen, wo der General von Schmettau sein Quartier genommen hatte, befanden sich hundert Pferde, man schlug Kisten und Kästen auf, und trieb das Vieh fort. Den damaligen Pfarrherrn Schirach, jagten die Soldaten mit geschwungenen Säbeln im Hause herum, und setzten ihm Pistolen auf die Brust, um ihn zur Herausgabe etwa versteckter Habseligkeiten zu bewegen. Um fünf verwundete Soldaten verbinden zu können, gab Pastor Schirach sein letztes Hemd vom Leibe, und war bei allen Gefahren, die ihn umgaben noch froh, dass er Weib und Kinder zeitig genug nach Niedergurig geschickt hatte, denn alle benachbarten Ortschaften, wie Hochkirch, Pommritz, Drehsa, Gröditz und andere mehr, waren bloss noch rauchende Schutthaufen. Am dreizehnten Tage zogen die Preussen ab, nachdem sie die Wirthschaftsgebäude des Rittergutes Kleinbautzen niedergerissen und das Holz zu Lagerfeuern verwendet hatten.

Am 4. Juni 1759 befand sich die Oesterreichische Armee, unter dem Grafen Daun abermals hier, und wirthschaftete mit soldatischer Natürlichkeit dergestalt, dass bald Scheune und Ställe geleert waren. Späterhin kamen die Preussen, bei denen sich König Friedrich der Grosse befand. Dieser liess den Pastor Schirach zu sich kommen, und zog verschiedene Erkundigungen bei ihm ein, unter Anderem, ob die Oesterreichischen Husaren, welche am Morgen vorher mit den Preussen scharmuziret im Dorfe gewesen, und die Offiziere bei ihm übernachtet hätten. Noch einmal, im Jahre 1762, fühlte die Lausitz, und mit ihr auch Preititz die Beschwerden des siebenjährigen Krieges, bis endlich das fruchtbare Jahre 1763, durch den von Millionen erflehten Hubertusburger Frieden, den Völkern Ruhe und Sicherheit wiedergab.

Funfzig Jahre waren die Schrecken des Krieges von Preititz ferngeblieben, als im Jahre 1813 der Ort, nebst dem nahen Kleinbautzen eine traurige, kriegsgeschichtliche Bedeutung erlangte, indem er fast in der Mitte des Terrains lag, auf dem die Schlacht von Bautzen geschlagen wurde. Nördlich von Preititz stand am 20. und 21. Mai 1813, der rechte Flügel der Alliirten, unter Barklay de Tolly, von Malschwitz bis Gleina; das Centrum stand unter General Blüchers [19] Anführung auf den Kleinbautzner und Kreckwitzer Höhen, südlich und westlich aber dehnte sich der linke Flügel aus. Dieser wurde am 20. Mai von den Franzosen angegriffen und zurückgedrängt, während die übrigen Positionen der Armee dieselben blieben. Am 21. Mai des Morgens fand ein neuer Angriff auf den zurückgedrängten linken Flügel der Verbündeten statt, der abermals weichen musste, jedoch endlich bei Pielitz Stand hielt. Während des Angriffs auf den linken Flügel, drang Marschall Ney gegen den rechten Russischen Flügel vor, wobei an der Windmühle bei Gleina ein furchtbarer Kampf entbrannte, in dem die Russen gezwungen wurden, nach Baruth zurückzuweichen; Preititz aber nahmen die Franzosen mit Sturm. Durch die Wegnahme von Preititz, war die Verbindung Barklay de Tollys und Blüchers völlig aufgehoben, und der Rückzug der Preussen bedroht, deshalb stürmten nunmehr die Russen Preititz und warfen die Franzosen nach furchtbarer Gegenwehr aus dem Orte heraus. Gegen ein Uhr Mittags eilte der Kaiser Napoleon selbst mit seinen Garden und einem Corps Cavalerie von Burg herbei, und führte seine Truppen gegen Blücher, der noch wenig beunruhigt auf den Höhen bei Kreckwitz stand. Als nach muthigem Widerstande Blüchers, von Baruth her, die Division Lagrange mit zweiundzwanzig Geschützen gegen Preititz heranzog, mussten die Preussen endlich ihre Stellung verlassen, doch zogen sie sich in ziemlicher Ordnung zurück, indem sie von Kleinbautzen aus ihre rückgängige Bewegung deckten. Der Rückzug begann gegen vier Uhr des Nachmittags, und fast zu gleicher Zeit zeigte sich von Klix her das siebente französische Armeekorps, und passirte durch Preititz, wo das Rittergut und ein Theil der Dorfgebäude in Flammen standen. Das Schlachtfeld, namentlich bei Gleina, sowie zwischen Preititz und Kleinbautzen, war mit Todten und Verwundeten bedeckt, und am Abend des 21. Mai, glühten die Feuerscheine von nicht weniger als funfzehn brennenden Dörfern am Himmel auf, darunter sich auch Preititz und Purschwitz befanden. Die Einwohnerschaft hatte sich während der Schreckenstage mit ihren besten Habseligkeiten in die Haide geflüchtet, und als die armen Menschen zurückkehrten, fanden sie alles Zurückgelassene geraubt oder zerschlagen, und ihre Wohnungen in Aschenhaufen verwandelt. Selbst die Kirche war von den wüthenden Soldaten stark beschädigt worden, man hatte die Thüren und Kirchstühle herausgerissen, und manches in dem Gotteshause aufbewahrte werthvolle Stück aufgefunden und mitgenommen. Nach der Schlacht bei Dresden wurde Preititz das letzte Mal von plünderungslustigen Marodeurs und häufigen Durchmärschen geplagt, bis die Sonne des Friedens nach der Schlacht bei Leipzig ihre Strahlen wiederum segensreich auf unser schwergeprüftes Vaterland herabsenkte.

Das Jahr 1829 brachte Preititz neues Unheil, indem am 25. Mai, auf dem dasigen Edelhofe Feuer ausbrach, und die Wirthschaftsgebäude desselben, sowie einige Häuser des Dorfes in Asche legte. In den Jahren 1836 und 1837, wurden die Gemeinden Preititz und Kleinbautzen von den drückenden Frohndiensten abgelöst, wodurch der Wohlstand und die Zufriedenheit der Einwohner nicht wenig gewannen. Im Jahre 1838 hatte Preititz das Glück den vor wenigen Monaten fern von Seinem treuen Sachsenvolke geschiedenen, hochseligen König Friedrich August zu beherbergen. Der leutselige, unvergessliche Fürst, dessen trauriges, unvorhergesehenes Ende jedem guten Menschen heisse Thränen der Rührung und des gerechtesten Schmerzes auspresste; geruhte damals eine ächtwendische Hochzeit mit Seiner Gegenwart zu beehren, wobei der mildherzige König, mit den Ihn begleitenden hohen Herrschaften viel Heiterkeit zeigte.

Die Kirche zu Kleinbautzen, wohin Preititz eingepfarrt ist, gehörte vor der Reformation höchst wahrscheinlich zu dem Sprengel der Nikolaikirche in Bautzen, und war damals eine kleine unansehnliche Kapelle, welche im Jahre 1602 oder 1603 der damalige Rittergutsbesitzer auf Preititz und Kleinbautzen, Rudolf von Nostitz abbrechen und an ihrer Stelle ein neues Gotteshaus errichten liess, das jedoch während des dreissigjährigen Krieges so baufällig geworden war, dass Hans Ernst von Rechenberg eine bedeutende Reparatur desselben vornehmen lassen musste. Trotzdem war die Kirche bald darauf wieder in einem so üblen Zustande, dass Karl Heinrich von Nostitz auf Preititz, und Wolf Christoph von Nostitz auf Kleinbautzen eine neue Reparatur beschlossen, aus der jedoch fast ein Neubau wurde. Die Kirche war im Jahre 1678 soweit hergestellt, dass der Gottesdienst in selbiger abgehalten werde konnte. In den Jahren 1747, 1761, 1765, 1776, 1777, 1813 und 1822 mussten neue Reparaturen vorgenommen werden, und 1678 sowie 1761 erhielt die Kirche neue Glocken. Obgleich das Gotteshaus nicht zu den grössten und schönsten der Oberlausitz gerechnet werden kann, gehört es doch zu den freundlichsten und hellsten, und steht als Zierde des anmuthigen Dörfchens auf dem nördlichen Ende desselben inmitten des Friedhofes, umgeben von Silberpappeln, Birken, Fichten und uralten Linden. Im Inneren der Kirche befinden sich eine Anzahl Epitaphien der adeligen Familien, welchen einst die Rittergütter gehörten, worunter sich namentlich die lebensgrossen Statuen Carl Heinrichs von Nostitz in voller Ritterrüstung, und seiner Gemahlin, Elisabeth Barbara, aus dem Geschlechte der Ziegler und Klipphausen, auszeichnen. Beide Figuren, vortrefflich gearbeitet und mit lebhaften Farben gemalt, gleichen in einiger Entfernung lebenden Personen. Unter einer Anzahl von Grüften ist das Nostitzsche Erbbegräbniss zu erwähnen, welches 1678 der mehrfach genannte Carl Heinrich von Nostitz erbauen liess. Der Pastor Schirach, dessen bereits einigemale Erwähnung geschah, war als ein vortrefflicher Redner und tüchtiger Schriftsteller bekannt, und für eins seiner landwirthschaftlichen Werke „der Sächsische Bienenvater“ empfing er von der Churfürstin im Jahre 1766 eine goldene Medaille. – Die Kirche und Schule zu Kleinbautzen stehen unter gemeinschaftlicher Collatur der Rittergutsbesitzer zu Kleinbautzen und Preititz.

Otto Moser, Redact.