Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Rössnitz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: M. G.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Rössnitz
Untertitel:
aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 197–198
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: SLUB DresdenCommons
Kurzbeschreibung:
{{{SONSTIGES}}}
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[Ξ]
Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 297.jpg
[197]
Rössnitz


11/2 Stunde von Plauen am östlichen Fusse des Eichigts, am Rosenbache gelegen, ringsum von grossen Waldungen umgeben, die früher noch viel bedeutender waren.

Rössnitz ist ein sehr alter schon von den Sorbenwenden angelegter Ort, welcher nach Vertreibung und Unterjochung derselben im 12. Jahrhundert den deutschen Herren oder dem Orden der Marianer gehörte, welche in dem Besitz dieses und vieler anderer hiesiger Güter bis zur Aufhebung dieses Ordens sich behaupteten.

Erst im 15. Jahrhundert kam auch Rössnitz an eine adliche Familie, und zwar an die reiche und angesehene Familie von Reibold.

Zu Ende des genannten 15. Jahrhunderts lebte der Ahnherr dieser Familie, Philipp von Reiboll auf Rössnitz, welcher das in der Abbildung befindliche alte Schloss erbaut hat.

Ihm folgte Hans von Reibold, welcher das grosse Schloss in Neundorf erbauen liess, und der nach seinem tragischen Ende, dessen wir schon bei der Beschreibung von Neundorf Erwähnung gethan, Joachim von Reibold seine grossen Besitzungen hinterliess. Ausser Rössnitz besass nun Joachim von Reibold auch Neundorf mit Strassberg, Netzschkau, Sachsgrün, Ebmath, Haselbrunn, Polenz, Gutenfürst, Kloschwitz und Thannhof. Auf ihn folgte der Kammerjunker und Obersteuereinnehmer Johann Christoph von Reibold, der es wieder Johann Joachim von Reibold, hinterlies, welcher noch in der Mitte des 17. Jahrhunderts im Besitze von Rössnitz war.

Nach ihm finden wir als Erblehn- und Gerichtsherrn von Rössnitz Johann Adolph von Reibold und mit Beginn des 18. Jahrhunderts den Oberforstmeister Hans von Reibold, welcher bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts Rössnitz noch behauptete.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts kam es an die Familie Adler. Der Advocat Adler besass es noch in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts. Derselbe hat viel für die Verbesserung der Oeconomie des Gutes gethan und die Forstkultur auf das Vortrefflichste gepflegt. Unter ihm wurden auch die Hand- und Spannfrohndienste, welche für das Gut geleistet werden mussten, und zwar von verschiedenen Orten, wie von Kloschwitz, Kobitschwalde, Schneckengrün u. s. w. abgelöst und bezüglich der Huthbelasteten ein Vergleich abgeschlossen, der Seitens Herrn Adlers dessen grosse Menschenfreundlichkeit auf das Klarste documentirte.

Bald darauf ging Herr Advocat Adler mit Tode ab und ihm folgte sein Sohn, Herr Adolph Adler, welcher seine Ausbildung auf dem früheren Lyceum in Plauen erlangte.

Er war ein vortrefflich guter Mensch und ein umsichtiger Oeconom. Ihm hat Rössnitz noch viele Verbesserungen zu verdanken. Leider starb derselbe in seinem schönsten Mannesalter und hinterliess seiner Wittwe und seinen unmündigen Kindern sein Gut Rössnitz, welches auch von seiner Wittwe, eine geborne Franz aus Lobenstein, übernommen wurde, die es jetzt noch besitzt.

[198] Das Rittergut hat neue Wohn- und Wirthschaftsgebäude, aber auch das frühere alte Schloss mit seinem Thurme steht noch und die Spuren von Wällen und Gräben sind ebenfalls noch vorhanden.

Umgeben war es in früherer Zeit von dichten Waldungen und hohen Felsen.

Die Felder und Wiesen sind gut zu nennen und der Holzbestand ein vortrefflicher.

Hier wird auch ein vortreffliches Bier gebraut.

Die Schäferei des Gutes liegt am Wege von Plauen nach Rössnitz, ungefähr 10 Minuten von den Gutsgebäuden.

Zu dem Jurisdictionssprengel von Rössnitz gehörten vor der neuen Gerichtsorganisation Antheile von Kloschwitz, Reinhardswalde, Rodau, Ruderitz und Tobertitz, so dass solche wenigstens an 500 Unterthanen umfasst.

Einer der schlechtesten Communicationswege führte in früheren Zeiten von Plauen nach Rössnitz; aber durch die Vermittelung der Herren Adler mit der Königl. Amtshauptmannschaft ward es dahin gebracht, dass diese Strasse bald in einen fahrbaren Stand versetzt und ist auch bis jetzt gut unterhalten wurden.

Rössnitz selbst liegt ungemein romantisch. Eine herrliche Aussicht geniesst man auf dem sogenannten Eichigt oberhalb Rössnitz.

Rössnitz ist mit Schneckengrün, Fasendorf, Mehltheuer, Oberpirk und Drochaus nach Leubnitz eingepfarrt, geht aber viel auch in die Kirche nach Kloschwitz. Nach beiden Orten nach Leubnitz so wohl als nach Kloschwitz führen schöne romantische Wege durch liebliches Waldesgrün und durch üppige Wiesen. Die Schicksale des Ortes anlangend, so sind in den unheilvollen Kriegen des 15ten, 17. u. 19. Jahrhunderts, also in den Hussitten, 30jährigen und deutsch-französischem Kriege auch über Rössnitz alle die Leiden und Drangsale ergangen, welche in den Jahresbüchern der Geschichte schreckvoll genug verzeichnet stehen.

Möge das arme Voigtland vor den Schrecknissen eines neuen uns bevorstehenden Kampfes befreit bleiben.

Rössnitz gehört jetzt mit seinen Bewohnern zum Gerichtsamte Plauen.

(M. G.)