Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Tanneberg

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Textdaten
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Autor: M.
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Titel: Tanneberg
Untertitel:
aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 93
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV 147.jpg
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Tanneberg
bei Annaberg.


Tanneberg ist ein hübsches zum Amte Wolkenstein gehöriges Dorf, das sich fast eine halbe Stunde lang in einem reizenden Thale der Zschopau hinstreckt, so dass die Lötzschelmühle, als das niedrigst gelegene Haus, nicht mehr fern vom Einfluss der Sehma in die Zschopau liegt, welche letztere Tanneberg vom Grünhainer Bezirke scheidet. Es liegt eine starke Meile von Wolkenstein, eine Stunde nordwestlich von Annaberg, drei Viertelstunden von Geyer und anderthalb Stunden von Ehrenfriedersdorf, fast 1500 Fuss über der Nordsee, östlich von den grossen Geyer’schen Waldungen. Die obersten Häuser sind am Mühlbache erbaut, wie auch das zur hiesigen Gemeinde gehörige Oertchen Siebenhöf, welches Tanneberg fast mit Geyer verbindet. Das Thal hat trotz der steil ansteigenden Höhen dennoch einen sanften Charakter. Es leben in Tanneberg fast 700 Einwohner in etwa 90 Häusern; auch befinden sich hier zwei Mühlen und eine Papierfabrik. Das Dorf hat bedeutende Fluren, einige Waldung, starke Viehzucht und liefert viel Spitzen. In der Nähe bricht splittriger Eisenkiesel, Agat und Amethyst.

In früheren Zeiten gehörte Tanneberg zu der Herrschaft Balbergk (Bielberg), die mit der Grafschaft Hartenstein verbunden war. Es befand sich hier eine feste Burg, von der unter anderem noch ein uralter, ungeheuer fester, viereckiger Thurm vorhanden ist, welcher mit einem Wassergraben umgeben war. Das hohe Alter dieser Veste beweist ihre zur Vertheidigung höchst[WS 1] ungünstige Lage, da sie am Fusse eines Berges erbaut ist, also mit Geschütz sehr leicht zu erobern sein würde. Als man im Jahre 1770 im Schutte der Burg Nachgrabungen unternahm, fand man Ueberbleibsel einer zerbrochenen Glocke, die höchst wahrscheinlich vormals zu der Kapelle des Schlosses gehört hatte. Zu welcher Zeit dasselbe zerstört wurde, darüber fehlen alle Nachrichten. Im Jahre 1430 wird ein Ritter Sebastian von Tanneberg erwähnt, der mit dem Rathe des Städtchens Geyer wegen eines Stückes Wald in Streitigkeiten gerathen war und sich deshalb mit ihm verglich, und Haubold von Tanneberg befand sich unter den Edelleuten, welche in dem Kampfe an der Brücke von Pöppeln, nebst Kunz von Kaufungen und dem Ritter Pflugk, ergriffen und in die Gefangenschaft nach Böhmen geführt wurden. In der ersten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts gehörte Tanneberg Martin Schnee, alsdann dessen Sohne Christoph Schnee, der sein in Geyer am Markte gelegenes Wohnhaus gegen das jetzige Rittergut Geyersberg vertauschte, (1535) dann dem Ritter Hans von Reitzenstein, 1570 Melchior von Reitzenstein und 1601 Caspar von Reitzenstein. Im Jahre 1650 wird ein Herr von Stammbach auf Schönfeld als Eigenthümer des Rittergutes Tanneberg genannt, der aus Böhmen herüber gekommen war, und auch Geyersberg besass. Um 1690 kaufte Tanneberg der churfürstlich Brandenburgische Hofjäger Ernst Hornigk, Besitzer der Rittergüter Hillmersdorf, Streckwalde und Oberschmiedeberg, dessen Sohn, der Sachsen-Weimarische Hofrath, Friedrich Georg Hornigk, noch 1722 in Tanneberg wohnte. Von ihm gelangte das Gut an Herrn Johann Daniel Neuber, dessen Erben es noch in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts besassen. Später gehörte Tanneberg Herrn Meinhold und dann Herrn Hänel. Zur Zeit besitzt das Gut Herr August Eduard Kreissig.

Die Kirche zu Tanneberg, wohin auch Siebenhöfe, das Vorwerk Sauwald und das Dorf Neudeck gepfarrt sind, ist ein altes, aber freundliches Gebäude mit einem Altar vom Jahre 1521 und der Inschrift: „1521. JAR. BEYE. MERTEN. SCHNE. DIE. CZEITH. HER. CZWE. DANNEBERGK.“ Ein Positiv und kleines Orgelwerk ist 1674 für 99 Gulden angeschafft und 1786 reparirt worden. Die Kanzel ist 1689 erbaut, weil nach des damaligen Pfarrers M. Schlegels Bemerkung „die vorige so morsch und faul gewesen, dass man nicht mehr fast sicher auf selbiger stehen und treten können.“

An der Kirche befindet sich ein steinerner Thurm, den man am 20. April 1736 zu bauen angefangen hat, wozu der damalige Collator Neuber einen bedeutenden Beitrag hergab. Am 11. August 1786 wurde die grosse Glocke nach erfolgtem Umguss aufgehängt. Das Schulgebäude ist 1791 neu gebaut worden.

Südwestlich von Tanneberg erhebt sich der Siegerstein und im Norden der Knochenberg.

M.     



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: höcht