Schlaumeier auf glücklicher Fährte

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Textdaten
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Autor: Guido Hammer
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Titel: Schlaumeier auf glücklicher Fährte
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 824
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[813]
Die Gartenlaube (1871) b 813.jpg

Schlaumeier auf glücklicher Fährte.
Originalzeichnung von Guido Hammer.

[824] Schlaumeier auf glücklicher Fährte. (Mit Abbildung.) Hoch lastet der seit etlichen Tagen vom bleigrauen Himmel in mächtiger Fülle entsandte Schnee auf dem unter solcher Bürde fast brechenden Nadelwalde. Kein Luftzug hat die ruhig niedergefallenen Flocken ungleich verweht und in gleichen Massen lagert die flaumige Decke allüberall auf dem darunter verhüllten todtenstillen Forst.

Da kommt früh am Morgen Buschklepper Füchslein, der rothpelzige Hallunke, bei seinem Umherschleichen im Revier unter anderen auch auf eine einzelne Fährte, die der jagdkundige Patron sofort als die eines kranken Wildes erkennt, obwohl kein Tröpflein Schweiß es ihm verräth, wenn auch ein paar winzige Spritzlein frischen Darminhaltes, die der Verletzung eines jedenfalls tief waidewund angeschossenen Rehes bei seiner Flucht entfallen sind, dafür zeugen. Dieses genügt aber natürlich dem buschschwänzigen Wilderer und gewiegten Kenner solcher Merkmale hinlänglich, die angenommene Fährte auch beharrlich zu verfolgen, und richtig! auf einer kleinen Blöße, umschlossen von alten Fichten, die mit ihren schneebelasteten und dadurch tief niedergedrückten Zweigen den Boden streifen, liegt, hingebettet auf weit gespanntem, blendendem Bahrtuche, ein verendeter Rehbock. Jedenfalls hat diesen Tags vorher ein Aasjäger, der es nicht der Mühe werth erachtet, nach seinem Schuß strenge Nachsuche zu halten, was ihm mit Hülfe des „weißen Leithundes“, des Schnees, ja so leicht geworden sein müßte, an- und zu Holze geschossen, und dadurch Meister Reinecken leichten Kaufs einen so überreichen Gewinn verschafft.

Schon ist der glückliche Strolch bis auf kurze Entfernung an die ihm so mundrecht hingelegte Beute herangekommen, als er plötzlich von der Fährte des Verendeten abbiegt, um sich erst durch Umkreisen desselben genau zu versichern, ob dabei auch Alles geheuer. Dann erst, nachdem sich der Mißtrauische durch mehrmals eingeholten Wind und schärfste Beäugung des verlockenden Preises vollkommen überzeugt hat, daß hier sein Todfeind, der Mensch, ihm keine Falle gestellt, vielmehr ihm nur in die Hände, oder besser gesagt, in den Rachen gearbeitet habe, geht er, doch immer noch mit aller nur erdenklichen Vorsicht, endlich daran, den so mühelos errungenen Braten anzuschneiden. Höchst charakteristisch ist hierbei der Ausdruck seines hämisch verschmitzten Gesichtes, indem er im Vorgeschmack des seiner wartenden köstlichen Mahles die Lefzen schmunzelnd emporzieht, daß die scharfen Eckzähne seines stattlichen Gebisses glitzernd unter der aufgeworfenen Lippe hervorblinken. Hierauf gönnt er aber zuvörderst allein der spitzfindigen Nase den Hochgenuß, sich tief in den waidewunden Anschuß des Opfers zu versenken, um danach erst mit wahrhaft wollüstiger Gier den eigentlichen Schmaus zu beginnen. Und nicht eher, als bis sich der Schwelgende zum Uebermaß gesättigt, weicht er lichtscheu dem höher und höher aufsteigenden Tag, und verläßt endlich die kostbaren, noch so reichlich vorhandenen Reste seines Fundes, um nun aber schleunigst in seinem Bau, oder, da es schon spät geworden, vielleicht auch nur im Schlupfwinkel einer nahen Nothröhre einzufahren, und hier bis zu seiner jedenfalls schon am Abend erfolgenden Wiederkehr behäbig der Ruhe zu pflegen.
Guido Hammer.