Schreiben von Georg Bell an Rudolf Hess vom 30. Mai 1932

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Scan des Textes in Dokumentensammlung Weimar und der Kampf gegen 'rechts'.

Georg Bell Krottenmühl Tel. 29


Krottenmühl, den 30. Mai 1932


S.H. Herrn Hess, NSDAP München Einschreiben!

Sehr geehrter Herr Hess!

zu meinem größten Bedauern sehe ich mich leider wieder gezwungen, Sie mit einer großen Bitte zu belästigen. Ich habe mich verschiedentlich an Herrn Röhm mit dem Ersuchen gewandt, mir die Möglichkeit eines Vortrages bei dem Führer bzw. bei Ihnen als Vertreter des Führers zu verschaffen, zum Zwecke der Rechtfertigung meiner Person und meiner Tätigkeit für die Partei. Diese Rechtfertigung ist so notwendig geworden durch die systematische und ebenso grundlose Hetze, die von verschiedenen Seiten der Partei gegen mich getrieben wurde (nach Aussage des Herrn Röhm ging ja auch der Mordanschlag gegen mich von Herren, der Reichsleitung aus) und auf Grund der Weigerung des Herrn Röhm, für mich entsprechend einzutreten, d.h. mich zu decken. Im Gegensatz zu der moralischen Verpflichtung, für seinen Beauftragten zu stehen, antwortet Herr Röhm nicht nur nicht mehr auf meine Schreiben, sondern erklärt ausdrücklich und wiederholt, dass er jedem seiner Adjutanten den Verkehr mit mir verbietet. Der eigentliche Grund für diese Einstellung mir gegenüber ist der Fall Schulz. Herr Röhm als Todfeind des Herrn Schulz hat schon vor einem Jahr von mir die Vernichtung des Herrn Schulz gefordert und verlangte rücksichtslosen Angriff nach Aufdeckung des Mordplanes (Buch/Danzeisen) auf Schulz, den er für den Urheber des Planes hält. Im Gegensatz zu dieser Aufforderung habe ich nach eingehenden Recherchen betreffs Schulz die Sinnlosigkeit des Wunsches des Herrn Röhm erkannt und bin auf die Bereitwilligkeit des Herrn Schulz, eine persönliche Aussprache herbeizuführen zur Bereinigung der Atmosphäre sofort eingegangen. ich teilte dies Herrn Röhm auch mit, da ich eine solche Klärung der Situation für besser hielt als 'dauernd im Nebel herumzuirren und sich gegenseitig zu vernichten'. Gerade aber dieser Versuch, den ich vor allem im Interesse der Partei für richtig gehalten habe, ist der Grund für Herrn Röhm, heute mit mir jeden Verkehr abzubrechen. Verschiedene meiner Bekannten, die ich von diesem Sachverhalt in Kenntnis setzen musste, könnten sich die Haltung des Herrn Röhm nur aus der anormalen Psyche und Mentalität erklären. Meine Bekannten, alles Mitglieder der NSDAP, erblicken aber in der Einstellung des Herrn Röhm mir gegenüber nach jahrelanger hingebendste Arbeit für ihn nicht nur einen schweren Verstoß gegen die primitivsten Gesetze der Höflichkeit und der Kameradschaft, der Herrn Röhm selbst richten wird, sondern auch eine empfindliche, wenn nicht sogar eine entscheidende Schädigung unserer Partei. Mit Rücksicht auf meine Tätigkeit für die Partei, auf die beiden schwebenden Prozesse für und gegen mich und vor allem auf die Notwendigkeit, mich für meine Person als Politiker zu rechtfertigen bitte ich Sie, sehr verehrter Herr Hess, beim Uschla ein Verfahren gegen mich zu beantragen, das sich vor allem mit dem Misstrauen, das verschiedene Kreise der Partei gegen mich hegen, befasst und die Hetze untersucht, die auch von der Reichsleitung (Röhm hat mir erklärt, dass dort meine Gegner sitzen), betrieben wird. Der Untersuchungsausschuss soll vor allem an Hand einer lückenlosen Kette von Daten aus einem sorgfältig geführten Tagebuch von Schriftstücken und von Zeugen feststellen, dass ich entgegen anderweitigen Behauptungen, die man aus Furcht vor der Verantwortung aufstellte, niemals selbständig Politik trieb, sondern nur im Auftrage des Herrn Röhm gehandelt habe. Ebenso wurden alle meine Schritte erst nach ausdrücklicher Billigung des Herrn Röhm unternommen. Diese Rechtfertigung ist für mich umso notwendiger, als ich nicht ein Dilettant der Politik und auch nicht als ein Amateur gelten kann, der, wie ich an einem Brief an Herrn Oberstleutnant Röhm schon einmal ausführte, irgendwann und irgendwo schon wieder unterkommen wird. Ich habe meine gesamten Beziehungen und meine Person restlos in den Dienst des Herrn Röhm gestellt, also in den Dienst der Partei, und habe deshalb ein moralisches Recht, endlich den wahren Tatsachenverhalt festzustellen. Als Mitglied der Partei (Mitgliedsbuch Nr. 290055) bin ich auch verpflichtet, beim Uschla eine solche Untersuchung zu beantragen. Als persönlicher Bekannter bitte ich um ihre Unterstützung. Sehr geehrter Herr Hess, im Vertrauen auf Ihre liebenswürdige Untersuchung und auf Ihr Rechtsempfinden hoffe ich, dass die Angelegenheit von Ihnen persönlich behandelt wird, damit das schwere Unrecht, das mir nun seit Monaten zugefügt wird, endlich einmal gesühnt werden kann. Ich bin, sehr geehrter Herr Hess, mit dem Ausdrucke meiner ganz vorzüglichen Hochachtung Ihr sehr ergebener

Quelle[Bearbeiten]

  • Alexander Dimitrios: Weimar und der Kampf gegen «rechts». Eine politische Biographie, Bd. 3 (Dokumente), Ulm 2009, S. 276f.