Schreiben von Georg Bell an Zarnow vom 30. Mai 1932

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Scan des Textes in Dokumentensammlung Weimar und der Kampf gegen 'rechts'.
Wiedergabe des Brieftextes, 2. Teil

Georg Bell Krottenmühl am Simssee

Rosenheim, den 30. Mai 1932

Sehr geehrter Herr Zarnow!

Erst nach meiner gestrigen Rückkehr von Berlin habe ich Ihr Schreiben vom 13. Mai in Rosenheim vorgefunden. Ich bedauere dies umsomehr, als ich Sie sehr gerne in Berlin gesprochen hätte. Ich habe nämlich eine große Bitte: Könnten Sie nicht den Tscherwonzen-Fall vom Untersuchungsausschuss, den unsere Fraktion im Preußischen Landtag plant, vorbringen lassen? Sie können sich vorstellen, welchen großen Gefallen Sie mir damit tun würden. Ich habe in der Angelegenheit schon ein Gesuch an das Preußische Justizministerium gerichtet, was aber abgelehnt worden ist. Ich erlaube mir, Ihnen in der Anlage einige Schriftstücke zugehen zu lassen zu Ihrer einstweiligen Orientierung, Selbstverständlich kann und will ich die Angelegenheit nicht ruhen lassen und wäre Ihnen deshalb für Ihre Unterstützung ganz besonders dankbar. Ich stehe Ihnen selbstverständlich auch persönlich stets sofort zur Verfügung. Was nun die Angelegenheit des Herrn Oblt. Schulz betrifft, so habe ich von Herrn Dr. Sack die Mitteilung erhalten, dass Herr Oblt. Schulz zu einer persönlichen Aussprache mit mir gerne bereit wären. Ich bin deshalb auch nach Berlin gefahren und habe Herrn Dr. Sack verschiedene Ausführungen zu dem Fall gemacht. Gleichzeitig gab ich Herrn Röhm davon Kenntnis, dass Herr Oblt. Schulz durch eine persönliche Aussprache die Situation klären will und dass ich dies auch für absolut richtig halte und mich dementsprechend ihm zur Verfügung stellte. Dies hat aber bei Herrn Röhm sehr wenig Gegenliebe gefunden. Röhm ist so wütend geworden, dass er sofort jeden Verkehr mit mir abgebrochen hat, keine Briefe von mir beantwortet und sogar allen Adjutanten ausdrücklich und wiederholt jeden Verkehr mit mir verbietet. Sie sehen sehr geehrter Herr Zarnow dass ich durch meine Objektivität in des Teufels Küche gekommen bin und mich nun in schärfstem Gegensatz zu Röhm befinde. Ich wäre Ihnen auch dankbar, wenn Sie Herrn Oblt. Schulz nochmal bitten könnten mit mir persönlich die geplante ausführliche Aussprache so rasch wie möglich herbeizuführen. Das gibt nämlich jetzt einen mächtigen Skandal, der im Interesse der Partei auch vermieden werden müsste. Da Röhm mich und meine Tätigkeit für die Partei oder besser für ihn, nicht mehr deckt bzw. es so darstellen möchte als ob ich selbstständig Politik getrieben hätte und nicht ausschließlich für ihn tätig gewesen wäre, so sehe ich mich gezwungen selbst meine Rechtfertigung durchzusetzen und habe auch in diesem Sinne ein Verfahren gegen mich beim Uschla beantragt. Mit Rücksicht auf die beiden zu erwartenden Prozesse (ich bin in der Zwischenzeit nun auch von der Partei beschuldigt worden - um dem Fass den Boden auszuschlagen - auf Hitler ein Attentat geplant zu haben!!), sehe ich mich besonders veranlasst, alles zu tun, um die Klärung dieses Parteisumpfes unter allen Umständen und mit allen Mitteln durchzuführen. Seien Sie bitte so liebenswürdig und geben Sie mir recht bald und ausführlich Bescheid. Wann kommen Sie denn wieder einmal nach hierher? Es grüßte Sie und Ihre Frau Gemahlin herzlichst Ihr

Quelle[Bearbeiten]

  • Alexander Dimitrios: Weimar und der Kampf gegen «rechts». Eine politische Biographie, Bd. 3 (Dokumente), Ulm 2009, S. 277f..