Seite:AdlerStudie.djvu/42

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hier finden wir die Verstreuung der Kennzeichen der Minderwertigkeit über den Stammbaum in verschiedenen Formen.

Alexandra E., 5 Jahre alt, stand wegen häufig rezidivierender Conjunctivitis catarrhalis und Blepharitis squamosa in Behandlung. Seit 2 Jahren tritt auch zeitlich unabhängig von Reizzuständen des Auges Blepharospasmus auf, der zeitweilig aussetzt und lange Pausen macht. Die Mutter war als Kind wegen Strabismus convergens operiert worden, hat beiderseits Astigmatismus und geringe Myopie.

III. Morphologische Kennzeichen.

Unsere Betrachtung über die Minderwertigkeit der Organe versetzt die Anfänge der Minderwertigkeit in die Zeit des embryonalen Wachstums. So ist auch die Bedeutung der Heredität und der „Kinderfehler“ im weitesten Sinne des Wortes verständlich, ihr Zusammenhang ersichtlich. Die Klarstellung von Organerkrankung, Heredität und Kinderfehler ermöglicht für viele Fälle den Beweis einer Organminderwertigkeit, gestattet in anderen Fällen zum wenigsten den Verdacht auszusprechen. Ein weiterer diagnostischer Behelf, dessen Bedeutung sich der der anderen drei anschließt, liegt in der Auffindung morphologischer Verkümmerungen, Verbildungen, „Degenerationszeichen“, die wir als morphologische Minderwertigkeiten bereits allgemein gekennzeichnet haben.

Die Organminderwertigkeit setzt sich im Individuum in der Regel genetisch durch und hindert embryonal oder funktionell zusammengehörige Teile an ihrer vollen Ausbildung. Meist kann man gleichzeitig die Insuffizienz eines zweiten oder dritten Organes erschließen, was begreiflich erscheint, da die Ursache der Organminderwertigkeiten in einem ausgebreiteten Mangel des Bildungsmateriales gelegen sein kann. Die Pathologie rechnet mit Degenerationen der inneren Organe in bestimmten Krankheitsfällen. Außerhalb dieser Krankheitsfälle haben wir in den Kinderfehlern eine periphere Äußerung von Organminderwertigkeiten kennen gelernt. Wenn nun von dieser embryonalen Hemmung eine Spur bis an die äußeren Körpergrenzen reicht und sich so dem Auge des Forschers verrät, so geschieht dies in Gestalt der allgemein bekannten Degenerationszeichen, über die heute eine große Fülle von Beobachtungen und Deutungen vorliegt. Ihre Wertung ist keine einheitliche. So viel ich aber sehe, gehen die Schlüsse, die an das Wesen der Degenerationszeichen geknüpft werden, allzusehr ins allgemeine, oder beschränken sich darauf, die degenerative

Empfohlene Zitierweise:
Alfred Adler: Studie über Minderwertigkeit von Organen. Urban & Schwarzenberg, Berlin und Wien 1907, Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:AdlerStudie.djvu/42&oldid=- (Version vom 31.7.2018)