Seite:Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III.djvu/110

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weissen Adlerordens und Dompropst des Stifts St. Petri zu Budissin, der in den Grafenstand erhoben wurde. Seine Gemahlin war Friederike von Bock aus Elsass. Als derselbe im Jahre 1729 zu Dresden mit Tode abging, und in der Kirche zu Ebersbach beerdigt worden war, erbte Crostau sein Sohn Christian Heinrich Reichsgraf von Watzdorf, königlich Polnischer und churfürstlich Sächsischer Kammerherr, Hof- und Justizrath, Dompropst des Budissiner Petristiftes und Domherr der Stifter zu Meissen und Merseburg, der das Unglück hatte bei seinem Landesherrn in Ungnade zu fallen und auf die Festung Königstein gebracht zu werden, wo er auch gestorben ist. Sein Andenken erhält in Crostau die von ihm geschenkte herrliche Silbermannsche Orgel, welche der Graf mit siebzehnhundert Thalern bezahlte, einer für damalige Zeit (1732) sehr bedeutenden Summe. – Die Orgel enthält zwanzig klingende Register und zweiundzwanzig Registerknöpfe. Die Pfeifen bestehen aus dem besten englischen Zinn, doch sind vierundzwanzig derselben gestohlen und durch hölzerne ersetzt worden.

Nach dem Sturze des Grafen Christian Heinrich von Watzdorf wurde Crostau von dem Landesherrn als erledigtes Lehn eingezogen, in ein Kammergut verwandelt und als solches von einem Administrator bewirthschaftet, bis 1755 Graf Carl von Kayserlingk, kaiserlich Russischer Geheimerath, Ritter des Russischen Andreasordens und des Polnischen Weissen Adlerordens, sowie Grossbotschafter am kaiserlichen Hofe zu Wien, Crostau nebst Eulowitz, Bederwitz und Rhodowitz käuflich an sich brachte, welcher jedoch schon 1762 zu Warschau, wo er das wichtige Geschäft, die Polnische Krönungswahl nach dem Sinne seiner Monarchin, der Kaiserin Katharine, zu leiten, glücklich vollendet hatte, mit Tode abging, worauf sein einziger Sohn Heinrich Christian Graf von Kayserlingk in Besitz der väterlichen Güter trat. Derselbe war kaiserl. Russischer Geheimrath, Ritter des Weissen Adlerordens und des Annenordens, vermählt mit einer Gräfin von Dallwitz aus dem Hause Königswartha, und nach deren Tode mit einer Gräfin von Truchsess. Auch die beiden Grafen von Kayserlingk haben Crostau manches Gute zugefügt und namentlich dem Pfarrer viele Wohlthaten erzeigt, indem sie ihm nicht nur bei ihren Besuchen in Crostau beträchtliche Geldgeschenke zustellten, sondern auch das Pfarrfeld um zwei und einen halben Scheffel vermehrten. – Als Graf Heinrich Christian von Kaiserlingk im Jahre 1771 mit Tode abging, kaufte das Rittergut Crostau nebst Pertinentien Rhodowitz, Eulowitz und Bederwitz der Reichsgraf Andreas von Riaucour, churfürstlich Sächsischer Conferenzminister und wirklicher Geheimrath, Gesandter an den churfürstlich Pfalzbaierischen und Trierschen Höfen, Reichsritter und Ritter des königlich Polnischen Weissen Adlerordens, vermählt mit Henriette Freiin von Wreeden. Graf Riaucour schenkte den Crostauer Armen ein Legat und seine Gemahlin ein seidenes Altartuch nebst Kanzelbekleidung. Er starb in München 1794, während die Gräfin bereits im Jahre vorher das Zeitliche gesegnet hatte. Wenige Jahre vor seinem Tode stiftete der Graf Andreas von Riaucour ein Fideicommiss, in dessen Herrschaft seine Tochter, Henriette Louise vermählte Gräfin von Schall, eintrat, deren Gemahl churfürstl. Baierischer Geheimrath und ausserordentlicher Gesandter am Sächsischen Hofe, Ritter des St. Josephsordens, sowie Besitzer der Grafschaft Megen war. Die Gräfin starb am 18. Juni 1831 zu Dresden, ihr Gemahl aber am 15. März 1832 zu Paris, wo er auch beerdigt wurde. Der jetzige Majoratsherr ist Herr Carl Graf von Schall-Riaucour, vermählt mit Frau Amalie Gräfin von Seinsheim, welcher seinen Wohnsitz auf Gaussig hat. Die Fideicommissherrschaft besteht aus den Ortschaften Crostau, Rhodowitz mit Sonneberg, Eulowitz, Bederwitz, Gaussig, Medewitz, Diehmen, Golenz, Drauschkowitz, Malschwitz, Guttau, Brosa, Gleina, Wartha, Putzkau, Tröbigau, Naundorf, Zockau und Günthersdorf.

Wie schon erwähnt, war Crostau früher nach Schirgiswalde eingepfarrt und die hiesige Kirche nur eine kleine herrschaftliche Begräbnisskapelle, in der ein katholischer Priester bisweilen Messe las. Anfänglich bestand die Parochie nur aus Crostau und einigen Häusern zu Bederwitz und Halbendorf, später aber hielten sich auch die Einwohner von Callenberg, Kirschau und Worbis hierher, jedoch immer als freiwillige Gäste. In neueren Zeiten bauten sich mehrere Leute auf dem herrschaftlichen Grund und Boden zu Halbendorf an und es entstand daraus ein Dorf, welches den Namen Carlsberg erhielt. Die Einwohner wandten sich zur Kirche nach Crostau und die Herrschaft zu Halbendorf gab dazu ihre Zustimmung, und zwar um dem Pfarrer eine Entschädigung zu gewähren, der einige Häuslernahrungen zu Halbendorf, welche die Herrschaft eingezogen und zum Rittergute geschlagen hatte, reclamiren konnte. Aber auch diese wollten nicht anders als freiwillig angesehen sein, weshalb mancherlei unerquickliche Missverhältnisse entstanden, die erst 1835 gänzlich beseitigt wurden, indem damals Callenberg, Worbis und Carlsberg förmlich nach Crostau eingepfarrt worden sind. Zum Schlusse bringen wir noch ein originelles Gedicht, welches im Jahre 1794 bei einer Kirchenreparatur im Thurmknopfe gefunden wurde:

Das ganz Europa war mit Kriegesflamm umgeben,
Man sah des Martis Schwerdt an allen Orten schweben,
Es wurde nicht gehört als nur von Streit und Krieg
Da einer niederlag: der andre rufte Sieg.
Der allerchristlichste allso genannte König,
Liess seine Tyranney im römischen Reich nicht wenig
Mit Brennen, Sengen sehn. Er that gross Ungemach
Dass Jedermann ausrief: Angst, Jammer, Weh und Ach!
Ja manche schöne Stadt musst in der Aschen liegen
Und mancher hohe Thurm sich zu der Erden biegen.
Es ward auch nichts geschenkt der Kirch und Gotteshaus:
Rein ab! rein ab! schrie man mit vollem Hals und Graus
Da ward ich neu bedeckt, bekleidt und schön geziert
Herr Christian Wilhelm von Watzdorf war der Schutz
Der Kirche und Patron; durch dessen Müh und Nutz
Ich so gezieret ward. Der Frau Patronin Name
Hies Eva Katharin und vom Geschlecht herkame
Der Seidlitzen. Der Pfarrer mit Namen wird genannt
Jeremias Marchius, aus Camenz wohlbekannt.
Schulmeister war Martin Ulbrich und die Kirchväter:
Einer war Melchior Schneider, ein guter Beter,
Der andere Hans Belanz, ein frommer Biedermann,
Die sinds die mich gebracht wie mich sieht jedermann.
Das ist geschehen nun als man hat gleich geschrieben

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Poenicke: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1859, Seite 75. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Ritterg%C3%BCter_und_Schl%C3%B6sser_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_III.djvu/110&oldid=- (Version vom 31.7.2018)