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Spittwitz,


wendisch Spotezy, 2 Stunden westlich von Bautzen und eben so weit östlich von Bischofswerda, an der Bautzener Strasse, dicht an der Meissner Grenze gelegen.

Der ganze Ort zerfällt

a) in Spittwitz mit einem Rittergute, einem Lehngute (getheilt in zwei Besitzungen) und drei Mahlmühlen;
b) in Neuspittwitz, welches eine Viertelstunde entfernt und abgebaut liegt und zum Rittergute gehört. Es besteht aus 15 Häusern, theilweise mit etwas Feld;
c) in Schwarzwasser, bestehend aus einer Schenke, sogenannten Kneipe, mit dem Rechte der Beherbergung, Gastnahrung und Dorfkrämerei, einem Bankfleischer mit concessionirtem Schank und einer Hufschmiede;
d) in die Königliche Chausséegelder-Einnahme.

Der ganze Ort zählt 48 Nummern.

Spittwitz liegt ungemein schön und interessant in einem Thale an dem sogenannten Schwarzwasser und dem Schlieferbach, besitzt herrliche Wiesen, gute Lehmfelder, schönes Laub- und Nadelholz; Berge, Schluchten, Felsen, Waldungen, Nadel- und Fichtenwälder wechseln mit Wiesen und fruchtbaren Feldern kurz aufeinander ab. Der Ort liegt fünf Minuten von der Dresden-Bautzener Chaussée. Seit dem im Jahre 1818 erfolgten neuen Umbau der letzteren befindet sich ein Chausséehaus bei Spittwitz, womit eine Schlachtsteuer-Receptur von mehreren Orten verbunden ist.

Spittwitz, wendisch Spotezy, soll, ins Deutsche übersetzt, so viel heissen wie Versuch, oder von dem Worte Versuch abstammen. Auf was dieser Versuch sich beziehen soll, dies zu entziffern ist bis jetzt noch Niemandem gelungen. Der Ort selbst ist sehr alt und sein Ursprung ist wohl in die heidnische Vorzeit zurück zu datiren. Die in hiesiger Gegend und nirgends weiter sich vorfindenden sogenannten „Schanzen“, deren Zahl sich auf 40 beläuft, sollen von den alten Semnonen herstammen. Diese Schanzen sollen über 2000 Jahre alt und mehrentheils Opferplätze gewesen sein. Die Semnonen selbst waren ein deutscher Volkstamm und schon den Römern bekannt, mit welchen sie in Handelsverbindung standen.

Die Gründung des Schlosses zu Spittwitz fällt ebenfalls in längst vergangene Jahrhunderte und soll längere Zeit dem Meissner Bischof gehört haben. Es wird dies um so wahrscheinlicher, da im 17. Jahrhundert solches noch das Geschlecht derer von Haugwitz im Besitz hatte; denn im Jahre 1666 verkaufte Spittwitz mit Rothnausslitz Johann Adolf von Haugwitz an den Handelsmann Friedrich Landsberg auf Hennersdorf. Der verstorbene von Haugwitz hatte bei Lebzeiten die Lehensnahme der beregten Güter versäumt, weshalb dessen Erben um landesherrlichen Lehnspardon nachsuchten und nach erfolgter Bewilligung desselben die Ausfertigung eines Lehnbriefs bewirken mussten. Dieser Lehnbrief wurde 1667 ausgestellt und dann dem neuen Käufer Landsberg ein gemeinschaftlicher Lehnbrief ertheilt. Dieser Besitzer überliess am 9. August 1672 seine drei Güter Rothnausslitz, Spittwitz und Potschapplitz für 33000 Thaler und 500 Thaler Verehrungsgelder an den Kammerherrn Christoph Vitzthum von Eckstädt, welcher ausserdem noch mit Wölkau, Reibnitz, Baruth, Harthau,

Lausitzer Kreis, 19tes Heft, oder 92tes d. g. Folge.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1854–1861, Seite 145. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Ritterg%C3%BCter_und_Schl%C3%B6sser_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_III.djvu/216&oldid=- (Version vom 2.10.2016)