Seite:Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III.djvu/45

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ihren Kriegsherrn aus einem Haufen der Feinde herausgehauen und mit fortgerissen hätten; trotz dieses Unfalls aber gelang es dem siegreichen Daun dennoch nicht, Friedrich aus Sachsen zu vertreiben.

Jauernick ist nebst den Dorfschaften Kittlitz, Grossdehsa, Peschen, Eisenrode, Nechen, Breitendorf, Lauche, Carlsbrunn, die Hälfte von Wohla, Unwürde, Georgewitz, Wendisch-Paulsdorf, Wendisch-Cunnersdorf, die Hälfte von Rosenhain, Zoblitz, Bellwitz, Oppeln, Klein-Rameritz, Glossen, Lautitz, Alt- und Neu-Kunnewitz, Mauschnitz und Hasenberg in die Kirche zu Kittlitz eingepfarrt. Schon im zwölften Jahrhundert stand in Kittlitz eine Kirche, welche dem heiligen Prokopius gewidmet war, und in einer zu Breitendorf befindlichen Urkunde vom Papst Innocenz IV. vom Jahre 1252, worin eine schon früher stattgefundene Schenkung erwähnt ist, genannt wird. Die interessante Urkunde lautet in der Uebersetzung:

Innocentius IV., ein Knecht aller Knechte Gottes, Allen und jedem Christo Getreuen, denen dieser Brief vorkommen möchte, Heil und Apostolischen Segen.

Wir thun kund, wie, dass aus freiwilliger Beschenkung und Begnadigung Wir gefunden haben, dass das Dorf Uyest benannt mit aller Nutzdienst und Bothmässigkeit zur Mutter der Kirche in Kittlitz gehöre. Und da sich Jemand besagtes Dorf, oder was anderes zu ermeldeter Kirche gehöriges durch verwegenes Recht etwa unterfangen möchte, anzufeinden und zu empören (das doch nicht geschehe), denjenigen wollen Wir von der heiligen Mutter der Kirchen durch Apostolische Kraft und Gewalt abgetrieben, in Bann gethan, verflucht und verdammt haben! Und nicht allein dieser, sondern auch alle beipflichtende Gönner und Einwilliger sollen gleichmässiger Pein und Strafe gewärtig sein. Derowegen wollen wir diesem nach Kraft der Apostolischen Schriften und wahrhaften Gehorsams gebieten und anbefehlen, dass ein jeder Bischof des Meissnischen Bisthums über solcher gesetzten Meinung halten und ihr nachkommen solle. Gegeben zu Peruss im Jahre Christi 1252, den 26. Hornung. Unserer Päpstlichen Ehren im Zehnten.

Die älteste Kirche stand nur bis zum Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts, wo sie, wie einige Merkmale zeigen, durch Feuer zerstört worden zu sein scheint; 1415 geschah die Einweihung des neuen Gotteshauses, welches am Sonntage vor Petri und Pauli 1598 durch einen Blitzstrahl sammt dem Thürmlein zerstört wurde. Zwei Herren von Gersdorf auf Kittlitz bauten in den Jahren 1606 und 1607 die Kirche sammt dem Thurme von Neuem auf, aber schon nach 142 Jahren war sie wieder so baufällig, dass 1749 zu ihrem Abbruch geschritten werden musste. In demselben Jahre legte man feierlichst den Grundstein zu der noch jetzt stehenden Kirche, der Bau ging jedoch in Folge verschiedener Hindernisse so langsam von Statten, dass erst 1769 die erste Predigt darin gehalten werden konnte. Verschiedene alte Leichensteine mit den Bildnissen Nostitzischer und Gersdorfscher Familienglieder sind an der Kirchhofsmauer befestigt und ein uraltes Monument aus Granit mit dem Wappen der Nostitze hat man hinter dem Altar einmauern lassen. Die Kirche gehört nebst dem trefflichen Altare, zu den schönsten der Oberlausitz, und da die hiesige Parochie sehr gross ist, verrichten die geistlichen Aemter ein Pfarrer und ein Diakonus. Die Schule zu Kittlitz, wohin noch sieben Dörfer gewiesen sind, wird von etwa 300 Kindern besucht, welche ihren Unterricht von einem Ober- und einen Unterlehrer empfangen.

Otto Moser, Redact.     




Oehlisch.


Das neuerbaute Schloss Oehlisch, in der Nähe Löbaus gelegen, gleicht namentlich, von der Gartenseite angesehen, einer italienischen Villa, und besitzt zum Theil ebenfalls neuaufgeführte Wirthschaftsgebäude. Der Name dieses uralten Ortes ist von dem wendischen Worte Wolscha, eine Erle, abzuleiten, einer Baumgattung, welche in der Umgegend von Oehlisch noch jetzt sehr häufig angetroffen wird. In der Vorzeit scheint Oehlisch ein wichtiger Vertheidigungspunkt der bedrohten Slaven gewesen zu sein, denn in der Mitte des Dorfes befindet sich noch jetzt einer der sogenannten Rundwälle – vom Volke Schwedenschanze genannt – deren die Oberlausitz aus dem Kampfe der Slaven und Deutschen noch viele zeigt. Die Schanze zu Oehlisch, am Ufer des Flusses Schöps emporsteigend, enthält einen oberen Umfang von hundertachtzig Schritten, ihre Höhe beträgt auf der westlich gelegenen Seite sechszehn Ellen, auf der östlichen aber, wo in der Tiefe der Fluss sie begrenzt, dreissig Ellen. Der innere Raum des alten Vertheidigungswerkes ist mit Bäumen bewachsen, und hier wurden häufig Bruchstücke von thönernen Gefässen, namentlich Todtenurnen, ausgegraben. Die äussere Form der Schanze erleidet jetzt eine Veränderung, indem der Besitzer eines nahe dabei liegenden Bauergutes Abgrabungen derselben vornimmt, um für seine Gebäude mehr Raum