Seite:Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III.djvu/53

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Darum lass mich über dich fürbass andern Leuten nimmer schreiben noch klagen, das ist für dich und mich.“

Hannss von Gersdorf.

Joachim von Gersdorf, Georgs Sohn, war ebenfalls ein treuer Freund der Görlitzer. Er brachte 1431 Nachricht über den Landesfeind in die Stadt und ward dafür vom Rathe auf der Herberge bei den alten Richtern mit zwanzig Groschen ausgelösst. 1433 that Joachim von Gersdorf der Stadt zu wissen, „dass die Schlossherrn deren Lande beschädigen wollten,“ für welchen Wink er nebst grossem Danke drei Groschen erhielt. Im Jahre 1444 muss er dem Rathe eine noch wichtigere Nachricht gebracht haben, denn es wurden ihm aus der Kämmerei zwölf Groschen „zu vertrinken“ gereicht.

Der Ritter Heinz von Gersdorf besass Kleinradmeritz bis zum Jahre 1446, wo es an seinen Sohn Heinrich Sigismund gelangte, dem auch Linda gehörte, und der churfürstlich Sächsischer Kriegshauptmann war. Er scheint um das Jahr 1480 gestorben zu sein, denn in diesem Jahre wurde der Amtshauptmann Caspar von Gersdorf mit dem Gute belehnt, der es jedoch nur bis 1491 behielt, wo Hans Heinrich von Gersdorf als Besitzer genannt wird. Am 17. September 1527 bestätigte König Ferdinand von Böhmen den Brüdern Caspar, Georg, Christoph, Getsche, Hans, Rudolf und Melchior die Lehn über ihre weitläufigen Besitzungen, wozu auch Kleinradmeritz gehörte. Rudolph von Gersdorf empfing bei der Theilung Kittlitz mit Kleinradmeritz und unter seiner Herrschaft fand hierselbst das Lutherthum Eingang, indem Rudolph von Gersdorf Mittwochs vor Lätare 1535 in Kittlitz einen protestantischen Pfarrer Namens Nikolaus Postar anstellte. Dieser Rittergutsbesitzer gründete auch das Kittlitzer Diakonat, indem er den eingepfarrten Edelleuten unter dem Vorsitze des Oberamtshauptmanns Nickel von Gersdorf zu Budissin vor Land und Städten versprach, „einen steten Caplan zu halten, welcher denen Eingepfarrten mit dem Worte Gottes und den heiligen Sacramenten treulich sollte vorstehen helfen.“ Im Jahre 1570 gehörte Kleinradmeritz Sigismunden von Gersdorf, der in Kittlitz viel an der Kirche baute und häufige Streitigkeiten mit Hans Erasmus von Gersdorf auf Lautitz durchzukämpfen hatte. Kaspar von Gersdorf auf Kittlitz und Kleinradmeritz und Hans Joachim von Gersdorf auf Lautitz nahmen sich mit vorzüglicher Sorgfalt der Kirche an, liessen 1607 die Glocken auf den neuerbauten Thurm bringen und schenkten dem Gotteshause verschiedenen Schmuck. 1652 und 1658 werden die Gebrüder Hans Wenzel und der Hauptmann Sigismund von Gersdorf genannt, welche die Glocken auf ihre Kosten umgiessen liessen. Zu den letzten Besitzern von Kleinradmeritz aus der Familie von Gersdorf gehört Johann Adolf von Gersdorf, welcher in der Mitte des vorigen Jahrhunderts den Grundstein zu der neuen Kittlitzer Kirche legte. Später kam Kleinradmeritz an die Familie von Thielau, aus der es im Jahre 1820 der herzoglich Braunschweigische Oberstallmeister, Florian von Thielau, besass. Zur Zeit gehört das Rittergut Ihrer kaiserlichen Hoheit der Frau Grossherzogin Marie von Sachsen-Weimar.

Kleinradmeritz wurde im Jahre 1430 von den Hussiten fast gänzlich verwüstet. Diese hatten, aus Böhmen hereinbrechend, sich von dem starkbefestigten Zittau abgewendet und zogen auf Bernstadt, welches sie am ersten Weihnachtsfeiertage unter ihrem Heerführer Liback Dewrbeczan mit leichter Mühe eroberten. Es war ein Glück, dass die Bewohner den furchtbaren Hussiten keinen ernstlichen Widerstand entgegensetzten, da diese alle Ortschaften, welche sich muthig vertheidigten, auf die unmenschlichste Weise zu vertilgen pflegten. Von Bernstadt aus entsendeten die Hussiten kleinere Schaaren nach den umliegenden Dörfern, die daselbst raubten, brannten und mordeten wie es ihnen beliebte. Die Bernstädter mussten dem Hussitenführer ein schriftliches Bekenntniss einhändigen, worin sie mit grossem Danke erklären, dass es dem Heere der Waisen ein Leichtes gewesen wäre, sie Alle mit Feuer und Schwert zu vernichten, worauf sie für die ihnen erzeigte Barmherzigkeit geloben, alle Zinsen, welche von Alters her die Stadt bezogen, an das Heer der Waisen zu entrichten. Der Hauptmann Wenzel Liback Dewrbeczan stellte der Stadt dafür einen noch vorhandenen Geleitsbrief aus, worin er den Brüdern des Feldheeres und des alten Tabor gebietet:

„Denselben Lüten nicht zu schaden noch die ürrigen derselben nicht gestattet zu schaden umb Vnser Dienste Willen und zuvor aus hertzöge auf ire güter nit czu setzen noch ir sie lasset nemen, allso als wir denen unsern Luthen haben getan und begeren zu thun mit der Hülfe Gotes in zukünftigen Zeiten. Desselbigen gleichen getrauen wir czu Euch, dass ir dass umb unsertwillen und szu Vnsern Wohlgefallen thun werdt, wissende dass ir Vns daran nicht en cleyn behaglichkeit erzeiget.“

Dass es mit dieser Versprechung von Seiten der Verpflichteten nach vorübergegangener Gefahr nicht genau gehalten und dieselbe bald völlig vergessen wurde, ist natürlich. Bernstadt rettete sich durch Nachgiebigkeit und ein augenblickliches Opfer, während in weitem Umkreise brennende Dörfer und zerfleischte Leichname von der Heimsuchung des unmenschlichen Feindes zeugten. Im Munde des Volkes geht die Sage, Kleinradmeritz habe bis zu jener Schreckenszeit eine eigene Kirche gehabt, die bei der Vernichtung des Dorfes gleichfalls in Asche gelegt und nicht wieder aufgebaut worden sei.

Der dreissigjährige Krieg, welcher anderwärts so unendlich viele Drangsale verursachte, ging an Kleinradmeritz ziemlich glücklich vorüber, mit Ausnahme einiger Plünderungszüge, die jedoch zum Theil von den Einwohnern mit Gewalt zurückgetrieben wurden. Auch die Pestjahre des siebenzehnten Jahrhunderts brachten dem Orte keinen Nachtheil, und der siebenjährige wie der letzte französische Krieg übten auf den Wohlstand des Ortes ebenfalls keinen nachtheiligen Einfluss aus.

Kleinradmeritz ist mit den Dörfern Jauernick, Grossdehsa, Eiserode, Peschen, Breitendorf, Nechen, Carlsbrunn, Laucha, Unwürde, der Hälfte von Wohla, Wendischpaulsdorf, Georgewitz, Wendischcunnersdorf, der Hälfte von Rosenhain, Zoblitz, Bellwitz, Glossen, Oppeln, Lautitz, Alt- und Neukunnewitz, Mauschnitz und Haasenberg in die Kirche des nahen Dorfes Kittlitz eingepfarrt. In früherer Zeit gehörten zur Parochie auch noch Nostitz, Trauschwitz, Grube, Krappe, Spittel und die zweite Hälfte von Wohla; im Jahre 1665 aber fasste Joachim Ernst von Ziegler und Klipphausen auf Nostiz den Entschluss, die Nostizer Kapelle in eine Pfarrkirche umzuwandeln und die ihm zustehenden sechs Ortschaften in selbige einzukirchen. Darüber entstanden nun zwar Streitigkeiten, die aber 1660 von dem Budissiner Landvoigte Reineck von Callenberg geschlichtet wurden. Die älteste Kirche zu Kittlitz stand bereits im Jahre 1202 und 1252 wird sie in einer Bulle Pabst Innocenz IV. genannt; 1414 aber scheint sie, wie aus einigen Spuren hervorgeht, niedergebrannt zu sein; 1415 am Sonntag vor

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Poenicke: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1859, Seite 37. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Ritterg%C3%BCter_und_Schl%C3%B6sser_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_III.djvu/53&oldid=2809235 (Version vom 12.5.2016)