Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I.djvu/114

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Jahre 1599 kaufte es von diesem für 11600 Gülden der Rath zu Wurzen, während dessen Herrschaft die Kirche umgebaut, und zwei Stipendia (zu 50 Gülden auf drei Jahre) für Studenten aus Müglenz, Watschwitz und Wurzen gestiftet wurden. Nach dem dreissigjährigen Kriege (1651) verkaufte der Rath das Rittergut mit Zubehör an den Meissner Dechanten Dr. Heinrici zu Leipzig, bei dessen Familie es blieb bis 1684, in welchem Jahre es an die Findekeller, und 1691 von diesen an den Stiftsrath Hans Haubold von Kötteritz gelangte. Nach dessen Tode besass das Gut 1703 der Geheimrath Christoph Heinrich von Schleinitz auf Grödel, 1706 aber erwarb es der Kammerjunker Freiherr Heinrich von Bünau, dessen Familie Müglenz bis 1798 besass, wo es an den Rathsbaumeister Johann Christoph Kreller zu Leipzig kam. Derselbe starb 1812 und hinterliess das Gut seiner Wittwe, Frau Henriette Friederike Kreller geborne Müller aus Wiederoda, der Herr C. F. Müller, der jetzige Besitzer, folgte.

Die alte Kirche zu Müglenz stand bis zum Jahre 1765, wo am 3. August ein Blitzstrahl dieselbe fast gänzlich zerstörte. Da das Gotteshaus ein ziemliches Vermögen besass, konnte man bald zu dessen Wiederaufbau schreiten, und im Jahre 1772 wurde die schöne neue Kirche eingeweiht. Dieselbe ist ein geräumiges, helles mit massivem Gewölbe und hohem Thurme geziertes Gebäude, enthält eine herrschaftliche Empore, ein sehr harmonisches Geläute, und eine von Flemmig gebaute Orgel. Der herrschaftlichen Kapelle gegenüber befinden sich an einem Pfeiler drei Brustbilder, von denen eines den verstorbenen Baumeister Kreller, das andere den Major Freiherr von Bünau darstellt, welches letztere ringsum allerlei kriegerische Embleme und eine Tafel mit dem Geschlechtsregister der Familie Bünau enthält, worauf deren Ursprung bis in das zwölfte Jahrhundert, (auf Rudolf Günther Heinrich von Bünau) zurückgeführt ist. Das dritte Bild zeigt den Stiftsrath von Kötteritz. Neben der herrschaftlichen Kapelle steht ein doppelter Grabstein, als Denkmal eines 1711 verstorbenen Herrn von Bünau und seiner Gemahlin Rahel, einem gebornen Fräulein von Werthern, welche 1729 mit Tode abging. Die älteren Grabsteine sind beim Neubau der Kirche vermauert worden.

Die Kirche zu Müglenz besitzt mehrere Legate. Das älteste gründete die Gattin des Dechanten Heinrici im Jahre 1682; es besteht aus einem Kapital von 437 Thalern, dessen Zinsen zum Theil an Wittwen und Waisen hiesiger Pfarrer oder in deren Ermangelung an einen aus Wurzen gebürtigen Studenten der Theologie verabreicht werden, zum Theil aber der Kirche anheimfallen. Das zweite Legat ist eine Stiftung der Freifrau Rahel von Bünau. Sie übergab der Kirche zu Müglenz 200 Thaler, mit der Bestimmung von den Zinsen das Schulgeld mittelloser Kinder zu bestreiten und Hausarme zu unterstützen. Der Schullehrer Adam Geissler gründete das dritte Legat von 525 Thalern. Er starb 1727 ohne Weib und Kind oder sonstige Verwandte, und vertheilte sein Vermögen zu frommen Zwecken, so dass nicht nur in Müglenz, sondern auch in Falkenhain, Hoburg, Zschorna und Wurzen des edlen Mannes Gedächtniss für immer gesichert ist. Ein Legat von 600 Thalern, welches von Heinrich von Bünau herrührt, ist zu Gunsten des Pfarrers, des Schullehrers, der Ortsarmen und des Aerars bestimmt (1798); das letzte Legat aber, 500 Thaler stark, unterstützt die Pfarrerswittwen, Pfarrer, Schullehrer und Drescherfamilien und wurde 1812 vom Baumeister Kreller gestiftet.

Die Pfarrwohnung zu Müglenz ist im Jahre 1705 erbaut worden, hat aber 1831 einen bedeutenden Anbau erhalten und späterhin durch Reparaturen ein stattliches Ansehen erlangt, auch zeichnet sie sich gleich der Schulwohnung durch Geräumigkeit aus. Eingepfarrt nach Müglenz ist das kaum zehn Minuten entfernte Dörfchen Watzschwitz, mit zehn Gütern, acht Häusern und etwa hundert Einwohnern; die Schickenmühle aber, obgleich sie zur Gemeinde Watzschwitz gehört, und Müglenz näher liegt als Hoburg, ist merkwürdigerweise in die Kirche zu Hoburg eingepfarrt. Watzschwitz steht in Unterthanenverhältniss zum Rittergute Kühnitzsch, und das hier befindliche, zu Kühnitzsch gehörige Vorwerk soll vormals selbst ein Rittergut gewesen sein.

O. M.     




Audigast.


Wenn irgend ein ländlicher Wohnsitz geeignet ist, das Leben auf dem Lande angenehm zu machen, so ist diess gewiss auf dem Rittergute Audigast der Fall, wie sich aus der folgenden Beschreibung desselben deutlich ergeben wird.

Audigast liegt im Amtsbezirke Pegau, unmittelbar an der sogenannten Coburger Chaussee, welche von Leipzig über Zwenkau, Pegau, Zeitz nach Gera führt; 4 Stunden von Leipzig, und ½ Stunde von Pegau entfernt. Ausserdem führt ein gut erhaltener Communicationsweg auf den 2 Stunden entfernten Bahnhof Kieritzsch zur Sächs. Baiers. Staatseisenbahn und eine förmliche Strasse über Groitzsch und Lucca nach Altenburg, so dass nach allen Seiten hin eine bequeme Verbindung stattfindet, wozu noch die tägliche Postverbindung mit Leipzig beiträgt.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 79. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/114&oldid=- (Version vom 10.6.2018)