Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I.djvu/171

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und erhielt durch die Güte des Kammerrath Crayen eine eigene Schule. Als 1815 König Friedrich August von Sachsen aus der Gefangenschaft zurückkehrte, errichtete der damalige Besitzer des Obergutes, Amtshauptmann von Schlegel, ein tempelähnliches Gebäude, das auch 1818 bei des Königs Jubelfeste wieder herrlich geschmückt wurde, jetzt aber wol nicht mehr vorhanden ist. Ueber die Schicksale welche Imnitz im Laufe der Jahrhunderte erlitten, haben wir schon im 11. Hefte des Albums bei der Beschreibung des Rittergutes Imnitz untern Theils, Bericht erstattet, ebenso über die Kirche und ihre Merkwürdigkeiten.

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Zehmen.


Zehmen liegt zwei und eine halbe Stunde von Leipzig nahe an der alten Poststrasse nach Borna und Altenburg, begrenzt von der so anmuthigen Pleissenaue, 375 Pariser Fuss über der Nordsee. Hart an der genannten Landstrasse befindet sich ausser dem Gasthofe und der Schmiede auf einer kleinen Anhöhe ein Friedhof. Der Ort zählt ausser dem Rittergute und den geistlichen Gebäuden zweiundvierzig Hausnummern, nämlich vierzehn Güter und achtundzwanzig Gartennahrungen oder Häuser, mit zweihundertachtzig Bewohnern.

Das hübsche Rittergut Zehmen wurde früher mit zwei Ritterpferden verdient und hat eine treffliche Schafzucht, gute Brauerei und, wie alle Güter der Aue, sehr fruchtbare Felder, auch gehört dazu ein beträchtlicher Theil der nahen Waldung. Die Gebäude desselben stehen an der Pleisse und das Herrenhaus ist ebenso geschmackvoll als geräumig. Hinter demselben befindet sich ein hübscher Garten, auch hat man daselbst Gänge, Alleen und andere Anlagen geschaffen, die mit den üppigen Auenwiesen in angenehmer Verbindung stehen. Das Rittergut ist das Stammhaus der ehemals sehr begüterten und weitverbreiteten adeligen Familie von Zehmen, die das Gut schon im 13. Jahrhundert besass. Ritter Conrad von Zemyn war 1291 Rath am Hofe des Markgrafen Dietrich mit dem Wangenbiss und Henrich von Zemyn wird 1351 in einer Urkunde des Thomas-Klosters zu Leipzig als Zeuge erwähnt. Bei der Niederlage der sächsischen Edelleute durch die Hussiten, welche 1429 am Colmberge geschah, war auch Dietrich von Zehmen, der auf dem Schlachtfelde seinen Tod fand. Hermann von Zehmen wird 1489 und Hans von Zehmen 1533 genannt. Um das Jahr 1552 gehörte das Rittergut Zehmen Dietzen von Zehmen und 1590 Hansen von Zehmen, welcher der letzte Besitzer aus dieser Familie gewesen zu sein scheint. Zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts besass Zehmen die reiche Leipziger Patrizierfamilie Rothhaupt, und zwar bis 1658 Hieronymus Rothhaupt, der in Leipzig den jetzigen Stieglitzischen Hof besass und in seiner jetzigen Gestalt neu erbaute. Hieronymus Rothhaupt starb am 4. September 1658 und wurde in der Kirche zu Zehmen vor dem Altare beigesetzt, wo sein Grabstein noch jetzt vorhanden ist. Von den Rothhaupt’s kam Zehmen an den Dr. Meyer in Leipzig und von diesem an den königlich Polnischen und churfürstlich Sächsischen Hauptmann Carl Heinrich von Trützschler. Dessen Gemahlin Caroline Sophie von Kötteritz starb hier am 6. December 1733 siebenundzwanzig Jahre alt und wurde in der Kirche begraben. Hans Georg von Trützschler, chursächsischer Obristleutnant der Infanterie starb zu Zehmen am 9. Juni 1737 und fand ebenfalls in der Ortskirche seine letzte Ruhestätte. Ihm folgte als Besitzer des Rittergutes

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 110. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/171&oldid=- (Version vom 30.6.2018)