Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I.djvu/183

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

ausgemauerte Grab auf dem Kirchhofe fertig war, und unmittelbar nach dessen Vollendung wurde sie dahin gebracht, ohne dass der verstorbene General von Bose ihre Ruhe bis dahin auch nur im Geringsten gestört hätte.

Ueber seine Nachfolger hat uns die Geschichte weniger aufbewahrt. Seine Güter gingen auf seine Gemahlin, Magdalene Sophie, geb. von Hessler über, die ihm aber bereits 1752 am 25. Januar in die Ewigkeit folgte. Beider Sohn, Carl Heinrich Zdislav von Bose, erbte die bedeutenden Besitzungen seiner Eltern und starb als Obrist-Lieutnant der Cavallerie am 8. Juni des Jahres 1782, das Gut, als dem letzten Besitzer dieses Namens, seinem Sohne Carl Adam Heinrich überlassend. Dieser verkaufte es schon bei Lebzeiten einem Advocat Lange in Leipzig, von dem es sehr bald darauf an einen gewissen Wilke und durch diesen an den königl. Preuss. Geh.-Rath Gern überging. Dieser hatte indessen das Gut nicht selbst in Lehn, sondern nur für seine Frau, welche zugleich auch Besitzerin von Gretsch und Faulenanger war. Der Geheimerath Gern verkaufte Mölbis schon nach kurzer Zeit an den Sächs. Rittmeister Christian Adolf von Hopfgarten.

Aber auch in dieser Familie sollte Mölbis nicht bleiben, denn schon im Jahre 1816 erwarb es subhasta der königl. Preuss. Lieutnant a. D. Joachim Friedrich Gustav Brandt von Lindau, der es bis zu seinem am 2. April 1854 erfolgten, allgemein betrauerten Tode besass und von dessen Erben es, wie schon oben bemerkt, am 1. Mai des verflossenen Jahres an den jetzigen Besitzer gelangte. – Das Rittergut Mölbis, für dessen Verschönerung Herr Wünning bereits namhafte Summen aufwendete, ist in modernem Stile gebaut, hat vortreffliche, sehr geräumige Wirthschaftsgebäude, schönen, grossen Garten, circa 700 Acker Areal, darunter einige neunzig Acker Holz, eine aus 700 Stück Schaafen bestehende Schäferei, deren Wolle ihrer Güte wegen, seit Jahren schon, gern gekauft wird, eine schön eingerichtete Brauerei, die ein vorzügliches Lagerbier liefert, und wird binnen Kurzem noch durch eine im Neubau begriffene Brennerei vergrössert werden. Wie schon zu Eingang dieser Zeilen bemerkt, gehört das Vorwerk Crossen ebenfalls dem Besitzer des Schlosses, der auch das Kirchen-Patronat über Mölbis und Tragis, Letzteres alternirend mit dem königl. Ministerium des Cultus besitzt.

Das zum Rittergute gehörige freundliche Dorf gleichen Namens hat über 600 Einwohner und gehört zur Amtshauptmannschaft Borna, sowie neuerdings zum Bezirke des Königl. Gerichts Rötha. Der Name Mölbis soll wendischen Ursprungs sein und von „Milbur“ (Hohendorf) herrühren.

So wie wir über die früheren Zeiten des Rittergutes keine sicheren Nachrichten haben, so liegt auch über der Zeit des Entstehens und den ersten Lebens-Jahrhunderten des Dorfes ein undurchdringlicher Schleier. Es theilte wahrscheinlich mit tausend andern ein Schicksal, und wird wie diese seine trüben und seine guten Tage gehabt haben. Die Drangsale des Krieges scheinen an Mölbis ziemlich spurlos vorübergegangen zu sein, denn die uns vorliegenden Quellen erwähnen nur eines Einfalls Preussischer Husaren, am 15. November 1761, und dass sie, nachdem das Dorf durch eine Seuche bereits 60 Stück Kühe verloren, alles gesunde Rindvieh mit fortgetrieben haben. Die Weltschlacht bei Leipzig in den verhängnissvollen Tagen des Octobers 1813 brachte natürlich auch hier viel Einquartirung, erforderte grosse Lieferungen und was der Plagen des Krieges noch mehr sind, doch ist dies nicht in Vergleich zu bringen mit den Leiden, die jene unglücklichen Dörfer betrafen, welche den eigentlichen Schauplatz des Krieges bildeten.

Von Feuersbrünsten ist Mölbis mehrfach heimgesucht worden. So brannten vor etwa dreissig Jahren hier sieben grosse Bauergüter nieder, sowie auch die Wirthschaftsgebäude der Pfarre. Kirche und Schule waren dabei in grosser Gefahr. Am 27. Juni 1764 schlug der Blitz in den hiesigen Gasthof ein, und zwar nach der Angabe des Kirchenbuches unter merkwürdigen Umständen: Es träumte nämlich der Magd des Gastwirthes, der Blitz schlage mitten durch ihr Bett in den unter ihrer Kammer befindlichen Kuhstall, der Schreck darüber macht sie ohnmächtig, kaum aber fängt sie an sich etwas zu erholen, träumt sie denselben Traum aufs Neue, erwacht plötzlich und hört es donnern. Eilig springt sie auf, die Herrschaft zu wecken, aber kaum hat sie die Kammer verlassen, als ihr Traum bereits zur schrecklichen Wahrheit wird, denn der Blitz fuhr durch ihr Bett in den Stall, zündete das Haus an und tödtete mehrere Kühe.

Mölbis besitzt in 36 Gütern und 37 Häusern eine Einwohnerschaft von etwa 500 Personen. Die Kirche und Schule, um deren Wohlstand sich mehrere Rittergutsbesitzer, namentlich der Geheimerath von Bose und Herr Wünning, sehr verdient gemacht haben, stehen unter der Inspektion Borna und Collatur des Rittergutes Mölbis. Die hiesige Schule besuchen etwa hundert Schüler, welche in zwei Klassen, Mädchen und Knaben untereinander, unterrichtet werden.

Noch müssen wir erwähnen, dass im Jahre 1677 zu Mölbis der geachtete Wittenberger Theolog, Dr. Zeibich geboren wurde.

† † †     



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 118. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/183&oldid=- (Version vom 30.7.2020)