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Clauss das Gut von seinem obengenannten Namens- und Bluts-Vetter, Friedrich Wilhelm.

Die Geschichte weiss von Polditz eben nicht viel zu erzählen; sie hebt daher schon als erwähnenswerthe Thatsache hervor, dass zu Anfang des siebenjährigen Krieges, in der Nacht vom 2. bis 3. September der grosse Preussenkönig, Friedrich II., sein Hauptquartier in Polditz nahm, in dessen Umgegend sich die Avantgarde seines Heeres lagerte, und dass nach dem Könige der Herzog von Braunschweig vom 3. bis zum 5. September mit zahlreichem Gefolge auf dem Herrenhofe weilte, dessen Truppen ebenfalls um Polditz lagerten.

Darf man mit Recht sagen, das sei das beste Weib, von dem am wenigsten gesprochen wird, so kann man wohl mit gleichem Grund behaupten, das sei das glücklichste Dorf, dessen Name in der Kriegsgeschichte am seltensten genannt wird, und Polditz wird gewiss mit diesem Glück zufriedener sein, als wenn sein Name mit zahlreichen kriegerischen Heldenthaten verwebt wäre.

Uebrigens ist es deshalb von anderem Missgeschick nicht ganz verschont geblieben, denn 1726 schlug der Blitz in das Gut ein und sämmtliche Gebäude und Vorräthe brannten nieder, und im Jahre 1810 verzehrten die Flammen abermals sämmtliche Wirthschaftsgebäude und die Scheune.

A.–n.     




Kössern.


Kössern, ein grosses und volkreiches Dorf, zu dem Leipziger Kreise und dem Amte Colditz gehörig, liegt an dem rechten Ufer der vereinigten Mulde. 1⅝ Stunden südöstlich von Grimma, 1½ Stunde nördlich von Colditz, ¼ Stunde von dem westlichen Rande des Thümlitzwaldes entfernt.

Der Ort, der 1754 nur 20 Häuser enthielt, seitdem aber bedeutend gewachsen ist, da er 1802 schon 240 Seelen zählte, 1830 bereits über 300 und gegenwärtig über 500, liegt nicht ganz an dem Flusse, sondern zum Theil auch an dem sanft ansteigenden Gebirge.

Das Rittergut ist altschriftsässig.

Die Lage von Kössern ist freundlich und angenehm. Seine Fluren rainen mit Förstchen im Schulamte.

Südöstlich von Kössern, doch noch auf dem Gebiete desselben, nimmt die Mulde einen kleinen Bach auf, der aus der Thümlitz kommt und östlich von dem Dorfe mehrere Teiche mit seinem Wasser tränkt.

Nördlich von diesen, sämmtlich nicht eben durch Grösse ausgezeichneten, aber dennoch durch gute Pflege fischreichen Teichen steht das königliche Forsthaus, bewohnt von dem Förster, der die Aufsicht über das Leipnitzer Revier führt.

Als Besitzer des Rittergutes wird im Jahre 1612 Siegmund von Haugwitz genannt. Später gehörte es der Familie von Erdmannsdorf. Nach diesen sollen die von Erdmannsdorf auf kurze Zeit in den Besitz gelangt sein. Im Jahre 1713 erwarb es der Oberhof-Jägermeister von Erdmannsdorf, und seit 1810 ist es im Besitz der Familie von Abendroth.

Zu dem Rittergute gehört ausser dem Orte Förstchen ein Gasthof, die südlich von dem Dorfe gelegene Bachmühle und das Vorwerk Amalienburg, welches sonst Forst- oder Pielitzberg genannt wurde.

Das Schloss, obwohl von neuerer Zeit stammend, ist burgartig erbaut und gewährt einen sehr freundlichen Anblick. Der Park, der dasselbe theilweis umgiebt, darf nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Er ist geschmackvoll angelegt und sorgfältig gepflegt.

Eine Erwähnung verdient namentlich auch die Rangoische Erziehungsanstalt, die mit einem Privat-Schullehrer-Seminar verbunden ist.

Ausserdem besitzt Kössern eine eigene Schule, auch einen Betsaal, in welchem Sonntags Nachmittags von dem Schullehrer Betstunde gehalten wird, da der Kirchort Leipnitz, dem Kössern in kirchlicher Beziehung zugetheilt ist, durch die Entfernung von einer Stunde den regelmässigen Kirchenbesuch erschwert.

A.–n.     




Druck von Sturm und Koppe (A. Dennhardt) in Leipzig.
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 120. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/186&oldid=- (Version vom 5.8.2018)