Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I.djvu/268

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Auenhain, Güldengosse, Liebertwolkwitz und Wachau wurden mehre Male genommen und blieben zuletzt in französischen Händen.

Poniatowsky, der sich vornehmlich ausgezeichnet hatte, erhielt auf dem Schlachtfelde die französische Marschallswürde.

Die Wohnungen und das Eigenthum der Bewohner von Güldengossa wurde durch diesen Kampf aber völlig zerstört, Kirche, Pfarre und Schule unbrauchbar und unbewohnbar gemacht und nur nach und nach konnten die Spuren dieses schrecklichen Kampfes vertilgt werden.

Eine Zierde des Ortes ist jetzt das Schloss des hiesigen Rittergutes. Dieses Rittergut ist zwar nicht in Hinsicht auf den Flächeninhalt seiner Felder ausgezeichnet, wohl aber in Rücksicht auf seine herrlichen schönen Gartenanlagen.

Die Gründung des Ortes nebst der herrschaftlichen Wohnung ist nicht so genau bekannt. Die ersten uns bekannt gewordenen Besitzer des Gutes sind die Herren von Burkersroda, dem Herr Johann Ernst Kregel von Sternbach folgte, welcher sich durch Kirchlichkeit und Wohlthätigkeit ein bleibendes Andenken erworben hat. Derselbe bewerkstelligte gegen Osten einen neuen Anbau der Kirche, in welche er einen schönen Altar und eine herrliche Kanzel setzen liess. Letztere war vorher an einer Seite der Kirche angebaut. Herr von Sternbach und seine Gemahlin schenkten auch dem hiesigen Gotteshause zwei schöne Glocken, an denen ihre Namen prangen.

Diesem edlen Manne folgte der königl. Amtshauptmann Johann Ernst Kregel, von welchem Güldengossa der Dr. jur. Carl Friedrich Brähme in Leipzig acquirirte.

Später und zwar Ende des achtzehnten Jahrhunderts gelangte das Gut in die Hände des Kauf- und Handelsherrn Herrn Küstner in Leipzig von welchem es dessen Sohn gleiches Namens erbte. Dann kaufte das Gut der Amtsinspector Victor August Schoch, nach dessen Tode es auf seine Erben überging und zwar an Gustav Wilhelm Schoch. Der jetzige Besitzer seit zwei Jahren ist Herr Simon.

Der Besitzer des Gutes ist zugleich Collator über Kirche und Schule.

Die Kirche des Ortes ist eine der schönsten in der Leipziger Ephorie. Sie ist geräumig und lichtvoll. Sie ist aber blutarm, so dass den Parochainen die Erhaltung derselben so wie der übrigen geistlichen Gebäude und die Leistung aller Lasten obliegt.

Der Kirchhof enthält kein Denkmal von Schönheit und Merkwürdigkeit. In der Nähe desselben ist die Wohnung des Schullehrers.

In Güldengossa lebte von 1795 bis 1811 der Pastor J. C. A. Bauer, der sich als Volks- und historischer Schriftsteller bekannt gemacht hat.

Der Ort bildet nur eine Gemeinde, die aus 19. Bauergütern und mehrern Häuslern besteht.

Besondere andere merkwürdige Punkte giebt es hier nicht, denn das Dörfchen liegt zwischen ganz unbedeutenden Hügeln, von welchen aus man nur Leipzig und die in der Gegend herum liegenden Orte und Dörfer sehen kann.

Auch im Dorfe selbst zeichnen sich ausser dem Schlosse und der Kirche keine Güter weiter aus und die Bewohner desselben leben grösstentheils vom Feldbau und von Handarbeit, nur Wenige treiben eine Profession und für Manche ist das ein Nahrungszweig, dass sie Guirlanden und Kränze, von Blumen und Laub gewunden, nach Leipzig tragen und verkaufen.

Die Ableitung des Namens, den dieser Ort führt, ist nicht recht ermittelt worden.

Einige wollen solchen daher leiten, weil bei nasser Witterung hier eine wahre Gosse sei.

In Südosten grenzt Güldengossa mit dem historisch ebenfalls merkwürdig gewordenen Wachau, Napoleons Hauptquartier. Schon am 14. October bei dem Treffen bei Wolkwitz reichte das Kampffeld bis hierher. Auch war der Kampf am 18. October früh nördlich beim Dorfe, indem von hier aus anfangs die Angriffe auf Meusdorf, dann auch jene auf Probstheida geschahen, sehr mörderisch.

An dem südlichen Ende des herrschaftlichen Garten von Wachau steht die schöne Linde, die wir diesem Album früher schon gratis beigegeben haben, zu deren Spitze eine Wendeltreppe führt. Ob Napoleon, wie das Gerücht geht, selbst auf dieser Linde gewesen sei, um die Umgegend zu übersehen, bleibt ungewiss und nur so viel ist factisch, dass hochgestellte commandirende Generale sie mehrmals bestiegen haben, um das Terrain zu recognosciren, aber auch eben so oft von den feindlichen Batterien bemerkt und von herüberspielenden Kugeln verscheucht wurden.

Güldengossa mit seinen 49 bewohnten Gebäuden und 311 Einwohnern gehört zum Gerichtsamt Leipzig I., dem es bezüglich der übrigen höhern Behörden dieser Stadt ebenfalls einverleibt, sowie es mit den übrigen Orten dieses Gerichtsamtes der Amtshauptmannschaft Borna zugewiesen ist, Wachau dagegen steht unter dem Gerichtsamte Leipzig II.

M. G.     



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 174. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/268&oldid=3474641 (Version vom 7.1.2019)