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Oeltschau


das alte Olscnizi, auch Olsnize liegt 4 Stunden südöstlich von Leipzig, 3 Stunden nördlich von Borna, 3 Stunden westlich von Grimma an der Gösel, welche hier eine Breite angenehme Aue bildet, voll der schönsten Wiesen und Acker. Von den Mölbiser Anhöhen gewährt Oeltzschau einen vortrefflichen Anblick. Der Ort grenzt östlich mit Belgershain südlich mit Kemlitz und Mölbis, westlich mit Dahlitzsch und Kleinpetzschau.

Ob Oeltzschau der Ort, seine Entstehung[WS 1] dem dasigen Rittersitze, oder der Rittersitz dem Orte seinen Ursprung verdankt ist unermittelt. Aller Wahrscheinlichkeit nach, hatte in der frühesten Zeit hier eine Ansiedlung der Sorben statt und erst nach Unterjochung derselben durch die Franken und zu ihrer Ueberwachung wurde hier eine Burg oder Schloss erbaut, welches einen Befehlshaber oder Voigte als Wohnsitz angewiesen wurde, der die fürstliche Gewalt handhabte.

Nachdem diese Voigte oder diese Aufsichtsherrn zu einem gewissen Ansehen gelangt waren, versuchten sie es sich in ihrer Besitzung zu erhalten und zu befestigen und dadurch entstand die Verleihung in der Familie.

Ueber den ersten Erbauer von Oeltzschau sind keine sichern Nachrichten vorhanden. Nur so viel steht fest, dass das edle Geschlecht derer von Zehmen schon im 14. Jahrhundert hier, wie in Mölbis, sesshaft war, denen die Herren von Gaudlitz folgten.

Im Jahre 1554 acquirirte Oeltzschau Hans von Holläufer, von welchem es wieder an die Herren von Zehmen gelangte. Dieses altadliche Geschlecht befand sich noch im 18. Jahrhundert im Besitze von Oeltzschau. Denn im Jahre 1751 war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr von dieser Besitzung der Kammerjunker C. G. Adolph von Zehmen.

Später gelangte das Gut in die Hände der Familie von Boltenstern, die es bis in die 30ger Jahre dieses Jahrhunderts behaupteten.

Der gegenwärtige Besitzer ist Herr Gustav Krötzsch.

Das Rittergut, zu welchem bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation nur das Dorf gehörte, wurde mit einem Ritterpferd verdient.

Es befindet sich hier ein geschmackvolles 14 Fenster breites Schloss, welches sich, wie die Abbildung darthut, herrlich ausnimmt.

Die Wirthschaftsgebäude sind in einem vortrefflichen Zustande und die dasige Brauerei ist berühmt seit langen Jahren. Das hier gebraute Bier gehörte sonst zu den beliebtesten Leipzigs und der Umgegend und nur durch Einführung der bayerischen Biere ist das Oeltzschauer in Leipzig selbst einiger Maasen verdrängt worden. Der Ackerbau, die Viehzucht ist eine ausgezeichnete und der Obstbau ein vorzüglicher zu nennen.

Das frühere alte Schloss ist schon im 30jährigen Kriege mit zerstört worden, so dass von der alten Einrichtung, von der alten Anlage desselben keine Spur mehr vorhanden ist.

In diesem unglückseligen Kriege hat überhaupt Oeltzschau viele und harte Drangsale zu ertragen gehabt. Wallenstein berührte Oeltzschau mit seinen Schaaren, die nicht die freundschaftlichsten Gefühle bewiesen und keine schöne Erinnerung den damals lebenden Innwohnern hinterlassen haben.

Blos den Nachkommen wurde mit einem gewissen Anfluge von Stolz erzählt: Wir haben den grössten Mann jenes Kriegs bei uns gesehen, den Mann der mit seiner wunderähnlichen Herrscherkraft über die Menschen alle Hindernisse bewältigte und aus dem Wege zu räumen wusste, die ihm auf seiner Siegesbahn entgegen gestellt wurden. Unbestreitbar

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Enstehung
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 191. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/294&oldid=3474316 (Version vom 7.1.2019)