Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I.djvu/307

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und Erbzinsen, Frohnen, Jagd, Fasanerie, Beleihung durch den Landesherrn, Stellung eines Pferdes zum Kriegsdienste u. s. w.) hatte, nicht auf den Kreistagen der Rittergutsbesitzer erscheint. Es giebt zwar im Lande noch 20 Rittergüter, welche sich in derselben Lage befinden; allein der Grund dafür, konnte bis jetzt von Niemandem genau angegeben werden. Es kann dieses Recht blos durch ein Versehen des einen oder andern früheren Besitzers verloren gegangen sein.

Das Dorf Gestewitz hat ausser dem Rittergute noch 31 bewohnte Gebäude. Die Felder der Bewohner gehörten ehedem zu der Mark Krossen. Dieses Krossen war ehedem ein, zu dem damaligen Kloster Mölbis gehörendes Dorf, welches im Hussitenkriege schon zerstört wurde.

Der grösste Theil der Grundstücke blieb wüste liegen und wurde unter dem Namen der Mölbisser Heide von dem Rittergute und Dorfe Mölbis, sowie von den angrenzenden Dörfern zur Koppelhuthung benutzt.

Die Grundstücke, die an Bauern in Hain, Klein-Zössen und Gestewitz verliehen wurden und früher dem Kloster Mölbis zinsbar waren, erhielten die Besitzer später von der Kirche zu Mölbis in Lehn.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die wüste gebliebenen Stücke urbar gemacht und dergestalt vertheilt, dass jedes dahin zu hüten berechtigte Individuum einen Acker von 300 □ R. bekam, der übrige 200 Acker betragende Theil aber dem Rittergute Mölbis anheim fiel, dessen Besitzer der Rittmeister von Hopfgarten ein Vorwerk anlegte und demselben den Namen des früheren Dorfes Krossen beilegte.

Der Gasthof in Gestewitz, der nahe an der obwegten Haide liegt, wird deshalb heute noch die Haide genannt. – Dieser Gasthof liegt an der Borna-Altenburger Chausse, und war früher von Fuhrleuten stark besucht.

Gestewitz gehört ebenfalls zu denjenigen Orten, welches die Schrecken des Jahres 1813 mit erleben musste.

Im neuerbauten Parterre des Schlosses wohnte im October 1813 auf dem Marsche zur Leipziger Schlacht der Vicekönig Mürat und beobachtete vom Schlossthurme aus, mit Marschall Victor die nachrückenden Russen. Letztere hatten diese Recognoscirung bemerkt und beschossen nun die französische Linie besonders nach dem Schlosse Gestewitz hin. Ein Einwohner von Kesselshain büsste bei diesem Scharmützel das Leben ein. Während derselbe einem Soldaten Feuer reichen wollte, riss ihm eine Kanonenkugel den Kopf ab. Nach Abzug der Franzosen quartierten sich die Russen ein, welche durch Fahrlässigkeit die Veranlassung zu dem in den Wirthschaftsgebäuden ausgebrochenen Feuer waren. Obgleich die Russen auf Befehl ihrer Officiere das Wasser in den Czako’s aus dem unten gelegenen Teiche tragen mussten, so war das Feuer doch nicht zu bewältigen, da es an andern Rettungswerkzeugen fehlte, und die Wirthschaftsgebäude und eine Scheune wurden ein Raub der Flammen.

Gestewitz ist mit Kesselshain, Brauswig, Kleinzössen nach Eyla eingepfarrt, welches früher den Namen Yla führte.

Eyla war früher ein besonderes Lehngut, woran wenigstens ein Thimo von Yla erinnert, welcher im Jahre 1312 vorkommt.

Später gehörte das Dorf erbgerichtlich unter das Rittergut Kesselshein, dem auch das Patronat über Kirche und Schule zusteht.

Im westlichen Theile des Dorfes Eyla ragt die alte, von Wieprecht von Groitzsch ums Jahr 1106 durchaus massiv erbaute Kirche empor.

Diese Kirche liegt auf dem höchsten Punkte Eyla’s, welcher eine angenehme Aussicht nach den südlichen Auen und Fluren, sowie theilweise nach dem Rittergute Gestewitz hin bietet.

Dicht an der Kirche, am Abhange der kleinen Anhöhe, liegt der Todtenacker, seiner Lage nach so recht geeignet, auf das Erstehen oder Absterben der Natur hin zu deuten.

Nach Eyla schickt Gestewitz seine schulpflichtigen Schulkinder ebenfalls in die Schule.

Der Ort Gestewitz mit seinen 198 Bewohnern gehört jetzt ebenfalls zum Gerichtsamte Borna.

M. G.     



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 200. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/307&oldid=3474238 (Version vom 7.1.2019)